Den Ball im Blick, leider nicht die Politik. Argentinien und sein Star Lionel Messi wollen nicht in Israel spielen.
Den Ball im Blick, leider nicht die Politik. Argentinien und sein Star Lionel Messi wollen nicht in Israel spielen.
Bild: AP

Messis Trikot, in blutrot beschmiert – darum sagte Argentinien Testspiel in Jerusalem ab

06.06.2018, 15:4407.06.2018, 08:13

Fußball ist mehr als ein Spiel. Das musste am Mittwoch auch Argentiniens Fußballstar Lionel Messi erfahren. Argentinien sagte sein für Samstag geplantes Freundschaftsspiel gegen Israel ab. Der Grund: Der Palästinensische Fußball-Verband (PFA) hatte aus Protest gegen die Verlegung des Spiels zu Protesten aufgerufen. 

Was war passiert?

Das Freundschaftsspiel von Israel gegen Argentinien war von Haifa nach Jerusalem verlegt worden. Politisch heikel, denn der völkerrechtliche Status der Stadt ist umstritten, erst im vergangenen Monat hatte es heftige palästinensische Proteste gegen die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem gegeben.

Der palästinensische Fußballverband hatte heftig gegen den Austragungsort protestiert.

Dschibril Radschub, Präsident des palästinensischen Fußballverbands forderte dazu auf, Trikots des argentinischen Stars Lionel Messi zu verbrennen. Pikant: 

  • Radschub gilt als möglicher Nachfolger von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
  • Das Teddy-Kollek-Stadion liegt im Viertel Malha, im unumstrittenen Westteil der Stadt. 

Argentiniens Fußballnationalelf bereitet sich derzeit im katalanischen Barcelona auf die WM vor. Am Dienstag war es rund um das Trainingsgelände zu Protesten gegen das Spiel in Jerusalem gekommen. Dabei waren mit blutroter Farbe beschmierte argentinische Nationaltrikots in die Höhe gehalten worden.

Argentinischer Abgang

Argentiniens Nationalspieler Nicolas Otamendi, Angel Di Maria und Marco Rojo
Argentiniens Nationalspieler Nicolas Otamendi, Angel Di Maria und Marco Rojo
Bild: dpa

In der Reaktion auf die Proteste sagte der argentinische Fußballverband (AFA) das Spiel in Israel aus Sorge um die Sicherheit der Spieler ab. 

Die Reaktionen

Der palästinensische Verband (PFA) feierte die Absage am Mittwoch als "rote Karte für Israel". Israels Verband IFA sprach dagegen von "physischen und brutalen Drohungen", die "jegliche rote Linie überschritten" hätten. Man werde eine Beschwerde beim Weltverband Fifa einreichen.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman reagierte auf die Absage mit Unverständnis. "Es ist eine Schande, dass die argentinischen Fußballer dem Druck der Israel-Hasser nachgegeben haben, deren einziges Ziel es ist, Israels Grundrecht zur Selbstverteidigung zu verletzen und seine Vernichtung herbeizuführen", schrieb Lieberman am Mittwoch bei Twitter.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Dienstagabend mit einem Anruf bei Argentiniens Staatspräsidenten Mauricio Macri vergeblich versucht, die Entscheidung in letzter Sekunde noch zu kippen. Das ursprünglich in Haifa geplante Testspiel sollte Teil der Feierlichkeiten zum 70. Unabhängigkeitstag Israels sein.

Die Verlegung nach Jerusalem, das von Israel und Palästina gleichermaßen als Hauptstadt beansprucht wird, war aber vom palästinensischen Fußballverband als politischer Akt kritisiert worden. "Am Ende war es die richtige Entscheidung. Die Gesundheit und der gesunde Menschenverstand haben Vorrang", erklärte Argentiniens Stürmer Gonzalo Higuain dem Sender ESPN.

Israels Verbandspräsident Ofer Eini sagte der Zeitung "Maariv": "Ich verstehe, dass das argentinische Team der Proteste wegen unter starkem Druck stand. Die Absage ist trotzdem äußerst bedauerlich."

Israel nimmt seit Jahrzehnten bei der Qualifikation für große Turniere an der europäischen Ausscheidungsrunde teil. In Nahost muss das Termin um seine Sicherheit fürchten. 

Die Konsequenzen 

Argentinien suche nun kurzfristig nach einem Gegner für Samstag, berichteten die Nachrichtenagenturen. Doch geht es nicht allein um Fußball, sondern auch um die Frage der Gewaltandrohung, der Erpressbarkeit und des Boykotts.

Der palästinensische Verbandspräsident Radschub soll Argentinien mit Konsequenzen für eine mögliche Bewerbung um die WM 2030 gedroht haben. Ein politisches Druckmittel. 

Gezielt wurden aber auch Argentiniens Fußballspieler unter Druck gesetzt. 

(dpa, AFP)

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