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2013: Schalke-Fans protestieren gegen das Ticketportal Viagogo. bild: imago

9000 Euro für ein Final-Ticket der Champions League – so zockt Viagogo Fans ab

Hinweise poppen auf, blinken in verschiedenen Farben: "Für dieses Event sind weniger als ein Prozent der Tickets verfügbar", steht da. Auf einem anderen Banner die Warnung: "Fast ausverkauft! Nur noch 15 Tickets übrig."

Wir sind auf dem Ticketportal Viagogo und suchen nach Tickets für das Champions-League-Finale. Einige Tage zuvor war klar: Um den Pokal werden Tottenham Hotspur und der FC Liverpool im Madrider Stadion Wanda Metropolitano spielen. Wieder blinkt etwas auf: "Jemand anderes hat sich dieses Ticket geschnappt." Es sind Methoden, die man von Urlaubsportalen kennt. Die Hinweise sollen Kunden unter Druck setzen und zu einem schnellen Kauf animieren. Und das funktioniert offenbar.

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"Hilfe, es gibt kaum Tickets!" – Schon während der Warterei auf die angebotenen Tickets setzt das Portal einen unter Druck. bild. screenshot viagogo.de

Viagogo wirkt wie ein offizielles Ticketportal

Wenn man "Tickets Champions League Finale" googelt, ist Viagogo das erste Suchergebnis. Zahlreiche Kunden kaufen in den wenigen Minuten, die wir auf der Seite sind, offenbar Karten für das Spiel. Die Tickets werden dort zu horrenden Preisen zwischen 3500 und über 9000 Euro gehandelt.

So sieht das dann aus:

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Viel Rot, viele Hinweise: Mitte Mai gab es auf Viagogo Tickets für das CL-Finale zu horrenden Preisen. bild. Screenshot viagogo.de

Insgesamt 38.000 von insgesamt 63.500 Karten hatte die Uefa für Fans bereitgehalten. Die beiden Finalisten erhielten je 17.000 Tickets, während 4000 Eintrittskarten im März an Fans weltweit verkauft wurden. Die übrigen Eintrittskarten gehen an das lokale Organisationskomitee, Vereine, Fußballverbände, Sponsoren und Medien.

Die eigentlichen Preise der 38.000 Karten liegen nicht wie bei Viagogo im hohen vierstelligen Bereich, sondern wurden von der Uefa je nach Kategorie für Preise zwischen 70 und 600 Euro verkauft.

Der FC Liverpool und Tottenham straften nach dem Verkauf ihrer rund 17.000 Tickets schon einige Fans ab

Diverse Tickets für das Finale wurden auf Zweitmärkten zum Kauf angeboten worden – unter anderem bei Viagogo. Fünf Liverpool-Fans droht ein lebenslanges Stadionverbot an der Anfield Road, nachdem sie versuchten, ihre Tickets gewinnbringend für umgerechnet bis zu 5108 Euro weiterzuverkaufen. Der FC Liverpool erklärte, dass "interne Untersuchungen" laufen. Die Spurs haben drei Dauerkarteninhaber bereits gesperrt, nachdem ihre Tickets auf einschlägigen Webseiten entdeckt wurden. "Wir fordern alle Fans auf, eine der größten Gelegenheiten in der Vereinsgeschichte nicht zu ruinieren, indem sie ihre Tickets weiterverkaufen und davon profitierten", hieß es in einer Erklärung. ("Liverpool Echo")

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Tickets der Kategorie 1 wurden offenbar auf Viagogo auch mal für 9099 Euro verkauft. bild. screenshot viagogo.de

Auf Nachfrage von watson verurteilt Viagogo dieses Vorgehen gegen die Fans: "Es ist absurd, dass Clubs genau die Menschen bestrafen, die ihre größten Unterstützer sind, und dazu beitragen sollten, ihren Betrieb mit lebenslangen Verpflichtungen gegenüber den Clubs zu finanzieren", schrieb das Unternehmen in einer Mail an unsere Redaktion.

Und weiter: "Es ist völlig legal, dass jemand Tickets verkauft, die er nicht benutzen kann. Die Fans von Tottenham und Liverpool sollten das Recht haben, ihr Eigentum weiterzuverkaufen, wenn sie es wünschen." Das Vorgehen von Viagogo ist aber nicht nur beiden Clubs ein Dorn im im Auge.

Angebotene Viagogo-Tickets gibt es oftmals noch gar nicht

Was bei Viagogo als besonders dubios kritisiert wird, ist die Masche mit den Leerkäufen. Demnach bietet das Unternehmen Tickets an, die es noch gar nicht besitzt. Dazu kommen die horrenden Preise: So wird eine saftige Provision verlangt – in der Regel zehn Prozent von dem, der sein Ticket verkaufen will, und 15 Prozent vom Käufer. Dadurch sind die Preise für die Tickets um ein Vielfaches teurer als der Originalpreis.

Die Grenze ist nach oben hin offen: Für das WM-Finale 2014 in Rio verkaufte Viagogo Karten für bis zu 30.000 Euro. Das stößt auch bei deutschen Vereinen auf Widerstand.

