Julian Nagelsmann bejubelt seinen ersten Titel mit dem FC Bayern.
Julian Nagelsmann bejubelt seinen ersten Titel mit dem FC Bayern.
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Analyse

Erster Sieg, erste Trophäe – "Der Titel ist eine Belohnung für die letzte Saison": Nach holpriger Vorbereitung startet die Nagelsmann-Ära beim FC Bayern erfolgreich

18.08.2021, 16:47

Vor 43 Tagen, am 7. Juli, begann die Ära Julian Nagelsmann beim FC Bayern München. Mit einem Lacher. Auf seiner Antritts-Pressekonferenz wurde er auf die Vertragslaufzeit von fünf Jahren angesprochen. Cool und lachend antwortete der 34-Jährige: "Das bedeutet mir sehr viel, für ein Jahr wäre ich nicht gekommen. Das sind Vorschusslorbeeren, dem möchte ich gerecht werden. Es gibt einem das Gefühl, liefern zu müssen."

Und auch Sport-Vorstand Hasan Salihamidžić war total begeistert bei der Vorstellung des neuen Top-Trainers: "Wir hatten nur eine Wunschlösung, das war Julian. Mit dem Fünfjahresvertrag haben wir ein Statement gesetzt. Wir haben uns ganz viel über Fußball ausgetauscht, er ist Fußball pur und hat hohe fußballerische Kompetenz."

"Mir ist schon wichtig, dass der Titel eine Belohnung für die letzte Saison ist. Wir sind Meister geworden – nicht ich – sondern Hansi und die Mannschaft."
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann über die Bedeutung des Supercups

Etwas mehr als einen Monat später kann Nagelsmann die erste Trophäe in die Luft reißen. Mit seinem Team schlägt er Borussia Dortmund 3:1 und feiert den Gewinn des Supercups. Nagelsmann freut sich darüber, weiß aber auch, dass er nicht alleine für diesen Titel gesorgt hat: "Mir ist schon wichtig, dass der Titel eine Belohnung für die letzte Saison ist. Wir sind Meister geworden – nicht ich – sondern Hansi und die Mannschaft. Ich freue mich natürlich, aber der Titel gehört schon auch anderen Leuten."

Holprige Vorbereitung

Vor dem Supercup zeigten die Vorzeichen nicht eindeutig auf die Bayern als Sieger. Die ersten eineinhalb Monate unter Nagelsmann liefen alles andere als einwandfrei. Bei vier Vorbereitungsspielen kassierte der Rekordmeister drei Niederlagen und holte nur einen Unentschieden. Dazu kam das 1:1 gegen Gladbach beim Saison-Auftakt. Im Gegensatz dazu lieferte der BVB sowohl in der Liga gegen Frankfurt (5:2) als auch im Pokal gegen Wiesbaden (3:0) zwei Gala-Leistungen ab.

"Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wir hatten jetzt ein Pflichtspiel und der Rest waren Tests und nie mit dem kompletten Kader."
Julian Nagelsmann vor dem Supercup, als er noch auf seinen ersten Sieg wartete

Nagelsmann hatte vor dem Supercup die Situation gelassen eingeschätzt: "Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wir hatten jetzt ein Pflichtspiel und der Rest waren Tests und nie mit dem kompletten Kader. Das darf man nicht zu hoch hängen."

Was er meint: Die Nationalspieler, die zur EM gefahren sind, stiegen erst Ende Juli ins Team-Training ein. Spieler wie Niklas Süle, Manuel Neuer, Thomas Müller und Joshua Kimmich hatten vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Gladbach noch nicht mal einen Einsatz in einem Test-Spiel.

Heißt: Die Münchner müssen sich noch finden und die neuen Ideen von Nagelsmann aufnehmen und werden sich in Zukunft noch mehr steigern können. Und dennoch haben sie bereits den BVB geschlagen. Zugegeben: Noch ist die neue Saison jung, aber es ist zumindest ein Indiz dafür, dass die Münchner am Ende der Saison den zehnten Meister-Titel nacheinander feiern könnten. Und Nagelsmann seinen ersten.

Dazu kommen die Verletzungen von Abwehr-Spielern wie Lucas Hernandez oder Benjamin Pavard, die nun erst die Chance für Talent Josip Stanišić ermöglichte.

Vorerst nur minimale System-Änderungen

Dass die Bayern erfolgreich spielen wollen, gehört zum Selbstverständnis der Münchner. Wie sie den Erfolg erreichen, dafür gibt es unterschiedliche Wege. Nagelsmann-Vorgänger Hansi Flick setzte auf frühes Pressing und Gegen-Pressing und überrollte so teilweise die Gegner.

