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Dortmunds Giovanni Reyna (gelb) musste am Samstag Leverkusens Aleksandar Dragovic hinterher laufen. Bild: picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa

BVB zwischen schrecklich schön und schrecklich schlecht: "Doof angestellt"

Borussia Dortmund hat innerhalb von vier Tagen den zweiten herben Rückschlag verdauen müssen. Nach dem Pokal-K.o. in Bremen gab es jetzt auch in der Liga eine 3:4-Pleite in Leverkusen.

Erling Haaland schüttelte ungläubig seinen kantigen Kopf. Innerhalb von vier Tagen erhielt der 19 Jahre alte norwegische Shootingstar eine Kostprobe der unerklärlichen Leistungsschwankungen von Borussia Dortmund – der BVB schwankt zwischen schrecklich schön und schrecklich schlecht.

"Heiland" Haaland, nach acht Toren in vier Pflichtspielen als Wunderstürmer, der förmlich über das Wasser laufen kann, gepriesen, wurde zum Sinnbild der BVB-Anfälligkeit. "Es ist heute nicht so gut gelaufen für uns", meinte der Teenager schmallippig, seine beeindruckende Torserie war beim 3:4 (2:2)-Offensivspektakel der Schwarz-Gelben bei Bayer Leverkusen zu Ende gegangen.

Haaland doch kein Wunderkind?

Beim 2:3 im DFB-Pokal am vergangenen Dienstag war noch Trainer Lucien Favre dafür kritisiert worden, dass er Haaland zu spät eingewechselt hatte. In Leverkusen spielte der Youngster 90 Minuten durch und ging leer aus.

"Das war eine Woche zum Vergessen", wetterte Sebastian Kehl, Chef der Dortmunder Lizenzspielerabteilung.

"Wenn man so viele Gegentreffer kassiert und sich teilweise so doof anstellt, dann kann man keine Spiele gewinnen."

Sebastian Kehl

Peng, das saß! Nach drei Bundesliga-Rückrundensiegen in Folge mit 15:4 (!) Toren reichten diesmal drei Treffer nicht einmal zu einem Zähler. Angesichts dieser Anfälligkeit sind die Borussen kein ernsthafter Titelanwärter, trotz des vorzüglich besetzten Kaders. Neuzugang Emre Can, der mit einem Traumtor aus 30 Metern (33.) das zwischenzeitliche 2:1 für die Westfalen erzielte, forderte, "die Mannschaft müsse dreckiger spielen, auch mal Foul spielen". Und vor allem besser verteidigen – in allen Mannschaftsteilen.

Führung in Leverkusen verschenkt

Ersatz-Kapitän Mats Hummels analysierte bei Sky eine eklatante Diskrepanz, was die Dortmunder Spieldominanz angehe: "Wir können eine internationale Topmannschaft sein, aber das sind wir nicht, wenn wir dem Gegner jedes Mal wieder das Spiel überlassen während eines Spiels." Zweimal führte der BVB in Leverkusen, diktierte das Geschehen, ließ den Gegner aber am Ende doch aus der Umklammerung und kassierte vor 30.210 Zuschauern innerhalb von 81 Sekunden die entscheidenden Gegentreffer durch Leon Bailey (81.) und Bayer-Kapitän Lars Bender (82.).

Zu Hause noch ungeschlagen, musste die Mannschaft von Coach Favre auswärts schon die vierte Pleite hinnehmen und fraß dabei 22 Gegentreffer. "Wir schenken zu leichte Tore her", monierte Sportdirektor Michael Zorc, "es ist ein Teil unseres Problems, dass wir es auswärts nicht schaffen, das Spiel einzutüten und zu killen."

Dortmunds Schwächen ausgenutzt

Der Schweizer Fußballlehrer Favre schafft es einfach nicht, die nötige Balance im Team herzustellen. Er forderte in Leverkusen eine bessere Spielkontrolle, statt ständig den Vorwärtsgang einzulegen. Kevin Volland (20./43.) nutzte schon in der ersten Hälfte Borussias Schwächen in der Abwehrarbeit, die Treffer von Hummels (22.), Can und Raphael Guerreiro (65.) reichten den Gästen in einem mitreißenden Torfestival nicht einmal zu einem Punkt.

Can weiß beispielsweise aus seiner Zeit bei Italiens Rekordmeister Juventus Turin, dass die oberste Maxime eine gute Defensive ist. Eine zweimalige Führung wie in Leverkusen aus der Hand zu geben, ist ein Unding – und der BVB ist ein Wiederholungstäter. Die Zweifel mehren sich, ob Favre auf Dauer der richtige Coach in Dortmund ist, um die vorhandenen Schwächen abzustellen.

(afp/sid/lin)

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