Felix Passlack (2.v.l), Gio Reyna, Erling Haaland, Emre Can und Axel Witsel (v.l.n.r.) jubeln mit Neuzugang Jude Bellingham (l.), der das 1:0 auflegte.
Felix Passlack (2.v.l), Gio Reyna, Erling Haaland, Emre Can und Axel Witsel (v.l.n.r.) jubeln mit Neuzugang Jude Bellingham (l.), der das 1:0 auflegte.
Bild: www.imago-images.de / Maik Hölter/TEAM2sportphoto

Plötzlich wieder wichtig: Ein fast vergessener BVB-Profi nutzt seine Chance

25.09.2020, 08:44

Die Zahl des ersten Bundesligaspieltags der Saison 2020/21 lautet nicht etwa acht (Bayerns 8:0-Sieg) oder drei (es gab nur drei Heimsiege) oder 45.800 (So viele Zuschauer durften wieder in die Stadien) – nein, sie lautet Tausendeinhundertsiebenundzwanzig.

Denn nach 1127 Tagen hat BVB-Profi Felix Passlack am Samstagabend gegen Borussia Mönchengladbach sein Comeback für Dortmund gefeiert.

Bereits in der 19. Minute wechselte Trainer Lucien Favre ihn für Thorgan Hazard ein. Passlack ersetzte den Belgier auf der linken Außenbahn, nachdem sich dieser bei einer Abwehraktion verletzt hatte.

BVB: Passlack ersetzt verletzten Hazard gegen Gladbach – und überzeugt

Mancher der rund 10.000 Fans im Signal-Iduna-Park rieb sich wahrscheinlich etwas verwundert die Augen, immerhin saß auf der Dortmunder Ersatzbank auch noch ein gewisser Hochkaräter namens Marco Reus. Doch auf den zweiten Blick war sofort klar, warum nicht Reus, sondern Passlack für Hazard ins Spiel kam.

Hat sich im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz reingehängt: Felix Passlack.
Hat sich im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz reingehängt: Felix Passlack.
Bild: www.imago-images.de / Inderlied/Kirchner-Media

Denn in Favres 3-4-3-System nahm der Belgier die Position links im Mittelfeld ein, auf der man sowohl defensive als auch offensive Aufgaben hat – und Passlack ist für diese Position besser geeignet als Flügelstürmer Reus.

"Ich brauchte einen Verteidiger", erklärte Favre nach dem 3:0-Sieg gegen Gladbach. Dabei kam Passlack zugute, dass mit Raphaël Guerreiro und Marcel Schmelzer zwei gelernte Linksverteidiger verletzungsbedingt fehlten und Nico Schulz nicht im Kader stand. Der Trainer aus der Schweiz lobte seinen Spieler: "Felix hat seine Sache hervorragend gemacht. Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Das freut mich sehr für ihn."

Der 22-Jährige, der unter Tuchel debütierte, galt bis vor kurzem noch als Wechselkandidat

Ein überraschend positives Fazit, wenn man bedenkt, dass der 22-Jährige noch bis vor kurzem als Streichkandidat im BVB-Kader galt, dem man bei einem möglichen Angebot eines anderen Vereins keine Steine in den Weg gelegt hätte.

2015: Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel (r.) scheint stolz auf sein damals noch 17-jähriges Talent Felix Passlack zu sein.
2015: Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel (r.) scheint stolz auf sein damals noch 17-jähriges Talent Felix Passlack zu sein.
Bild: imago sportfotodienst / Thomas Bielefeld

Denn seit der U17-Fritz-Walter-Medaille in Gold und seinem Bundesliga- sowie Champions-League-Debüt als vielversprechender Teenager unter Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel machte Passlack nicht mehr allzu viel von sich reden.

Als Leihspieler bekam er nicht so viel Spielzeit, wie er sich wahrscheinlich erhofft hatte

Die vergangenen drei Jahre verbrachte er als mäßig erfolgreicher Leihspieler außerhalb von Dortmund, kam erst im Sommer von Fortuna Sittard zurück. Dort spielte er in der niederländischen Eredivisie.

