Fans von Atlético Madrid machen Stimmung für die Frauen.
Fans von Atlético Madrid machen Stimmung für die Frauen.
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60.000 Fans! Rekord bei Spaniens Fußball-Frauen zeigt, was Deutschland falsch macht

19.03.2019, 14:1207.06.2019, 16:41

Das Ligaspiel zwischen den beiden Frauenteams von Atlético Madrid und dem FC Barcelona (0:2) hat vor einer Rekordkulisse stattgefunden. Genau 60.739 Zuschauer fanden sich am Sonntag zum Topspiel der spanischen Liga im Estadio Metropolitano ein – mehr als je zuvor bei einem Vereinsduell im Frauenfußball.

Damit wurde ein 99 Jahre alter Rekord gebrochen. Im Jahr 1920 kamen zum Duell zwischen den Dick Kerr's Ladies und den Helen's Ladies 53.000 Zuschauer in den Goodison Park in Liverpool.

Die Bestmarke für die meisten Zuschauer bei einem Frauenfußballspiel hält allerdings das WM-Finale 1999 zwischen den USA und China – mehr als 90.000 Fans kamen damals ins Rose-Bowl-Stadion in Kalifornien.

Das Estadio Metropolitano in Madrid war am Wochenende voll – und auch eine Choreo wurde vorbereitet.
Das Estadio Metropolitano in Madrid war am Wochenende voll – und auch eine Choreo wurde vorbereitet.
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Der spanische Zuschauer-Boom ist kein Zufall

Doch der neue Liga-Rekord, der auf den ersten Blick wie eine durchweg positive Schlagzeile wirkt, hat eine deprimierende Schattenseite. Der Grund für die spitzenmäßigen Zuschauerzahlen könnte simpler nicht sein: Die Spanier haben in den vergangenen Monaten vermehrt Werbung für Frauenfußball gemacht und PR-Aktionen gestartet. So verteilten sie Freikarten in Schulen. Denkbar einfache Maßnahmen mit großer Wirkung: Schon im Januar kamen etwa 48.000 Fans zum Pokal-Viertelfinale zwischen Athletic Bilbao und Atlético.

Zahlen, von den die deutschen Frauen nur träumen können: Laut FuPa.net strömen in die Frauen-Bundesliga im Durchschnitt lediglich 802 Zuschauer. Der Vergleich mit den deutschen Männern wirkt da schon absurd: Durchschnittlich 42.985 Besucher zählt ein Männer-Bundesligaspiel. Zum Vergleich: Selbst in der viertklassigen Regionalliga West der Männer kommen durchschnittlich 1151 Zuschauer in die Stadien.

Währenddessen in Deutschlands Oberhaus: Spielerinnen des FC Bayern München bedanken sich bei den mitgereisten Fans in Duisburg.
Währenddessen in Deutschlands Oberhaus: Spielerinnen des FC Bayern München bedanken sich bei den mitgereisten Fans in Duisburg.
Bild: imago sportfotodienst

Die Rekordzahlen aus Spanien zeigen nun, wo der eigentliche Grund für das vermeintliche Desinteresse am Frauenfußball liegt: Nicht an der sportlichen Leistung, sondern an der fehlenden Präsenz.

Das Problem liegt beim DFB

Ausgewählte Spitzenspiele der Frauen werden in Deutschland teilweise sogar im Free-TV übertragen. Doch trotzdem schalten nur wenige Menschen ein.

Das Problem: Kaum ein Fußballfan weiß, dass die Frauen-Spiele überhaupt übertragen werden, denn dem Frauenfußball fehlt die kommunikative Unterstützung vom DFB. Ihnen fehlt die Werbung für spannende Spieltage, die Aufmerksamkeit durch PR-Aktionen wie beispielsweise das Verteilen von Freiticktes. Ihnen fehlt der Event-Charakter, der vor allem durch Außendarstellung und Werbung kreiert wird.

Das muss nicht so bleiben

Eine gute Möglichkeit das zu ändern, bietet sich schon diesen Sommer: Vom 7. Juni bis zum 7. Juli findet die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich statt, bei der auch Deutschland um den Titel kämpfen wird.

Das deutsche Nationalteam: Kaum eine von ihnen wird auf der Straße erkannt und das liegt nicht daran, dass sie schlecht Fußball spielen...
Das deutsche Nationalteam: Kaum eine von ihnen wird auf der Straße erkannt und das liegt nicht daran, dass sie schlecht Fußball spielen...
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Während bei der Weltmeisterschaft der Männer schon Monate vor Beginn das Waschpulver im Supermarkt in Schwarz-Rot-Gold leuchtet und jeder Schokoriegel das Gesicht eines deutschen Nationalspielers trägt, sucht man Hinweise auf die bevorstehende Frauen-Weltmeisterschaft bislang vergeblich. DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigte bereits an, zum zweiten WM-Spiel der deutsche Frauen gegen Spanien live dabei zu sein. Weitere Termine hat er noch nicht zugesagt. Bei den Männern wäre das undenkbar.

Bis zum WM-Anpfiff in drei Monaten bleibt aber noch genügend Zeit, die Werbetrommel für die deutschen Fußballfrauen zu rühren und ihnen damit die Bühne zu bieten, die sie verdient haben. Auch Sie sind gemeint, Herr Grindel.

(mit dpa)

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