Bayern's head coach Julian Nagelsmann reacts during the Champions League, group C soccer match between Bayern Munich and Barcelona at the Allianz Arena in Munich, Germany, Tuesday, Sept. 13, 2022. (AP ...
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann steht nach den vergangenen Wochen aktuell gehörig unter Druck.Bild: AP / Andreas Schaad
Bundesliga

FC Bayern im Krisenmodus: Diese Probleme muss Julian Nagelsmann jetzt lösen

29.09.2022, 17:53

Vier Spiele, drei Unentschieden und eine Niederlage, Tabellenplatz fünf: Nach einem überragenden Saisonstart rutschte der FC Bayern in den vergangenen Wochen immer weiter in den Krisenmodus. Kaum Tore, löchrige Abwehr und kein unbedingter Wille – das waren die bestimmenden Themen an der Säbener Straße.

Trainer Julian Nagelsmann erklärte nach der jüngsten Pleite gegen Augsburg vor der Länderspielpause, dass er alles und jeden hinterfragen wolle.

Zwar stärken die Bayern-Bosse dem Coach demonstrativ den Rücken, um keine Trainerdiskussion aufkommen zu lassen, doch der Name Thomas Tuchel schwebt weiterhin über den Bayern.

Beginnend mit dem Heimspiel am Freitagabend gegen Bayer Leverkusen muss der 34-Jährige, gemeinsam mit seinem Team, bis Anfang November Ergebnisse liefern. Damit die Situation vor der WM-Pause eine andere ist.

Watson zeigt, welche Probleme der Bayern-Coach in den kommenden Wochen unbedingt in den Griff bekommen muss.

Das Offensiv-Problem

In den ersten Wochen der Saison wirkte es so, als würden die Münchner den Abgang von Robert Lewandowski locker wegstecken können.

Sie trafen fünfmal im Supercup gegen Leipzig, sechsmal zum Auftakt gegen Eintracht Frankfurt und sogar siebenmal gegen den VfL Bochum. Die Bayern spielten ohne Lewandowski noch unberechenbarer, da sich die Last der Tore auf viele Schultern verteilte. Doch dann kam nicht mehr viel. In den vergangenen vier Spielen schossen die Münchner zwar 93 Mal auf das gegnerische Tor, trafen aber nur viermal.

Der Rekordmeister scheitert seit Wochen in gewohnter Regelmäßigkeit an Weltklasse-Leistungen der gegnerischen Torhüter und am eigenen Unvermögen vor dem Tor – bestes Beispiel ist Sadio Mané.

FC Bayern: Julian Nagelsmann glaubt an Klasse von Sadio Mané

Nach vier Spielen stand er bereits bei vier Toren und machte die Frage, ob die Münchner einen richtigen Mittelstürmer brauchen, zumindest zu Saisonbeginn vergessen. Doch mittlerweile suchen der 30-Jährige und auch Nagelsmann die richtige Position für ihn.

220918 -- AUGSBURG, Sept. 18, 2022 -- Sadio Mane L of Bayern Munich vies with Rafal Gikiewicz R, goalkeeper of Augsburg, during the German first division Bundesliga football match between FC Augsburg  ...
Sadio Mané agiert vor dem gegnerischen Tor aktuell unglücklich.Bild: imago / Xinhua

In vorderster Sturmfront nimmt Mané nur selten richtig am Spiel teil. Hinzu kommt: Er ist mit seinen 1,74 Metern Körpergröße kein Wandspieler wie Robert Lewandowski, der sich gegen stämmige Abwehrspieler behaupten und den Ball verwerten kann. Besonders deutlich wird das, wenn sich die Münchner mit hohen Bällen aus der Defensive befreien müssen. Dann hat er in Luftzweikämpfen selten eine Chance.

