Nicolas Höfler spielt seit 2005 für den SC Freiburg, könnte nun zum ersten Mal den DFB-Pokal gewinnen.
Nicolas Höfler spielt seit 2005 für den SC Freiburg, könnte nun zum ersten Mal den DFB-Pokal gewinnen.Bild: www.imago-images.de / imago images
Interview

"Wird extrem eskalieren": Freiburgs Nicolas Höfler vor dem DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig

Vor dem DFB-Pokalfinale spricht Freiburgs Nicolas Höfler im watson-Interview über die Ansprache von Christian Streich, seine Rolle im Team und den Schal-Streit mit RB Leipzig.
19.05.2022, 14:5121.05.2022, 13:13

Wie es sich anfühlt, in einem DFB-Pokal-Endspiel zu stehen, kennt Nicolas Höfler – zumindest im Nachwuchsbereich. Denn gemeinsam mit seinem Trainer Christian Streich und Teamkollege Jonathan Schmid gewann er schon 2009 den DFB-Pokal der A-Junioren.

Nun, 13 Jahre später, steht das Trio wieder im Endspiel. Der Gegner ist nun aber nicht Borussia Dortmund, den der Sportclub damals im Elfmeterschießen besiegte, sondern RB Leipzig.

"Motivationstechnisch kann ich es mir durchaus vorstellen, dass er sich etwas einfallen lässt."
Freiburgs Nicolas Höfler über die Ansprache von Trainer Christian Streich

Im watson-Interview spricht der 32-Jährige über die Ansprache von Christian Streich, die Entwicklung von Gegner Leipzig und was ein Titelgewinn für Freiburg bedeuten würde.

watson: Herr Höfler, Sie wussten nun einen Monat, dass das Pokalfinale ansteht. Wie blendet man so ein wichtiges Spiel im Bundesliga-Endspurt aus?

Nicolas Höfler: Wir haben versucht, es nicht in die Köpfe reinzulassen. Aber es bleibt nicht aus, dass das Spiel ein bisschen in den Köpfen schwebt. Trotzdem haben wir es weitestgehend gut hinbekommen, das Finale im Bundesliga-Alltag auszublenden.

In der Liga haben Sie gegen Finalgegner Leipzig zweimal 1:1 gespielt. Wie viel Aussagekraft haben diese Spiele?

Im Finale wird es auf die Tagesform ankommen und wer besser mit der Nervosität und dem Druck umgehen kann. Die beiden Spiele an sich haben nicht die größte Aussagekraft. Ich finde, es ist aber ein Fingerzeig, dass wir nach 34 Spielen in der Bundesliga so eng bei Leipzig in der Tabelle stehen.

Für die meisten ist es das erste Finalspiel. Bereitet man sich da besonders drauf vor?

Ich denke, man sollte sich normal vorbereiten. Jeder hat seine bestimmten Abläufe, die er vor Spielen durchgeht. Da werde ich auf jeden Fall nichts ändern, weil ich davor immer gut mit meinen Angewohnheiten gefahren bin.

Glauben Sie, dass sich Christian Streich für das Finale nochmal etwas Besonderes im taktischen oder motivatorischen Bereich vornehmen wird?

Motivationstechnisch kann ich es mir durchaus vorstellen, dass er sich etwas einfallen lässt. Andererseits findet er auch spontan immer die richtigen Worte. Taktisch kann ich mir nicht vorstellen, dass er sich etwas Wildes oder Neues einfallen lässt. Er muss sich nicht beweisen. Ich denke, wir bleiben da bei unseren Prinzipien mit den verschiedenen Systemen.

Sollte der SC das Finale gewinnen, können Sie sich vorstellen, wie dann gefeiert wird?

Wahrscheinlich wird es extrem eskalieren, wenn wir den ersten Titel der Vereinsgeschichte holen. Es würde auf jeden Fall eine extreme Party geben. Ich würde mich aber auch schon sehr darüber freuen, wenn wir uns nach dem Finale gegen 22 Uhr in den Armen liegen und es feiern könnten.

Die Freiburger Nicolas Höfler (l.) und Jonathan Schmid (r.)  im Duell mit Dortmunds Mario Götze (Mitte). Beide stehen mit Freiburg im Pokalfinale.
Die Freiburger Nicolas Höfler (l.) und Jonathan Schmid (r.) im Duell mit Dortmunds Mario Götze (Mitte). Beide stehen mit Freiburg im Pokalfinale. sportnah / imago images

In den vergangenen Tagen gab es Aufregung darüber, dass der SC einen gemeinsame Finalschal nicht erlaubt hat. Wie stehen Sie dazu?

Um diesen Fanschal wird ein ziemlich großes Theater gemacht. Ich glaube, so ein Schal sollte Akzeptanz in der Fanszene haben, den hat er offensichtlich nicht. Dann muss man es halt bleiben lassen. Wenn ich richtig informiert bin, gab es diesen Schal beim vergangenen Finale Leipzig gegen Dortmund auch nicht.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Entwicklung von Leipzig seit der Gründung 2009?

