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Hahohe: Ex-Hertha-Coach Jürgen Klinsmann. Bild: Screenshot Facebook

Klinsmann erklärt in Facebook-Live-Video seinen Hertha-Rücktritt

Einen Tag nach seinem Rücktritt als Trainer von Hertha BSC hat Jürgen Klinsmann seine Beweggründe in einem rund 15-minütigen Facebook-Live-Video erläutert.

Klinsmann bezeichnete darin die Umstände seines plötzlichen Rücktritts als Trainer von Hertha BSC selbst als "fragwürdig". Er wolle sich für die Art und Weise seiner überraschenden Demission beim Berliner Fußball-Bundesligisten nach nur elf Wochen im Amt entschuldigen, sagte der 55-Jährige am Mittwochabend in einem Videochat bei Facebook.

Er hätte sich "mehr Zeit lassen sollen, mehr reden sollen mit der Hertha-Führung", fügte Klinsmann hinzu. Die Entscheidung sei aber bereits seit Wochen in ihm gereift.

Zoff mit Preetz war der Grund für Klinsmanns Abgang

Es seien viele Dinge im Internen passiert, die sehr schwer gewesen seien für ihn. Auslöser für seinen Rücktritt seien Meinungsverschiedenheiten über die Aufteilung von Kompetenzen zwischen ihm als Trainer und Sport-Geschäftsführer Michael Preetz gewesen. Dies habe ihm "unglaublich aufgestoßen".

Klinsmann klagte zudem:

"Ich bin bis heute leider im vertragslosen Zustand"

Bisher habe man keinen konkreten Vertrag mit "klarer Kompetenzaufteilung" hinbekommen.

Hertha wirft Klinsmann aus Aufsichtsrat

In dem Facebook-Live-Video ließ Klinsmann seine weitere Zukunft bei Hertha BSC offen: "Die Zukunft, wie sie jetzt bei mir aussieht, und mit dem Klub aussieht, das ist allen überlassen bei der Hertha. Das sollen die Leute sagen, wie sie es sich wünschen."

Dabei hatte er vorher angekündigt, sich künftig wieder seiner Rolle im Aufsichtsrat der Hertha widmen zu wollen. Doch daraus wird jetzt offenbar nichts. Wie der "Spiegel" berichtet, soll Investor Lars Windhorst von Klinsmanns Rücktritt als Coach verärgert gewesen sein. Dem Bericht zufolge soll Klinsmann nun auch den Aufsichtsrat verlassen und keine Funktion mehr im Verein bekleiden.

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (11.30 Uhr) bestätigte Investor Lars Windhorst , dass Klinsmann nicht in den Aufsichtsrat zurückehren werde.

Klinsmann war Anfang November durch die Tennor Holding von Geldgeber Windhorst für einen Platz im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KGaA benannt worden, nachdem diese ihre Anteile für insgesamt 224 Millionen Euro auf 49,9 Prozent aufgestockt hatte. Dieses Amt ließ Klinsmann ruhen, als er knapp drei Wochen später den Cheftrainerposten übernahm.

Aus dem Umfeld von Geldgeber Windhorst erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass eine mögliche Rückkehr von Klinsmann in den Aufsichtsrat geklärt werden soll, wenn sich die Wogen nach seinem Rücktritt geglättet haben.

In seinem Facebook-Live-Video hatte Klinsmann auch auf seine zarten Anfänge in Berlin zurückgeblickt. Sein Start bei Hertha sei wie ein "Himmelfahrtskommando" gewesen. "Wir haben das Ding angeschoben, haben losgelegt mit viel Enthusiasmus." Dann habe er beim Traininslager in Florida vorgeschlagen, dass er auch gerne länger Trainer bleiben würde.

Doch es gab unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie viel Macht er als Trainer bei der Hertha haben sollte – und inwiefern Sport-Geschäftsführer Preetz bei Dingen mitmischt.

Er sei es nicht mehr gewohnt gewesen, dass ein Manager ständig Kommentare zu den Spielern abgebe, sagte Klinsmann. In den USA habe der Trainer mehr Macht: "Nur der entscheidet nur, was abläuft mit den Spielern." Das wäre auch sein Wunsch gewesen. "Da haben wir uns aufgerieben in vielen Nebenkriegsschauplätzen in den vergangenen neun Wochen", gestand Klinsmann.

Klinsmann wehrt sich gegen Fan-Vorwürfe

"Viele von euch sagen, er hinterlässt jetzt ein Chaos. Das stimmt absolut nicht", wehrte sich Klinsmann gegen Fan-Vorwürfe. Die Mannschaft habe sich stabilisiert und sechs Punkte Abstand auf den Relegationsplatz aufgebaut. Es habe einen Verjüngungsprozess gegeben.

Er wünsche Hertha nur das Beste, sagte Klinsmann. "Ich bedanke mich für unglaublich intensive zehn Wochen. Der Klub geht in die richtige Richtung." Auf mittlere Sicht bedeute das: das Ziel ist die Champions League.

(hau/mit dpa)

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