Joachiam Löw beim ersten Training der Nationalmannschaft in diesem Jahr.
Joachiam Löw beim ersten Training der Nationalmannschaft in diesem Jahr.
Bild: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

DFB: Jogi Löw will "keine Rücksicht mehr nehmen"

24.03.2021, 18:39

Kurz vor der Ziellinie will ein vor Energie sprühender Joachim Löw noch einmal alle mitreißen. Vier Monate nach dem 0:6-Tiefpunkt in Spanien präsentierte sich der Bundestrainer vor dem Start seiner Abschiedsmission gegen Island wie verwandelt.

Eine wuchtige Körpersprache, eine rigorose Wortwahl und eine klar formulierte Strategie ohne Kompromisse sollten am Mittwoch bei seiner Video-Pressekonferenz dokumentieren, dass er entschlossen um einen letzten großen Turnierauftritt kämpfen will. Der 61-Jährige wird für "das Maximum", das er bei der Fußball-Europameisterschaft herausholen will, sogar zum Egoisten. "Ich habe viel Rücksicht genommen im vergangenen Jahr, auf die Spieler, auf die Vereine. Wir können keine Rücksicht mehr nehmen", sagte Löw: "Für mich gilt: volle Konzentration, voller Fokus auf die EM." Jogi will's wissen!

"In Spanien haben wir alle Fehler gemacht. Ich in erster Linie auch. Ich erwarte eine Reaktion von der Mannschaft."
Bundestrainer Jogi Löw

Wenn der neue Enthusiasmus, den selbst langjährige Weggefährten wie DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Kapitän Manuel Neuer beim in Kürze scheidenden Löw an den ersten Tagen im Düsseldorfer Quartier und auf dem Trainingsplatz feststellten, auf die zuletzt leblos wirkende Mannschaft überspringt, dann könnten die Fußballfans an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) zum Auftakt der WM-Qualifikation mal wieder Freude haben.

Vom Dortmunder Emre Can kam prompt diese Ansage: "Wir dürfen nie wieder so ein Gesicht zeigen wie gegen Spanien!" Wiedergutmachung sei angesagt beim Länderspiel-Dreierpack gegen Island, in Rumänien und zum Abschluss gegen Nordmazedonien. An eine "Verteilung der Kräfte" mit größerer Rotation denkt Löw nicht. "Unser Ziel muss es sein, die drei Spiele zu gewinnen", sagte Defensivakteur Can offensiv.

Löw, der von Can als "wunderbarer Mensch" gelobt wurde, vermittelte derweil Kompromisslosigkeit. Er erwartet, dass jeder einzelne Spieler liefert, wenn er eines der 23 EM-Tickets ergattern will: "Alle wollen sich in Position bringen. In Spanien haben wir alle Fehler gemacht. Ich in erster Linie auch. Ich erwarte eine Reaktion von der Mannschaft", formulierte Löw.

Löw fordert klare Kommunikation

Die Spieler sollen "leidenschaftlich" und "verbissen" um den Sieg kämpfen. Besonders klar war Löws Ansage an die Führungskräfte: "Es wird eine andere Kommunikation auf dem Platz geben. Ich werde einige bestimmen dafür." Er nannte keine Namen. Aber nach dem Ausfall des verletzt abgereisten Mittelfeld-Strategen Toni Kroos dürfte der Auftrag nun vor allem an das Trio Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich und Leon Goretzka gehen. Sie sollen das Team aus dem Mittelfeld, dem "Herzstück", wie Löw sagte, führen, gerade auch verbal.

Ein Comeback von Hummels (l.), Boateng (r.) und Müller (hinten) ist weiterhin denkbar.
Ein Comeback von Hummels (l.), Boateng (r.) und Müller (hinten) ist weiterhin denkbar.
Bild: Sven Simon / Frank Hoermann/SVEN SIMON

Unterschwellig klang bei Löw durch, dass sonst auch für ihn kein Weg mehr an Bayern-Lautsprecher Thomas Müller vorbeiführen könnte. Der Bundestrainer wiederholte, im Mai alles, wirklich alles auf den Prüfstand stellen zu wollen, auch ein DFB-Comeback von Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Er will sogar "zumindest mal darüber nachdenken", ob er den seit dem WM-Desaster 2018 in Russland ins Mittelfeld verschobenen Kimmich bei der EM wieder rechts hinten aufbietet. "Er macht auf beiden Positionen einen super Job", lobte der Bundestrainer den 26 Jahre alten Münchner, der nach einer Erkältung gegen Island auflaufen kann.

Kroos, Gosens und Süle fallen sicher aus

Gegen Spanien fehlte der damals verletzte Kimmich als emotionaler Anführer. Ausfallen werden nun im ersten der drei Länderspiele neben Kroos die angeschlagenen Defensivkräfte Niklas Süle und Robin Gosens. Island hat in Arnar Vidarsson (43) einen neuen Nationaltrainer. Schwer wiegen die Ausfälle des verletzten Augsburger Angreifers Alfred Finnbogason und besonders des ehemalige Hoffenheimers Gylfi Sigurdsson. "Das ist ein großer Verlust", meinte Löw.

Sein Fokus liegt aber nicht auf dem Gegner, sondern der eigenen Herangehensweise. Flach, schnell und zielgerichtet in Richtung der Turbo-Angreifer Serge Gnabry, Leroy Sané und Timo Werner soll der Ball rollen. "Das Spiel fängt an, wenn ich den Ball habe", sagte Löw.

Timo Wener (l.), Serge Gnabry (Mitte) und Leroy Sané (r.) sollen für die DFB-Tore sorgen.
Timo Wener (l.), Serge Gnabry (Mitte) und Leroy Sané (r.) sollen für die DFB-Tore sorgen.
Bild: www.imago-images.de / O.Behrendt

Gegen Spanien war das kaum der Fall, Manuel Neuer holte ihn sechsmal aus seinem Tor. Mindestens acht (EM-Vorrunden-Aus) und maximal zwölf Spiele (Finale) unter Löw gibt es noch. "Jetzt heißt es, Punkte zu machen, Automatismen einzuschleifen und sich möglichst einzuspielen, drei Siege einzufahren und eine Basis zu legen", sagte Löw – für den von ihm angestrebten ganz großen Abschied im Sommer.

Trotz vieler Spekulationen: Darum sagte dieser DFB-Star dem FC Bayern ab

Noch im vergangenen Jahr hielt sich kontinuierlich das Gerücht, dass es DFB-Star Florian Neuhaus von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern ziehen könnte.

Die Münchner waren sehr an einer Verpflichtung des 24-Jährigen interessiert und Neuhaus vermied in den zurückliegenden Monaten ein klares Bekenntnis zur Borussia. Zumindest bis jetzt.

"Ich wollte irgendwann auch nicht mehr Stellung beziehen", sagt der zentrale Mittelfeldspieler in einem Interview mit der Rheinischen Post.

Zudem bekannte sich …

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