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Unter anderem die Dortmunder Ultragruppe "The Unity" forderte 2013: "ViaNogo" bild: imago

Noch im Jahr 2012 arbeiteten sieben Bundesliga-Vereine mit Viagogo zusammen. Der Höhenflug dauerte nicht lange an. 2013 gab es zahlreiche Fan-Proteste gegen Viagogo. Vereine wie Schalke oder der HSV kündigten ihre Verträge mit dem Unternehmen. 2018 ging selbst die Fifa gegen die Ticketbörse vor, weil diese entgegen eines Verbots WM-Karten für das Turnier in Russland vertrieb.

Zuletzt ging Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC vor einem Spiel mit einer einstweiligen Verfügung gegen das Schweizer Unternehmen vor. Regelmäßig hätten Fans sich dem KSC gegenüber beschwert, bei der Plattform Viagogo Tickets zu einem deutlich überteuerten Preis erworben zu haben. Doch nicht nur im Fußball finden sich überteuerte Tickets des Portals, auch die Hamburger Elbphilharmonie warnte schon vor Schwarzmarkt-Tickets über Leerverkäufe und kritisierte explizit Viagogo dafür. (Spiegel.de/Elbphilharmonie)

Viagogo wehrt sich gegen die Kritik

Die Schweizer Firma wehrt die Kritik seit Jahren ab. Auf Nachfrage von watson teilte das Unternehmen mit, dass man lediglich eine Plattform für Drittanbieter sei. "Viagogo ist ein Marktplatz – und kauft oder verkauft keine Tickets", heißt es per Mail. Das Unternehmen geht aber noch weiter. Der Tenor: Viagogo ist mehr Segen als Fluch. "Wir listen Tickets auf, sobald sie verfügbar sind, weil wir uns dafür einsetzen, dass jeder Zugang zu Tickets hat", heißt es. "Über den Primärmarkt werden viele Tickets zunächst Unternehmenssponsoren, Werbetreibenden, VIP-Sitzplatzinhabern und anderen gut vernetzten Personen zugewiesen, bevor sie an der Abendkasse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden."

Das Unternehmen sehe sich als "sichere Plattform für den Kauf und Verkauf" und die große Zahl der wiederkehrenden Käufer und Verkäufer auf der Plattform spreche für ihre wichtige Rolle, um den Menschen die Teilnahme an der Veranstaltung ihrer Wahl zu ermöglichen. Und Viagogo geht sogar noch weiter: "Durch den Zugang zum Kauf und Verkauf von Tickets auf einer sicheren Online-Plattform hat Viagogo den Ticketbetrug, der früher außerhalb von Veranstaltungsorten oder auf dem Schwarzmarkt existierte, deutlich reduziert."

Viagogo ist also der Robin Hood des internationalen Ticketmarktes? Die Verbraucherzentrale Bayern sieht das anders.

Verbraucherzentrale klagte gegen Viagogo

Laut Verbraucherzentrale Bayern täuscht das Portal nämlich seine Kunden, da es wie eine offizielle Verkaufstelle wirkt. "Im gesamten Buchungsprozess wird nicht transparent dargestellt, dass eigentlich andere Verkäufer ihre Tickets anbieten", erklärt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern auf Nachfrage von watson. Gegen diese Täuschung von Viagogo klagten die Marktwächter der Verbraucherzentrale im April vor dem Landgericht München. "Wir gehen auch davon aus, dass der Verkäufer angezeigt werden sollte", sagt Halm. "Außerdem sind wir der Meinung, dass das Garantieversprechen von Viagogo nicht wirksam ist." Das Urteil steht noch aus.

Soccer Football - Champions League Final - Wanda Metroplitano Media Day - Wanda Metropolitano, Madrid, Spain - May 13, 2019  General view of the Wanda Metropolitano stadium  REUTERS/Sergio Perez

Hier findet das Finale der Champions League statt: Wanda Metropolitano. Bild: reuters

Die Beschwerdeliste ist lang, erklärt Halm: "Wir erhalten außerdem viele Beschwerden zu Viagogo, so dass wir Verbraucher auf die Risiken hinweisen müssen, die man eingeht, wenn man auf dieser Ticketbörse kauft." In einigen Fällen konnten die Käufer trotz überteuerter Preise nicht mal das Event besuchen. "Wir haben Beschwerden darüber, dass falsche Tickets kommen oder gar keine", erklärt Halm. "Immer häufiger wird den Fans der Einlass verwehrt, weil die Tickets personalisiert sind, also andere Namen auf den Karten vermerkt sind."

Kunden sollen Ticket-Preise vergleichen

Die Preise seien nicht nur teurer als auf dem Erstmarkt, sondern oft auch gar nicht so rar, wie es Viagogo den Kunden vorgaukelt. "Man sollte sich von vermeintlich geringen Angeboten nicht beirren lassen und dann doch nochmal andere Anbieter sichten", erklärt Tajana Halm. "Daher sollten auch unbedingt Preise verglichen werden. Oft gibt es Karten auch noch zu Originalpreisen zu kaufen."

Das Verfahren gegen Viagogo läuft noch, die Verbraucherzentrale Bayern erwartet ein Urteil nach dem Champions-League-Finale. Für die Fans, die sich für dieses Spiel die Tickets für mehrere tausend Euro gekauft haben, ist das zu spät.

(bn)

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