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Zwei Top-Klubs gegeneinander: Lewandowski trifft mit dem FC Barcelona in der Champions League auf seinen Ex-Klub FC Bayern München.Bild: www.imago-images.de / imago images
Fußball-Kolumne

Champions League: Europas Fußball muss aus der Monokultur des Kommerz wieder herausfinden

Harald Lange
In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt der Fanforscher Harald Lange exklusiv auf watson über die Dinge, die Fußball-Deutschland aktuell bewegen.
27.08.2022, 13:5527.08.2022, 13:57

Am Donnerstag wurden die Gruppen für die erste Phase der Champions League Saison 2022/23 ausgelost. Diesmal sind fünf deutsche Vertreter dabei. Neben Meister Bayern München haben sich Dortmund, Leverkusen und Leipzig direkt für die sogenannte Königsklasse qualifiziert. Eintracht Frankfurt bekommt seinen Startplatz aufgrund des Titels in der letztjährigen Europa League. Die Bundesliga ist also mit fünf "Champions" bärenstark in dieser Liga vertreten.

"Aus welchem Grund wird der Kreis derjenigen, die in diesem Wettbewerb mitspielen dürfen, immer kleiner?"

Hat sich eine elitäre Super League etabliert?

Da es in jedem Land immer nur einen Meister gibt, lohnt es sich nachzuhaken: Aus welchem Grund wird der Kreis derjenigen, die in diesem Wettbewerb mitspielen dürfen, immer kleiner? Trägt das üppige Prämiensystem dazu bei, dass die Kluft zwischen Arm und Reich auch in den kommenden Jahren noch größer wird?

Akzeptieren wir die Aussicht, dass auch künftige Champions League-Sieger ausschließlich aus den fünf finanzstarken Ligen Europas kommen und alle anderen draußen bleiben? Haben wir mit der bestehenden Champions League nicht längst das Modell einer elitären Super League etabliert?

Fanforscher Harald Lange
Harald Lange bild: Uni Würzburg
Über den Autor
Harald Lange ist seit 2009 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Würzburg. Er leitet den Projektzusammenhang "Fan- und Fußballforschung" und gilt als einer der bekanntesten Sportforscher in Deutschland. Der 53-Jährige schreibt und spricht täglich über Fußball, auch in seinem Seminar "Welchen Fußball wollen wir?"

Teilnehmer haben handfesten Wettbewerbsvorteil

Gegen diesen Inbegriff des europäischen Kommerzfußballs hatten Fans und Politik im vergangenen Jahr nachhaltig und lautstark protestiert. Wer setzt sich für die Interessen der kleineren Länder ein? Für europäische Clubs und Verbände mit Tradition und Leidenschaft? Für Vereine, in denen guter Fußball gespielt wird und wo Talente für die vier größten Ligen Europas ausgebildet werden? Weshalb fließt das viele Geld immer nur dorthin, wo es eh schon im Überfluss vorhanden ist?

"Droht uns eine fußballerische Monokultur auf europäischer Ebene?"

In diesem Jahr waren 32 Clubs aus 15 Uefa-Nationen im Lostopf. Allein dafür können sich die Teilnehmer über eine Startprämie von knapp 16 Millionen Euro freuen. Mit Blick auf die nächste Saison und Transferrunde ist das ein handfester Wettbewerbsvorteil gegenüber allen anderen Vereinen, die nicht in dieser Liga spielen dürfen. Und mit jedem Sieg werden die Prämien für die Champions League-Teilnehmer üppiger.

Wie sollen angesichts solch gigantischer Geldspritzen aus dem Uefa-Topf die Clubs der 40 Nationen, die keine Teilnehmer in diese lukrative Liga entsenden dürfen, den Abstand zu den Spitzenverdienern verringern? Droht uns eine fußballerische Monokultur auf europäischer Ebene?

Solidaritätsdenken auf dem Abstellgleis

In der vergangenen Spielzeit waren im Achtelfinale nur noch Clubs aus acht europäischen Ländern dabei. Im Jahr zuvor ging es noch zugespitzter zu: Da waren es Clubs aus sechs (von 55) europäischen Fußballnationen. Wer diese Entwicklung gutheißen mag, der muss sich die Frage gefallen lassen, was eigentlich gegen die Einführung der Super League spricht, die von den finanzstarken Vereinen Europas selbst organisiert wird?

Die Tatsache, dass die Uefa irgendwie mitverdienen muss, genügt mir als Argument nicht. Es sei denn, sie würde sich wirklich für die Interessen aller 55 Mitgliedsverbände einsetzen und Reformen auf den Weg bringen, die den Spitzenfußball in Europa breiter aufstellen.

Dieser Solidaritäts- und Entwicklungsgedanke ist in der Welt des europäischen Kommerzfußballs auf das Abstellgleis verfrachtet worden. Dabei halte ich die grundlegende Idee der Champions League für ausgezeichnet: Die jeweiligen Landesmeister der Uefa-Nationen sollen ihren Champion in einem eigenen Wettbewerb auf europäischer Ebene ausspielen.

Uefa sollte sich vom Kommerzfußball abgrenzen

Ich weiß, das ist Folklore. Aber Folklore dieser Art trägt dazu bei, den Fußball auf internationaler Ebene wertebasiert aufzuladen. Ein klein wenig mehr davon würde bereits genügen, das Image der Champions League aufzupolieren. Mit Blick auf die Konkurrenz durch die Idee der kommerziell klar und transparent durchorganisierten Super League wäre die Uefa gut beraten, an den Stellen Ausrufezeichen zu setzen, an denen sie sich vom reinen Kommerzfußball unterscheiden will.

v.l. 20 Bouna Sarr, 10 Leroy Sane, Depay, Thomas Mueller, Omar Richards, Pique, 40 Malik Tillman, Araujo, Demir, am Spielende. Fussball / UEFA Champions League / FC Bayern Muenchen FC Barcelona, Barca ...
Der FC Bayern und der FC Barcelona trafen auch 2021 in der Champions League aufeinander.Bild: www.imago-images.de / Lackovic

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