08.05.2022, Fussball 1. Bundesliga 2021/2022, 33. Spieltag, RB Leipzig - FC Augsburg, in der Red Bull Arena Leipzig. Schiedsrichter Bastian Dankert ***DFL and DFB regulations prohibit any use of photo ...
Bastian Dankert leitete bereits zwei Relegations-Spiele. Bild: www.imago-images.de / imago images
Bundesliga

"Physisch und mental total ausgelaugt": Bundesliga-Schiedsrichter über die besondere Herausforderung von Relegations-Spielen

19.05.2022, 16:1219.05.2022, 19:39

Eine alte Fußballweisheit besagt, dass es das größte Lob für Schiedsrichter ist, wenn man nach dem Spiel nicht über sie spricht.

In der Vergangenheit gab es aber gerade in Relegations-Spielen immer wieder strittige Szenen, die über das Wohl und Wehe des Erst- und Zweitligisten entschieden. Daher wird auch beim Hinspiel zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV am Donnerstagabend Fifa-Schiedsrichter Harm Osmers im Mittelpunkt stehen.

"Alles, was man vorher über 34 Spieltage geleistet hat, ist vergessen. Es kommt einzig auf diese eine Begegnung an", bestätigt Bundesliga-Schiedsrichter Bastian Dankert im Gespräch mit watson. So kommt es nicht nur für die Teams darauf an, alles aus der Saison zu holen, sondern auch für den Unparteiischen.

Der 41-Jährige kennt sich mit Relegationsspielen gut aus. In der Saison 2017/18 leitete er das Hinspiel zwischen der 2. und 3. Liga zwischen Erzgebirge Aue und dem Karslruher SC. Und in der Saison 2018/19 das Hinspiel zwischen dem VfB Stuttgart und Union Berlin.

Als eine Strafe, die Spiele zusätzlich zur Bundesliga-Saison zu leiten, sieht Dankert das nicht. "Es hat weder mit Fluch noch mit Segen zu tun. Hauptsächlich sehe ich es mehr als Anerkennung an, nach einer langen Saison zu dem ausgewählten Kreis zu gehören, dem so eine Spielleitung zuteilwird."

08.05.2022, Fussball 1. Bundesliga 2021/2022, 33. Spieltag, RB Leipzig - FC Augsburg, in der Red Bull Arena Leipzig. L-R Mads Pedersen FC Augsburg, Niklas Dorsch FC Augsburg und Ohis Felix Uduokhai FC ...
Bastian Dankert im Gespräch mit Spielern vom FC Augsburg. Bild: www.imago-images.de / imago images

Schiedsrichter stehen in der Relegation besonders unter Druck

Doch auch dem Unparteiischen ist die Tragweite der Entscheidungen in den Relegationsspielen besonders bewusst. Daher ist auch die Anspannung unter dem Schiedsrichtergespann deutlich höher als an normalen Bundesliga-Spieltagen. Die besondere Bedeutung gilt es für das Gespann jedoch auszublenden.

"In einem Bundesliga-Spiel am 3. oder 12. Spieltag kann ein Fehler des Schiedsrichters durch die Teams noch an den darauffolgenden Spieltagen egalisiert werden. In einem Entscheidungsspiel bleiben manchmal nur noch Minuten dazu." Und manchmal treffen in diesen Minuten auch die Schiedsrichter Entscheidungen, die spielentscheidend sein können.

Bestes Beispiel ist da wohl das Relegations-Rückspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem Hamburger SV in der Saison 2014/2015. Damals gab Schiedsrichter Manuel Gräfe einen umstrittenen Hand-Freistoß für den HSV, der dafür sorgte, dass sich die Hamburger in die Verlängerung retten. Dort setzten sich die Hanseaten durch und feierten den Ligaverbleib.

Manuel Gräfe (r.) pfiff in der Relegation 2015 in der 90. Minute ein umstrittenes Handspiel.
Manuel Gräfe (r.) pfiff in der Relegation 2015 in der 90. Minute ein umstrittenes Handspiel. Bild: imago sportfotodienst / Jan Huebner

Umso größer war auch für Dankert die Erleichterung, dass seine beide Relegationsspiele ohne Fehler über die Bühne gingen. "Nach dem Spiel ist man dann physisch und mental komplett ausgelaugt und freut sich, dass die Begegnung so über die Bühne gegangen ist."

Unparteiische müssen Emotionen der Spieler schnell kontrollieren

Dass ein Auf- und Abstieg für die Klubs auch finanziell von enormer Bedeutung ist und häufig auch Arbeitsplätze im Umfeld des Vereins an der Ligazugehörigkeit hängen, ist auch den Schiedsrichtern bewusst. "Und das macht so ein Relegationsspiel natürlich nicht einfach", sagt der gebürtige Schweriner.

"Es kommen Schiedsrichter zum Einsatz, die keinerlei Probleme in der abgelaufenen Saison mit den jeweiligen Mannschaften hatten."
Bundesliga-Schiedsrichter Bastian Dankert

Da es um alles geht, können die Relegationsspiele schnell emotional und mitunter auch sehr hart und unfair werden. "Teilweise werden Dinge unter den Hut der Emotion gebracht, die darunter nichts verloren haben", sagt auch Bastian Dankert.

Gerade dann komme es besonders auf den Unparteiischen an, der die Spieler, Trainer und Funktionäre in ruhigere Bahnen lenken muss. "Größtmögliche Empathie und eine selbstbewusste Spielführung ohne den Drang der Selbstdarstellung kann die Wogen schnell glätten und sie erst gar nicht aufkommen lassen", erklärt Dankert seine Herangehensweise an solche Partien.

Relegation hat keinen Platz für Fußball-Romantik

Neutrale Zuschauer fiebern bei den Relegationsspielen häufig mit dem niederklassigen Mannschaft mit. Diese Romantisierung kennt Dankert, der bereits über 100 Bundesliga-Spiele geleitet hat, nicht.

"Die Fußball-Romantik ist mir bei meinen Spielleitungen vielleicht schon abhandengekommen", erzählt er lachend. "Auf dem Feld spielt für mich weiß gegen rot oder gelb gegen schwarz. Mir ist ganz gleich, ob es ein höherklassiges oder niedrigklassiges Team ist", macht der Schiedsrichter klar.

Insgesamt achte der DFB besonders bei den Relegationsspielen auf die Auswahl des Unparteiischen.

Schiedsrichter Harm Osmers . Fussball: 1. Bundelsiga : Saison 21/22: VfB Stuttgart -Borussia Dortmund, 29. Spieltag 08.04.2022. *** Referee Harm Osmers sports football 1 Bundelsiga season 21 22 VfB St ...
Harm Osmers pfeife das Relegations-Hinspiel zwischen Hertha BSC und dem HSV am Donnerstagabend. Bild: www.imago-images.de / imago images

"Es wird bei den Ansetzungen genau geschaut, wer mit einem Team vielleicht nicht ganz so vertraut war und wo der öffentliche Aufschrei zu einer dargebotenen Leistung zu laut war. Deshalb kommen Schiedsrichter zum Einsatz, die keinerlei Probleme in der abgelaufenen Saison mit den jeweiligen Mannschaften hatten, zum Einsatz."

Für Hertha BSC und den HSV ist Harm Osmers in dieser Saison aber kein gutes Omen. Die Berliner verloren beide Spiele unter seiner Leitung gegen Mainz (0:4) und Frankfurt (1:4). Die Hamburger unterlagen mit dem 37-Jährigen als Schiedsrichter im Derby gegen den FC St. Pauli 2:3.

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