Ein Traum wird wahr für die Spieler von Eintracht Frankfurt.
Ein Traum wird wahr für die Spieler von Eintracht Frankfurt.Bild: dpa / Arne Dedert

Europa-League: Eintracht Frankfurt im Siegestaumel nach Krönung in Sevilla

19.05.2022, 08:36

Eintracht Frankfurt hat als erstes deutsches Team die Europa League gewonnen. Die Fans feierten – und das auf sehr chaotische Weise. Kein Wunder! Schließlich war es ein echtes Nervenspiel! Die Eintracht lag im Finale gegen Glasgow Rangers der Europa League zurück – holte dann aber trotzdem den Silberpott im Elfmeterschießen.

Spieler und Fans im Siegestaumel nach dem entscheidenden Tor

Die Europahelden von Eintracht Frankfurt rannten nach dem Sieg jubelnd zu ihren Fans und fielen sich überglücklich in die Arme. "Wir sind alle die Helden, schaut euch das an", rief Nationaltorwart Kevin Trapp ins RTL-Mikrofon, nachdem er im Nervenspiel vom Punkt mit für den Triumph gesorgt hatte. Der Bundesligist krönte seine denkwürdige Saison am späten Mittwochabend mit dem ersten internationalen Titel seit 42 Jahren. In einem elektrisierenden Finale der Europa League gewann das Team von Trainer Oliver Glasner im Elfmeterschießen mit 5:4 (1:1, 1:1, 0:0) gegen die Glasgow Rangers.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab im Elfmeterschießen fast einen Herzinfarkt bekommen"

Trapp hielt den Versuch von Aaron Ramsey. Rafael Borré versenkte den entscheidenden Schuss für die Hessen, die damit in der kommenden Saison erstmals in der Champions League spielen. Joe Aribo (57.) hatte die Rangers zunächst in Führung gebracht, die Borré (69.) aber noch in der regulären Spielzeit ausglich. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich hab im Elfmeterschießen fast einen Herzinfarkt bekommen", sagte Ansgar Knauff.

Rafael Santos Borré erzielte per Elfmeter das 5:4.
Rafael Santos Borré erzielte per Elfmeter das 5:4.Bild: dpa / Arne Dedert

Am Donnerstag soll beim Empfang am Frankfurter Römer die große Siegesparty in der Heimat steigen. Angeführt von Kapitän Sebastian Rode, der nach Kopfverletzung mit blauem Turban spielte, steht das Team nun auf einer Stufe mit den UEFA-Cup-Siegern von 1980 um Karl-Heinz Körbel und den in diesem Jahr gestorbenen Jürgen Grabowski. Unter dem Motto "Mit dem Jürgen, für den Jürgen" krönten Frankfurts Fußballer nun eine bemerkenswerte Reise mit etlichen Festabenden.

Wahnsinnsstimmung im Stadion

Im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán herrschte von Beginn an eine Wahnsinnsstimmung. Die Eintracht-Fans hatten ihr Team mit einer erneut beeindruckenden Choreographie empfangen, in den Gassen und auf den Plätzen der andalusischen Metropole verfolgten Tausende Anhänger beider Clubs das Endspiel ohne Ticket. Während der Partie berichteten spanische Medien von Auseinandersetzungen beider Fangruppen etwa drei Stunden vor dem Anpfiff. In der Arena überwog die Euphorie. "Wir werden der Chef im Stadion sein", hatte Eintracht-Präsident Peter Fischer angekündigt.

Frankfurts Filip Kostic jubelte nach dem Sieg.
Frankfurts Filip Kostic jubelte nach dem Sieg.Bild: dpa / Arne Dedert

Und die Hessen starteten sehr engagiert in die Partie. Mit viel Risiko und scharfen Pässen spielte sich die Eintracht immer wieder an den Rangers-Strafraum – musste in der fünften Minute aber gleich einen Schockmoment überstehen. Rode blieb nach einem Foul von John Lundstram am Kopf blutend auf dem Rasen liegen und wurde mehrere Minuten behandelt. Der Brite hatte den Eintracht-Profi mit dem Schuhstollen an der Stirn getroffen.