Und auch im letzten Drittel stimmt die Abstimmung mit den neuen Kollegen noch nicht. Der Angreifer kommt nur selten in gefährliche Situationen. Gelingt das doch, lässt er die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen. Die Rufe, dass die Bayern einige der vergangenen Spiele mit Robert Lewandowski im Sturm gewonnen hätten, wurden dadurch wieder besonders laut.

"Es ist die Aufgabe des Spielers, das umzusetzen, was der Trainer ihm mitgibt. Dann ist er eine große Stütze und wird auch schnell wieder zur Topform zurückfinden, da bin ich guter Dinge", sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Die formschwache Bank

Das Problem: Von der Bank aus kann Trainer Julian Nagelsmann aktuell kaum Impulse bringen, um das Spiel nochmal zu beleben und formschwachen Spielern eine Pause zu gönnen. Obwohl, anders als in der vergangenen Saison, genügend Top-Stars auf der Bank sitzen.

Besonders deutlich wird das am Beispiel von Serge Gnabry, der nach einem starken Saisonstart seit Monaten seiner Form hinterherläuft. Kam er in den ersten drei Spielen noch auf zwei Tore und zwei Vorlagen, lässt er aktuell jegliche Überzeugung vor dem Tor vermissen. Zudem fehlen in seinen Offensivaktionen jegliche Dynamik und Kreativität – Eigenschaften, die ihn sonst ausgezeichnet haben.

Mathys Tel (l.) und Ryan Gravenberch (Mitte) kommen beim FC Bayern bisher kaum zum Zug.
Mathys Tel (l.) und Ryan Gravenberch (Mitte) kommen beim FC Bayern bisher kaum zum Zug. Bild: imago / mis

Auch Joshua Kimmich wirkt im Mittelfeldzentrum zunehmend überspielt. Der Nationalspieler absolvierte bisher alle Partien von Beginn an und wurde nur zweimal vorzeitig ausgewechselt. Auch im DFB-Team stand er in beiden Partien 90 Minuten auf dem Feld.

"Er hat wie jeder Mensch Dinge, die er gut macht, und Dinge, an denen er arbeiten kann. Am Ende ist wichtig, dass der Spieler weiß, was er zu tun hat", kommentierte Nagelsmann die Kritik am 27-Jährigen.

Mit Ryan Gravenberch verpflichteten die Münchner im Sommer eine Alternative mit viel Zukunftspotenzial, doch das konnte er bisher noch nicht auf dem Platz zeigen. Trotz einer guten Vorbereitung, bei der er von allen Seiten gelobt wurde, stand er bisher lediglich 218 Minuten auf dem Feld.

Nur Sturmtalent Mathys Tel zeigte bei seinen Startelf-Einsätzen im DFB-Pokal gegen Viktoria Köln und in der Liga gegen Stuttgart gute Ansätze und erzielte jeweils einen Treffer.

Die Einstellung

Thomas Müller wurde nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart deutlich und kritisierte die Einstellung seiner Mannschaft scharf: "Wenn wir jedes Spiel gewinnen wollen, und das ist unser Anspruch, müssen wir die letzten Minuten ans Limit gehen."

Doch seine Ansage hatte keine nachhaltige Wirkung. Nach der 0:1-Niederlage in Augsburg in der darauffolgenden Woche schlug Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidžić in die gleiche Kerbe. "Wenn wir die Disziplin, Gier und Körperlichkeit nicht zeigen, wird das nichts", zeigte er sich resigniert und "ein wenig beunruhigt".

Aktuell wirkt es so, dass die Münchner diese Eigenschaften lediglich in der Champions-League-Gruppenphase zeigen. Nicht umsonst haben die Bayern-Bosse den Stars deutlich gemacht, dass sie eine klare Leistungssteigerung erwarten.

Das war auch Nagelsmann anzumerken, der seine Spieler auf der Pressekonferenz wiederholt in die Pflicht nahm: "Wir wollen mutige Entscheidungen treffen und müssen uns bewusst sein, dass wir Bayern München sind. Wir brauchen Punkte und Siege."

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