Jérôme Boateng zeigte sich nach den rassistischen Anfeindungen gegen Jordan Torunarigha erschüttert.
Jérôme Boateng zeigte sich nach den rassistischen Anfeindungen gegen Jordan Torunarigha erschüttert.
Bild: imago images / Laci Perenyi

Jérôme Boateng wendet sich mit emotionalem Appell an Fans: "Schlimmes Gefühl"

14.02.2020, 13:02

Der tagtägliche Rassismus in Deutschland kommt häufig gar nicht ans Licht, im Fußball offenbart er sich aber immer wieder einer größeren Öffentlichkeit.

Zuletzt sorgten die rassistischen Anfeindungen gegen Hertha-Profi Jordan Torunarigha für negative Schlagzeilen und Entrüstung. Der gebürtige Berliner und Bayern-Star Jérôme Boateng sprach nun über eigene Rassismus-Erfahrungen – und machte abermals klar, dass Diskriminierung leider noch lange keine Ausnahmen sind.

"Das hat mich geschockt, und das tut weh", sagte der Profi von Bayern München im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst über die schlimmen Beleidigungen gegen seinen Freund Torunarigha auf Schalke. "Ich habe zu Jordan Kontakt, sehe ihn auch ab und zu, wenn ich in Berlin bin", erklärte Boateng und betonte: "Einen Jungen auf dem Platz in Deutschland weinen zu sehen, weil er rassistisch angegangen wird, das ist sehr traurig."

Der Weltmeister von 2014 kenne die diskriminierende Rufe selbst auch: "Ja, es ist mir auch in der Bundesliga ab und zu begegnet, beim Warmmachen, an der Eckfahne", sagte der 31-Jährige über Affenlaute von Fans: "Leider kann man das immer schwer lokalisieren und möchte denen nicht die Aufmerksamkeit geben, dass sie denken, dass sie einen damit treffen. Aber das ist natürlich nicht schön zu hören."

Torunarigha sah rot im DFB-Pokalspiel gegen Schalke.
Torunarigha sah rot im DFB-Pokalspiel gegen Schalke.
Bild: ap

Boateng appelliert an andere Fans

Der Bayern-Verteidiger berichtete zudem von einem Gefühl der Einsamkeit in solchen Fällen. "Da braucht man Hilfe von den Fans, die daneben stehen, dass sie aufstehen und diejenigen identifizieren. Das ist ein ganz schlimmes Gefühl. Man denkt an die Zukunft, ich habe ja Kinder in Deutschland." Er habe geglaubt, dass die Gesellschaft da schon weiter sei, ergänzte Boateng, "das waren wir auch schon mal."

"Aber da sind wir leider ein Stück zurückgefallen, was sehr traurig und verletzend ist für viele Menschen."

Besonders Weltmeister Boateng hatte mit vielen Mitspielern in der deutschen Nationalmannschaft ein neues und buntes Bild von Deutschland geprägt. Als Abwehrboss der Nationalmannschaft war und ist er nicht nur bei den Bayern-Fans beliebt, sondern in ganz Deutschland. Dass dieses Kapitel vielleicht auch 2020 weitergeht, werde nicht an ihm selbst scheitern, erklärte er ebenfalls im Gespräch mit dem SID.

Der 31-Jährige sei offen für eine mögliche Rückkehr in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, doch er rechne nicht mit einer Rückholaktion von Bundestrainer Joachim Löw. "Ich glaube, dass sich der Bundestrainer sehr klar geäußert hat, dass er mit jungen Spielern zur EM fahren will. Das muss man respektieren, das ist seine Linie", sagte Boateng im SID-Interview: "Aber man weiß nie im Fußball: Wenn es irgendwann eine Chance gibt, bin ich nicht abgeneigt."

(bn/sid)

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