Lionel Messi: Der 33-jährige Argentinier will "seinen" FC Barcelona nach 20 Jahren verlassen.
Lionel Messi: Der 33-jährige Argentinier will "seinen" FC Barcelona nach 20 Jahren verlassen.
Bild: imago images/ZUMA Wire / Irina R. H

Messi will den FC Barcelona verlassen – warum jetzt eine Schlammschlacht droht

26.08.2020, 10:5626.08.2020, 14:20
Philipp Reich / watson.ch

Lionel Messi ließ am Dienstagabend eine Bombe platzen. Eine, die nicht nur Barcelona, sondern die ganze Fußballwelt zum Beben brachte.

Der 33-jährige Argentinier will "seinen" FC Barcelona nach 20 Jahren verlassen. Der Klub bestätigte bereits entsprechende Medienberichte aus Argentinien. Der TV-Sender TyC Sports hatte berichtet, dass Messi dem FC Barcelona seinen Wechselwunsch schriftlich mitgeteilt habe. Und zwar per "Burofax", was nichts mit einem Fax zu tun hat, sondern in Spanien wie ein eingeschriebener Online-Brief funktioniert.

In seinem Schreiben teilte Messi dem Klub offenbar mit, dass er eine Klausel in seinem Vertrag aktivieren möchte. Diese soll ihm erlauben, den bis im Sommer 2021 gültigen Vertrag am Ende einer Saison jeweils einseitig zu kündigen. Das Problem: Die Frist zur Aktivierung der Klausel ist gemäß dem Verein am 10. Juni abgelaufen. Klubs, die Messi verpflichten möchten, müssten demnach weiterhin die Ausstiegsklausel in Höhe von 700 Millionen Euro bezahlen.

Messi dagegen ist der Ansicht, dass die Frist verlängert werden muss, weil auch die Saison wegen der Corona-Zwangspause verlängert worden sei. Nun droht eine lange Schlammschlacht zwischen dem Superstar und dem kriselnden Traditionsklub. Ex-Präsident Joan Gaspart ist jedenfalls überzeugt, dass Barça den "Floh" nicht einfach so ziehen lassen wird. Gegenüber der "Marca" erklärte er:

"Messi kann nicht gehen, er wird 2021 gehen müssen. Ich habe den Vertrag gesehen, die Klausel war nur bis Juni gültig und es gibt keinen Weg zurück. Es liegt hier am Klub, nicht am Spieler. Der Klub bezahlt die Spieler. Es geht hier nicht um Geld, sondern um einen unterschriebenen Vertrag. Ich liebe Messi sehr, aber ich liebe Barcelona mehr. Es gibt eine Klausel über 700 Millionen Euro und es gibt Verträge, um sie zu erfüllen.

Wäre ich Präsident von Barcelona, würde ich nicht einen Euro verhandeln. Verließe Messi den Klub für weniger als diese Klausel, wäre das noch demütigender als eine 2:8-Niederlage. Wir alle wollen, dass er bleibt. Will er nicht bleiben? Ich würde ihn nächstes Jahr eher ablösefrei ziehen lassen als in diesem Sommer für 699 Millionen Euro."

Lionel Messi: 4 Gründe für den Wechselwünsch

Doch warum will Messi, der seit 20 Jahren bei Barcelona spielt, eigentlich weg? Es ist ein Mix aus verschiedenen Gründen.

  • Das Zerwürfnis mit der Klubführung: Der Barça-Superstar und die Klubbosse haben das Heu schon länger nicht mehr auf der gleichen Bühne. Messi vermisse bei Präsident Josep Bartomeu eine klare Vision, wie Barcelona wieder zur Nummer eins in Europa werden könnte, berichteten spanische Medien immer wieder. So gab es in der abgelaufenen Saison regelmäßig Konflikte, die in der Öffentlichkeit ausgetragen wurden. Beispielsweise als es um einen möglichen Gehaltsverzicht der Mannschaft während der Corona-Pause ging.
  • Der geplatzte Neymar-Wechsel: Messi und andere Starspieler wie Gerard Piqué baten Präsident Josep Bartomeu vor der Saison 2019/20, Neymar von Paris St.-Germain nach Barcelona zurückzuholen. Doch das klappte nicht. Stattdessen kam Antoine Griezmann, der nie richtig ins Barça-Ensemble passte.
Antoine Griezmann (r.) und Lionel Messi im Februar im Camp Nou.
Antoine Griezmann (r.) und Lionel Messi im Februar im Camp Nou.
Bild: imago images/ZUMA Press / ESPA Photo Agency
  • Der sportliche Absturz: Messi will Titel holen, immer. Neben der spanischen Meisterschaft sollte nach fünf Jahren auch endlich der Henkelpott wieder nach Barcelona kommen. Lange war Barça sportlich einigermaßen auf Kurs, doch nach der Corona-Pause folgte der Absturz. Den Meistertitel musste man Real Madrid überlassen und in der Champions League folgte im Viertelfinale das blamable 2:8 gegen den späteren Sieger Bayern München. Für Barça war es die erste titellose Saison seit zwölf Jahren.
  • Die falschen neuen Trainer: Obwohl Barça unter Ernesto Valverde im Herbst selten glänzen konnten, hatten die Spieler einen guten Draht zum damaligen Trainer. Doch im Januar wurde Valverde nach dem Supercup-Aus gegen Atlético Madrid entlassen. Statt Klub-Legende Xavi – wie von Messi gehofft – wurde Quique Setién neuer Trainer. Mit ihm und seiner Spielweise wurde der Barça-Superstar aber nie richtig warm. Vor einigen Tagen nun hat Ronald Koeman das Zepter übernommen. Der Niederländer stellte gleich bei Amtsbeginn Messis Sonderstellung infrage und teilte Messi-Kumpel Luis Suárez in einem kühlen, einminütigen Telefonat mit, dass er sich einen neuen Klub suchen könne. Offenbar war das das Tröpfchen, das ein prall gefülltes Fass zum Überlaufen brachte.
Messi und Suárez (r.) sind wie ein Herz und eine Seele.
Messi und Suárez (r.) sind wie ein Herz und eine Seele.
Bild: imago images/Jan Huebner/Lau

