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Schalker kündigt Mitgliedschaft wegen Tönnies – und spricht S04-Fans aus der Seele

07.08.2019, 11:46

Die Entscheidung des Schalker Ehrenrats, dass Clemens Tönnies' abfällige Kommentare über Afrika nicht rassistisch seien, haben für viele fassungslose Reaktionen gesorgt.

Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn vergangene Woche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies, der sein Amt nun für drei Monate ruhen lassen will. Viele Schalker zeigen sich enttäuscht und gehen sogar so weit, dass nun ihre Mitgliedschaft kündigen wollen.

Ein Schalker veröffentlichte seine emotionale Kündigung auf Twitter:

S04-Mitglied Steffen Springer beschreibt zunächst, wie er von seinem Vater ins Parkstadion mitgenommen wurde, vor 23 Jahren Dauerkartenbesitzer wurde, von der verpassten Meisterschaft 2001 immer noch traumatisiert ist und in den letzten Jahren immer wieder von der Vereinsführung enttäuscht wurde. Dennoch habe er er sich vor anderthalb Jahren für die Mitgliedschaft entschlossen.

Dann erklärt er seinen Entschluss, warum er wegen des aktuellen Tönnies-Skandals seine Mitgliedschaft kündigt:

"In den letzten Wochen bin ich davon ausgegangen, dass wieder etwas Struktur in den Verein kommen würde. Selbstverständlich erwarte ich in der neuen Saison keine Wunder, aber wie gesagt: Als Fan bleibt man auch in harten Zeiten am Ball, auch dann, wenn es die Akteure auf dem Rasen vermeintlich nicht tun.

Mit der jüngsten Aussage von Clemens Tönnies und der Reaktion des Aufsichtsrates ist diese Hoffnung dahin. Abgesehen davon, dass ich Herrn Tönnies bezüglich seiner Einlassungen zu 'Afrika' wärmstens eine Nachhilfestunde zu den Themen Geografie und Demografie empfehlen würde, steht seine Aussage auch im klaren Widerspruch zur Leitlinie des FC Schalke 04. So erinnere ich mich an das Banner gegen 'Rassismus', das unter dem Dach der Arena hängt. Anscheinend gelten diese Grundsätze nicht für Herrn Tönnies.

Clemens Tönnies, demütig.
Clemens Tönnies, demütig.Bild: www.imago-images.de

Erschreckend nehme ich nun die Reaktion des Ehrenrates zur Kenntnis, in der es zum einen heißt: 'Der erhobene Vorwurf des Rassismus sei unbegründet.' Und zum anderen publiziert wird, dass Clemens Tönnies seine Arbeit drei Monate ruhen lässt und seine Tätigkeit im Aufsichtsrat danach wieder aufnehmen wird.

Ich bin mir gerade nicht sicher, welcher dieser Aspekte mich mehr schockiert, aber dass Herr Tönnies im November wieder unbeschadet zur Tagesordnung übergehen darf als ob nichts gewesen sei, ist der absolute Gipfel und an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Hier bin ich an einen Punkt angelangt, wo ich keine andere Möglichkeit sehe, als meine Mitgliedschaft nach anderthalb Jahren zu beenden.

Während Peter Fischer bei Eintracht Frankfurt eine klare Position gegen rechtes Gedankengut vertritt und dafür 99 % Zustimmung bekommt, kann es sich der FC Schalke 04 in seiner ohnehin schon schwierigen Situation offenbar leisten, einen Menschen an der Vereinsspitze zu haben, der diese Prinzipien ohne weitreichende Folgen missachtet."

"Den Wiedereintritt halte ich mir selbstverständlich offen. Dieser Schritt wird jedoch frühestens zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem für Herrn Tönnies in keinster Art und Weise Platz beim FC Schalke 04 sein wird."

(tl)

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