Generell wird Leipzig in vielen Teilen der Republik sehr kritisch gesehen, weil ein potenter Geldgeber dahintersteckt. Man muss den Verantwortlichen aber Respekt dafür zollen, wie sie mit dem Geld umgehen.

Wie meinen Sie das?

Sie treiben damit eine enorme Entwicklung voran, machen die Spieler besser und haben eine gute Infrastruktur gebildet.

Nicolas Höfler (l.) wird am Samstag häufig in Zweikämpfe mit Leipzigs Kevin Kampl verwickelt sein.
Nicolas Höfler (l.) wird am Samstag häufig in Zweikämpfe mit Leipzigs Kevin Kampl verwickelt sein. Bild: www.imago-images.de / Ulmer

Gerade bei traditionellen Fußball-Fans wird der Weg mit einem Investor aber sehr kritisch gesehen…

Ich bin da neutral wie die Schweiz (lacht). Ich verurteile niemanden, der Leipzig kritisiert. Aber ich sehe auch niemanden schief an, wenn er diesen Weg gut findet. Ich persönlich finde es schön, so wie es in Freiburg ist, wo wir – zwar langsam – aber dafür stetig ein bisschen größer werden.

Lassen Sie uns wieder über Freiburg sprechen. 2013/14 spielten Sie schon einmal in der Europa League. In der Liga landeten Sie nur auf dem 14. Platz. Im Jahr danach folgte der Abstieg. Kommende Saison spielen Sie wieder international. Was macht Ihnen Mut, dass es nicht wieder danach bergab geht?

Damals hat ein großer Umbruch stattgefunden, die Mannschaft musste sich neu finden und wir hatten nicht die Breite im Kader, wie wir sie jetzt haben und vermutlich auch in der neuen Saison haben werden. Daher bin ich optimistisch, dass wir für die Mehrfachbelastung gut vorbereitet sind. Am Ende ist es der Traum für jeden Fußballer unter der Woche internationale Spiele zu spielen.

"Ich spiele in der Bundesliga, komme regelmäßig zum Einsatz und fühle mich in der Stadt und der Region wohl. Das ist schwer zu toppen."
Freiburgs Nicolas Höfler über die Gründe, dass er seit 2013 wieder für den SC Freiburg spielt

Einige Profis haben sich in den letzten Jahren in Freiburg in den Fokus von größeren Klubs gespielt und sind dann gewechselt. Sie nicht. Warum?

Da kommen zwei Dinge zusammen. Erstens: Ich fühle mich hier extrem wohl und kann einschätzen, dass ich genau dieses Gefühl brauche, um gut Fußball zu spielen. Bei einem neuen Verein wäre es eine Wundertüte, ob es wirklich so ist, wie man sich erhofft.

Und zweitens?

Es muss natürlich auch Angebote geben, die interessant sind. Ich hatte nicht dieses eine Angebot, bei dem ich ins Schwanken gekommen bin. Ich habe hier alles: Ich spiele in der Bundesliga, komme regelmäßig zum Einsatz und fühle mich in der Stadt und der Region wohl. Das ist schwer zu toppen.

Sie stehen allerdings nicht unbedingt im medialen Mittelpunkt, obwohl Sie fast immer über 25 Spiele pro Saison spielen und zu den Leistungsträgern gehören. Stört sie das?

Im Fußball ist es normal, dass die Leute, die die Tore schießen einfach mehr im Rampenlicht stehen. Da bin ich aber überhaupt nicht neidisch. Ich kenne meine Rolle und weiß, wie ich sie gut ausfülle. Das mache ich sehr gerne und es macht mich glücklich.

Sie sind einer der wenigen Profis, die Freiburg auch noch ohne Christian Streich als Trainer kennen. Sie haben noch unter Robin Dutt trainiert. Wie sehr hat Christian Streich den SC in den vergangenen zehn Jahren geprägt?

Natürlich zu einem ganz, ganz großen Teil. Er ist die eine Konstante im letzten Jahrzehnt und hat ein extrem hohes fußballerisches und taktisches Fachwissen, das er vermittelt. Dazu kommt seine zwischenmenschliche Art, durch die er uns allen immer etwas mitgeben will.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Fürs WM-Ticket: DFB-Keeper will durch Wechsel mehr Spielpraxis erhalten

Bei der Auswahl der Spieler für das WM-Aufgebot steht Hansi Flick vor der traditionsreichen Pflicht eines deutschen Bundestrainers, aus einem Überangebot von Spitzen-Torhütern drei auszuwählen. An Manuel Neuer führt wohl auch diesmal kein Weg vorbei, bei der FIFA-Auswahl zum Welttorhüter wurde er letztes Jahr Dritter.

Zur Story