Messi will zu Guardiola

Wohin könnte Messi nun wechseln? Eigentlich kommen nur drei Vereine infrage, die allesamt finanzstark sind: Inter Mailand, Paris St.-Germain und Manchester City. Die besten Karten scheinen die Engländer zu besitzen. Gemäß Marcelo Bechler, einem Reporter des brasilianischen TV-Senders "Esporte Interativo", der 2017 schon als Erstes den Neymar-Transfer zu PSG angekündigt hatte, hat sich Messi bereits für einen Wechsel zu den Citizens entschieden.

Messi soll laut ESPN vergangene Woche mit Pep Guardiola telefoniert und über einen möglichen Wechsel gesprochen haben. Der englische Vizemeister soll nun prüfen, wie man Messi ohne den Verstoß gegen das Financial Fairplay unter Vertrag nehmen könnte. Die Ausstiegsklausel von 700 Millionen kann nicht einmal der Scheichklub stemmen, weshalb man auf eine realistischere Ablöse hofft.

Chaos in der Barça-Führung

Die Klubverantwortlichen des FC Barcelona sollen noch in der Nacht zu einem Notfall-Meeting zusammen gekommen sein. Wie TyC Sports berichtet, soll der Verwaltungsrat dort entschieden haben, dass Präsident Josep Bartomeu seinen sofortigen Rücktritt bekannt geben soll. Dieser will davon aber nichts wissen, und erklärte gegenüber der Zeitung "Sport", dass er nicht vorhabe, zurückzutreten.

Doch schon wird Bartomeu ins Kreuzfeuer genommen. Präsidentschaftskandidat Victor Font, der 2021 Barça-Boss werden will, nutzte die Gelegenheit gleich beim Schopf und wetterte via Twitter: "Bartomeu geht zu Boden. Sie waren nicht einmal in der Lage, das Beste der Geschichte zu behalten."

Fan-Proteste vor Camp Nou

Während sich die Fußball-Welt auf einen Messi-Wechsel vorbereitet, laufen die Barça-Fans Sturm. Unmittelbar nach den ersten Berichten versammelten sich gestern Abend Dutzende Fans vor dem Camp Nou und protestierten gegen den Abgang ihres Superstars. Ein Foto zeigt, wie Fans den Mittelfinger in Richtung Klubgebäude zeigen. Sogar die Polizei musste ausrücken.

Bild: imago images/Agencia EFE / Alejandro Garcia
Bild: imago images/Agencia EFE / Alejandro Garcia

Die Reaktionen

Wie sehr man sich in Barcelona auf einen Abschied des wohl größten Spielers der Klubgeschichte einstellt, zeigte ein Tweet des katalanischen Präsidenten Quim Torra. "Katalonien wird immer deine Heimat sein. Vielen Dank für all diese Zeiten der Glückseligkeit und des außergewöhnlichen Fußballs. Wir haben das Glück gehabt, einige Jahre unseres Lebens mit dem besten Spieler der Welt und einem noblen Sportler zu teilen. Wir werden Dich nie vergessen", schrieb er.

Die Vereinslegende Carles Puyol twitterte ebenfalls eine Abschiedsbotschaft und sprach Messi seine Unterstützung aus. Luis Suárez konnte da nur applaudieren.

Suarez' Bruder Paolo schrieb: "Das ist gut und es wird noch besser."

Luis Figo sprach von einem historischen Moment.

Der ehemalige Barça-Spieler und heutige TV-Experte Gary Lineker hofft inständig, dass es nicht zur befürchteten Schlammschlacht zwischen Messi und dem Klub kommen wird.

Sampdoria Genua twitterte, dass ihr Trikot mit der Nummer 10 frei sei. Ex-Spieler Roberto Mancini spielte daraufhin auf den verlorenen Final von 1992 im Cup der Cupsieger an.

Rio Ferdinand will gehört haben, dass Chelsea-Trainer Frank Lampard sich ebenfalls nun um Lionel Messi bemühe.

Footballer J.J. Watt würde Messi jedenfalls gerne im Chelsea-Trikot sehen.

Die Chicago Bulls haben endlich einen würdigen Nachfolger für Michael Jordan gefunden.

Für viele Fans sollte es aber nur einen Abnehmer für Messi geben...

Nach Notlandung: DFB-Team im Ersatzflieger nach Deutschland

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer musste am Donnerstag in Edinburgh zwischenlanden. Auf dem offiziellen Twitter-Account des Teams gibt es die Entwarnung: "Uns geht's gut." Laut der Webseite Flightradar sendete die Maschine auf dem Weg von Reykjavík nach Frankfurt am Main einen Notruf. Mittlerweile sitzen Delegation, Mannschaft, Trainer sowie Betreuer in einem Ersatzflieger nach München.

"Sicherheitscheck an der Maschine läuft…", hieß es vom DFB-Team am Donnerstagmorgen. Was …

Artikel lesen
Link zum Artikel