2017: Bei seiner Leihe zur TSG Hoffenheim absolvierte Felix Passlack (r.) nur 61 Bundesligaminuten. Vornehmlich kam er damals in der Regionallige bei Hoffenheim II zum Einsatz, hier gegen SV Elversberg.
2017: Bei seiner Leihe zur TSG Hoffenheim absolvierte Felix Passlack (r.) nur 61 Bundesligaminuten. Vornehmlich kam er damals in der Regionallige bei Hoffenheim II zum Einsatz, hier gegen SV Elversberg.
Bild: imago sportfotodienst / Thomas Frey

In den beiden Saisons davor stand er erst ein Jahr lang bei Hoffenheim, dann bei Norwich City unter Vertrag. Während es bei den Leihstationen in Hoffenheim (Nur 167 Minuten Spielzeit bei den Profis) und Norwich (448 Minuten) nicht so gut lief, stabilisierte er sich in Sittard. Dort stand er in der vergangenen Spielzeit in 28 Pflichtspielen auf dem Rasen, spielte nur zwei Mal nicht 90 Minuten.

Kehl: Passlack hat im Trainingslager wieder auf sich aufmerksam gemacht

Während des Trainingslagers von Borussia Dortmund hängte er sich fleißig rein, zeigte viel Einsatz. "Er hat sich in der Vorbereitung nie hängen lassen, er hat Vollgas gegeben und ein großes BVB-Herz", sagte Sebastian Kehl, Leiter des Lizenzbereichs von Borussia Dortmund. Und weiter: "Er tut dieser Mannschaft sehr gut." Das zahlt sich nun offenbar für ihn aus.

In der vergangenen Saison stand Felix Passlack (l.) leihweise in der niederländischen Eredivisie für Fortuna Sittard auf dem Platz.
In der vergangenen Saison stand Felix Passlack (l.) leihweise in der niederländischen Eredivisie für Fortuna Sittard auf dem Platz.
Bild: www.imago-images.de / Pro Shots

Sky-Experte Lothar Matthäus meinte nach dem Abpfiff am Samstag zu seiner Leistung: "[Passlack] war ausgeliehen, kommt zurück und hat so gespielt, als ob er nie weg war [...] Er hat hinten zugemacht und hatte immer wieder gefährliche Aktionen über die linke Seite."

Der fast vergessene Passlack ist plötzlich wieder wichtig. Auch die Dortmund-Fans waren zufrieden mit dem "zweiten Debüt" ihres Eigengewächses, das seit 2012 in der BVB-Jugend kickt und jetzt wie ein unverhoffter Neuzugang wirkt.

2018: Felix Passlack als Leihspieler bei Norwich City.
2018: Felix Passlack als Leihspieler bei Norwich City.
Bild: imago sportfotodienst / Focus Images

Bei Twitter zumindest zollten ihm viele Respekt, die Reaktionen zu Passlacks Leistung klangen größtenteils so:

Passlack könnte nun profitieren, weil die Borussia nun für einige Wochen auf den verletzten Thorgan Hazard verzichten muss, dessen Position er gegen Gladbach mit Bravour übernahm. Beim 27-jährigen Offensivmann wurde im Nachgang des Spiels ein Muskelfaserriss im Oberschenkel festgestellt.

Felix Passlack: Plötzlich wieder wichtig – "Der kann gerne bleiben"

Wenn Passlack, der auf beiden Außenseiten offensiv und defensiv eingesetzt werden kann, dieses Level hält, kann sich Lucien Favre über eine Option mehr freuen.

Gut gemacht! Lucien Favre (l.) und Felix Passlack auf dem Trainingsplatz.
Gut gemacht! Lucien Favre (l.) und Felix Passlack auf dem Trainingsplatz.
Bild: www.imago-images.de / Norbert SCHMIDT

Zurückgreifen kann der Schweizer wohl künftig auf jeden Fall auf ihn, denn der BVB will Passlack nach dem Gladbach-Spiel nun doch nicht mehr verkaufen: "Der kann gerne bleiben", sagte Sportdirektor Michael Zorc gegenüber der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ("WAZ"). "Felix ist ein sehr positiver Junge, der jeden Tag im Training Gas gibt, und gegen Gladbach wurde er dafür belohnt."

Auch Sebastian Kehl attestierte Passlack am Samstagabend eine gute Leistung, "in einer Situation, die für ihn nicht ganz so einfach war." Der Ex-Profi schätzt "die Wahrscheinlichkeit, dass Felix beim BVB bleibt" als "sehr, sehr hoch" ein.

Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Felix Passlack nicht wieder 1127 Tage bis zu seinem nächsten Einsatz für Borussia Dortmund warten muss – und vielleicht wird aus ihm doch noch eine ganz große Nummer.

(as)

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