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War beim FC Bayern München trotz zahlreicher Erfolge nicht immer begeistert: Pep Guardiola. symbolBild: imago images / Eibner

Pep Guardiola packt aus, was er beim FC Bayern vermisste

Sieben Meisterschaften holte der FC Bayern in den vergangenen sieben Jahren. Auch in dieser Saison ist noch alles möglich, sodass sich der Klub zum achten Mal in Folge krönen könnte. Doch es brodelte zuletzt beim FC Bayern: Trainer Niko Kovac musste gehen, Hansi Flick übernahm und darf vorerst Trainer bleiben. Im Hintergrund suchen die Bayern-Bosse aber offenbar einen neuen Coach.

Viele Fans und Experten bemängelten unter Kovac die zahlreichen Gegentore in der Defensive und die fehlende Spielidee in der Offensive. Es fehle die Handschrift des Trainers. Dieser Tage fällt in München immer wieder auch der Name Pep Guardiola. Jener Guardiola hat eine ganz klare Handschrift. Wie die "Sport Bild" berichtet, stellt der FC Bayern sogar Überlegungen an, den derzeitigen Trainer von Manchester City zurückzuholen.

Der Katalane war einer der Vorgänger von Kovac auf dem Trainerstuhl des FC Bayern München – und wird offenbar nivvon einigen Fans vermisst. Unter Guardiola spielte der FC Bayern zwischen 2013 und 2016 einen wesentlich dominanteren Ballbesitz-Fußball als etwa unter Kovac. Beide Trainer coachten den Klub anders: Während Kovac den eigenen Kickern beispielsweise Freiheiten gewährte, gab Guardiola jedem seiner Profis klare Vorgaben, die diese einhalten mussten. Wie einige Fans denkt auch Guardiola gerne an die drei erfolgreichen Jahre beim Rekordmeister zurück. In einem Interview verriet Guardiola nun aber, dass er manche Taktiken nie etablieren konnte – weil ihm das Personal fehlte.

Im Gespräch mit einem katalanischen Radiosender erklärte der 48-Jährige, dass er einen Spielertyp für die Position der "Falschen Neun" beim deutschen Rekordmeister vermisst habe. Guardiola gilt als einer der großen Liebhaber dieser Position, die einen Mittelstürmer beschreibt, der sich immer wieder weit ins Mittelfeld zurückfallen lässt, am Passspiel teilnimmt und somit eine Verbindung zwischen Sturm und Mittelfeld ist. Guardiola spielte während seiner erfolgreichen Zeit beim FC Barcelona mit keinem Geringeren als dem sechsfachen Weltfußballer Lionel Messi auf dieser Position. Beim FC Bayern sei für ihn jedoch kein Spieler infrage gekommen, der diese Rolle einnehmen konnte.

Guardiola vermisste "Falsche Neun" beim FC Bayern

"Ich habe es auch bei Bayern München versucht", sagte der Katalane im Interview mit "Radio Catalunya" und erklärte weiter: "Aber es gab keinen Spieler, der drei Spieler ausdribbeln und dann treffen konnte." Zwar hatte Guardiola mit Arjen Robben, Franck Ribéry, Thomas Müller oder dem damaligen Neuzugang Mario Götze zahlreiche hochbegabte Spieler im offensiven Mittelfeld, doch offenbar genügte keiner von ihnen den Anforderungen des Star-Trainers.

Trainer Pep Guardiola (FC Bayern Muenchen) gibt Mario Goetze (FC Bayern Muenchen 19) Anweisungen Bayer 04 Leverkusen vs FC Bayern Muenchen, Fussball, 1. Bundesliga, 02.05.2015, Foto: Schueler/Eibner EP_JSE

team manager Pep Guardiola FC Bavaria Munich gives Mario Goetze FC Bavaria Munich 19 Instructions Bayer 04 Leverkusen vs FC Bavaria Munich Football 1 Bundesliga 02 05 2015 Photo Schueler Eibner EP_JSE

Mario Götze (rechts) konnte die hohen Erwartungen beim FC Bayern nie erfüllen und wechselte nach drei Jahren zurück zum BVB. Bild: imago/Eibner

Die Aussagen des heutigen Trainers von Manchester City sind pikant, denn Mario Götze spielte diese Position sowohl unter Joachim Löw in der Nationalmannschaft als auch unter Lucien Favre in der vergangenen Saison beim BVB. Vor allem bei seinem neuen und alten Klub aus Dortmund lieferte er gute Leistungen. Guardiola aber sah den damaligen Bayern-Spieler offenbar nicht in dieser Rolle. Dabei galt Götze erst als Wunschspieler von Guardiola. Später verriet Bayern-Präsident Uli Hoeneß jedoch, dass der Katalane das Supertalent Neymar nach München habe lotsen wollen, aber die Klub-Bosse ihr Veto eingelegt hätten. Götze war demnach nur die B-Lösung.

Ex-FC-Bayern-Coach Guardiola gilt als Erfinder der "Falschen Neun"

Guardiola hatte beim FC Barcelona im Jahr 2009 in einem Clásico gegen Real Madrid erstmals mit Messi auf der "Falschen Neun" gespielt, mit 6:2 gewonnen und eine Ära geprägt. Messi schoss zwei Tore und sorgte zusätzlich für freie Räume der anderen Offensivspieler. Seit dem Spiel gilt Guardiola als Erfinder der "Falschen Neun". Thierry Henry, der damals ebenfalls zweimal traf, sagte im Film "Take the Ball, Pass the Ball" von Regisseur Duncan McMath: "Es war der Tag, an dem die Position der Falschen Neun erfunden wurde."

Die Spielweise eines solchen Stürmers wurde jedoch schon vorher genutzt, wie die Taktik-Blogger von spielverlagerung.com erklären: "Das Prinzip einer Falschen Neun war schon in den 50er-Jahren bei Ungarn und Nandor Hidegkuti und in den 70er-Jahren bei Johann Cruyff und dem Totaalvoetbal zu sehen. In der Moderne wurde das Prinzip eher zufällig vom AS Rom 2005 mit Francesco Totti als Falscher Neun aufgegriffen, von Manchester United verfeinert und schließlich von Messi fast perfektioniert."

Während der drei Jahre beim FC Bayern holte Guardiola dreimal die Deutsche Meisterschaft und wurde zweimal Pokalsieger – nur die Champions League konnte der heutige Coach von Manchester City nicht gewinnen. Aber vielleicht kommt er ja noch mal zurück, um sein Projekt zu beenden.

(bn)

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