Viel ändern möchte Nagelsmann daran nicht. Zu seiner Marschroute sagte er: "Ich werde hier nicht alles auf den Kopf stellen, wir müssen flexibel sein. In erster Linie geht es darum, dass die Spieler auf ihrer besten Position spielen und nicht eine Grundordnung zu finden, die auf den Gegner passt. Jeder Spieler hat seine Stärken, wir haben aber viele, die auf verschiedenen Positionen spielen können. Wir werden Grundordnungen wählen, in denen die Spieler ihre Qualitäten einbringen können."

Eine Sache fiel dann aber doch besonders im Spiel gegen Gladbach auf: die Besetzung auf den Außen. Vorher klebten sowohl die Außenverteidiger als auch offensiven Außen auf der Linie, um die volle Breite des Spiels zu nutzen. Jetzt fällt auf: Bietet sich im Spielaufbau beispielsweise der Linksverteidiger an der Außenlinie an, lässt sich der linke Offensiv-Akteur etwas ins Zentrum fallen. Das ganze funktioniert auch umgekehrt.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann feiert den Supercup-Gewinn mit seinen Spielern.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann feiert den Supercup-Gewinn mit seinen Spielern.
Bild: www.imago-images.de / MIS

Dadurch hat der ballführende Innenverteidiger eine Option mehr für ein Anspiel und die zwei verschiedenen Positionen der Spieler sind schwerer zu verteidigen. Wo sonst ein Gegenspieler zwei Bayern-Akteure abdecken konnte, muss sich der Gegner nun entscheiden, ob er den Spieler auf der Außenbahn deckt oder doch im Zentrum für Sicherheit sorgt.

Verhältnis zu Salihamidžić

Julian Nagelsmann ist in erster Linie eine Verpflichtung von Sport-Vorstand Hasan Salihamidžić. Das bedeutet, dass sich beide grundsätzlich erst einmal verstehen. Nagelsmann wird Salihamidžić dankbar sein, dass er seinen Traum, Trainer beim FC Bayern zu sein, erfüllt bekommen hat.

Dass es zwischen Trainer und Sportvorstand passen sollte, ist besonders beim FC Bayern wichtig. Schieden sich doch die Wege von Hansi Flick und dem FC Bayern genau deshalb. Zwischen dem jetzigen Bundestrainer und Salihamidžić hat es nicht gepasst. Insbesondere bei Transfer-Entscheidungen waren beide oft unterschiedlicher Meinung.

Ex-Bayern-Trainer Hansi Flick und Sport-Vorstand Hasan Salihamidžić lagen nicht immer auf einer Wellenlänge.
Ex-Bayern-Trainer Hansi Flick und Sport-Vorstand Hasan Salihamidžić lagen nicht immer auf einer Wellenlänge.
Bild: Pressefoto Ulmer/Pool / imago images

Ganz offen sagte Salihamidžić: "Wir hatten ein paar Differenzen, aber eine professionelle Zusammenarbeit. Jetzt schauen wir nach vorne." Kurz später schob er nach: "Mit Julian läuft es sehr gut, wir sind sehr glücklich."

Ähnlich sah es Nagelsmann auch, räumte sogar ein, dass bei Transfers "der Klub den Hut" aufhabe. Gleichzeitig sagte er zum Thema Neuverpflichtungen: "Wir haben genügend Spieler, irgendwann müssen junge Spieler in die Bresche springen, es gibt keine ewige Vorlaufzeit. Wir sind immer noch im Leistungssport, man muss schnell liefern."

Intern drängt Nagelsmann wohl auf Neuzugänge

Das scheint sich mittlerweile aber geändert zu haben. Während der Vorbereitung soll Nagelsmann gemerkt haben, dass der Bayern-Kader zu dünn sei. Öffentlich verhält sich Nagelsmann zu diesem Thema ruhig. Laut Informationen der "Bild-Zeitung" soll er aber intern Druck machen und auf die Verpflichtung von weiteren Spielern drängen.

Ein Kandidat soll da zum Beispiel Leipzigs Marcel Sabitzer sein. Mit ihm arbeitete Nagelsmann in seinen zwei Jahren als RB-Trainer zusammen. Vor Anpfiff des Supercups wollte Salihamidžić eine Frage zu Sabitzer nicht kommentieren, sagte nur: "Es ist ein Spieler von RB Leipzig und darüber werde ich mich nicht äußern. Wir schauen, was am Markt los ist."

"Ich würde gerne ein Titel-Hamster sein."
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann über seine Ziele mit den Münchnern

Hört sich so an, als könnte Nagelsmann vielleicht doch noch auf Verstärkung hoffen. Vielleicht ja auch als Belohnung für den ersten Titel mit den Bayern, damit ein weiterer Traum, den er am Sky-Mikrofon preisgab noch wahr wird: "Ich wünsche mir mehr Titel als nur einen. Ich habe ja auch so kleine Hamsterzähne. Das sieht man ja. Ich würde gerne ein Titel-Hamster sein."

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