Die erste Halbchance hatte Daichi Kamada, der nach einem kurzen Solo aber nicht zum Abschluss kam. Den anschließenden Schuss von Djibril Sow fing Glasgows 40 Jahre alter Torwart Allan McGregor ohne Mühe (12.). Beim Versuch von Ansgar Knauff mit dem linken Fuß hatte McGegor schon mehr Mühe (20.). Die Eintracht war zumindest in der ersten halben Stunde deutlich näher an der Führung, beim Konter über Filip Kostic schien mehr drin (32.).

Glasner rief im blauen Polohemd immer wieder Anweisungen auf den Platz. Der Österreicher, der vor der Saison aus Wolfsburg gekommen war, musste auf den verletzten Abwehrchef Martin Hinteregger verzichten, Jesper Lindström war dagegen rechtzeitig fit geworden. Der Däne, dessen abgefälschter Schuss zu Beginn der zweiten Halbzeit nur knapp vorbei ging (49.), sorgte im Verbund mit Kamada und Borré für Unruhe in der zunächst aber standhaften Rangers-Abwehr.

Fehler durfte sich die Eintracht nicht erlauben, zu stark waren die Rangers

Offensiv kam der schottische Vizemeister zwar erst durch Aribo nahe an das Tor des deutschen Nationalkeepers Trapp, der Schuss des 25-Jährigen ging aber nur knapp vorbei (26.). Beim Kopfball von Lundstram musste sich Trapp strecken, um den Ball über die Latte zu lenken (36.). Fehler durfte sich die Eintracht nicht erlauben – die Rangers, die zunehmend besser wurden, hatten in den Runden zuvor Borussia Dortmund und RB Leipzig ausgeschaltet.

Das dritte internationale Finale der Eintracht nach 1960 und 1980 wurde zunehmend spannender. In der zweiten Halbzeit spielten beide Teams in Richtung der eigenen Fanblöcke. In Frankfurt zitterten über 50 000 Anhänger beim Public Viewing in der Eintracht-Arena mit. Erst recht, als Aribo nach einer Fehlerkette in der Frankfurter Abwehr von Sow und Tuta frei vor Trapp zum Abschluss kam und traf. Tuta verletzte sich dabei, er wurde durch Makoto Hasebe ersetzt.

Die Schlussphase vor Augen kam erst Kamada zur großen Chance zum Ausgleich, der Heber des Japaners ging aber nicht nur über McGregor, sondern auch über das Tor (67.). Borré machte es im Strafraum nach einer scharfen Hereingabe besser – das Spiel war wieder und blieb offen. Der Versuch von Kostic ging knapp vorbei (89.), dann ging es in die kraftraubende Verlängerung, in der Trapp kurz vor Schluss mit zwei starken Paraden das Elfmeterschießen sicherte.

Fans feierten – und verursachten ein "einziges Scherbenmeer" in Frankfurt

Fans feierten ausgelassen.
Fans feierten ausgelassen.Bild: dpa / Frank Rumpenhorst

Die Freude war groß. So groß, dass es in der Nacht zum Donnerstag in der Frankfurter Innenstadt zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen feiernden Fußballfans und der Polizei gekommen. "Es ist ein einziges Scherbenmeer", sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Unter anderem sei ein Funkwagen des ersten Polizeireviers von feiernden Menschen beschädigt worden, nachdem sie auf das Dach geklettert waren. Einige Feiernde haben außerdem Einsatzkräfte mit Flaschen beworfen, wie die Frankfurter Polizei auf Twitter schrieb.

Viele Fans begingen den Eintracht-Sieg dagegen laut und ausgelassen auf den Straßen, aber ohne Gewalt.

(ast/dpa/afp)

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