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Frauen-Bundesliga: Sport1-Moderatorin Lili Engels widerspricht Kritik

Moderatorin Lili Engels wird bei Sport1 die Spiele der Frauen-Bundesliga am Montag begleiten.
Moderatorin Lili Engels wird bei Sport1 die Spiele der Frauen-Bundesliga am Montag begleiten.bild: sport1
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Sport1-Moderatorin Lili Engels wehrt sich gegen Kritik an Übertragung der Frauen-Bundesliga

15.09.2023, 07:5915.09.2023, 09:54
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Der Fußball spielte für Lili Engels schon immer eine wichtige Rolle. Ihr Vater nahm sie mit vier Jahren zum ersten Mal mit ins Stadion. Ihr Bruder spielte Fußball, auch ihre Mutter ist enorm fußballbegeistert und sie selbst schaffte es bis in die Hamburg-Auswahl. "Wenn wir am Tisch sitzen, werden erstmal die aktuellsten Fußball-Themen besprochen", sagt sie im Gespräch mit watson.

Nur im Sport und rund um den Fußball arbeiten, das konnte sie sich nicht so richtig vorstellen. "Ich wollte eigentlich zum Kinderfernsehen", erzählt Engels lachend.

Das änderte sich jedoch in den vergangenen Jahren und nun ist es für sie eine "Herzensangelegenheit", dass sie als neue Moderatorin die Montagsspiele der Frauen-Bundesliga bei Sport1 begleiten kann. Denn sie hat ein großes Ziel, damit es anderen Mädchen und jungen Frauen nicht wie ihr geht.

Zu Jugendzeiten sagte sie einem Zweitliga-Team ab und nach der Schulzeit entschied sie sich für ihr Studium, statt den Traum einer Profi-Karriere zu verfolgen.

"Damals habe ich Frauenfußball gar nicht so richtig verfolgen können, weil es im Fernsehen kaum gezeigt wurde. Daher versuche ich ihn nun in meiner Rolle zu pushen und eine Bühne zu geben, damit Mädels, die vielleicht wie ich damals zweifelten, doch den Weg einschlagen", erzählt sie.

Dass sie die Fußballschuhe gegen ein Mikrofon eingetauscht hat, bereut sie aus heutiger Sicht nicht, aber "wenn ich am Rand stehe, kribbelt es mir manchmal in den Füßen", sagt sie. "Und dann frage ich mich schon: Wie gut hätte ich werden können, wenn ich den anderen Weg eingeschlagen hätte."

Frauen-Bundesliga wird nicht unter WM-Aus des DFB-Teams leiden

Da sie sich jedoch für den Weg der Reporterin entschied, lag ihr kompletter Fokus in den vergangenen Jahren jedoch nicht nur auf dem Frauenfußball. Das hätte sich aber mit der EM und dem Einzug der DFB-Frauen ins Finale im vergangenen Jahr massiv geändert.

Dass das Vorrunden-Aus des DFB-Teams bei der WM im Sommer nun aber für einen Knick in Sachen Hype um den Frauen-Fußball sorgen wird, glaubt die Hamburgerin nicht – ganz im Gegenteil. Viel mehr glaubt sie an eine Jetzt-erst-recht-Einstellung, um zu beweisen, dass die Aufmerksamkeit gerechtfertigt ist. Sie fügt hinzu: "Die Einschaltquoten bei der Weltmeisterschaft waren top, unabhängig vom Abschneiden der Deutschen. Das zeigt einfach, wie gut der Frauen-Fußball geworden ist und wie viel Spaß es macht, ihn zu verfolgen."

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Als jedoch bekannt wurde, dass es ab dieser Saison Montagsspiele in der Frauen-Bundesliga geben wird, gab es enorme Kritik an dem Spieltermin. Da nicht alle Spielerinnen Vollprofis sind, ist eine Partie am Montagabend für sie mit einem enormen privaten Aufwand verbunden.

Für Engels ist der Sendetermin jedoch mehr Segen als Fluch.

"Wichtig ist zu sehen, dass der Termin am Montagabend auch in Abstimmung mit den Klubs gefunden wurde. Rein für die Frauen-Bundesliga ist es etwas ganz Besonderes. In diesem Zeitraum findet im deutschen Profi-Fußball kein anderes Spiel statt. Ich sehe es für die Sportlerinnen und Klubs als eine hervorragende Möglichkeit, sich einem großen Publikum zu präsentieren."

Eine Ausnahme bildet dabei der erste Spieltag. Dort wird Sport1 bereits am Sonntag die Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen übertragen. An der Seite von Engels wird dann aber keine Expertin die Spiele begleiten, sondern der ehemalige Bundesliga-Profi Maik Franz. Dazu kommt Christina Rann als Kommentatorin.

Frauen-Bundesliga bei Sport1: Moderatorin lobt Experte Franz

Der ehemalige Verteidiger, der für den VfL Wolfsburg, Karlsruher SC, Hertha BSC und Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielte, ist für den Sender bereits als Experte bei den Übertragungen der 2. Bundesliga im Einsatz. Franz sei ein cooler und lockerer Typ, der eine ganz klare Meinung vertritt, was ihr besonders wichtig sei: "Ich freue mich, dass sich jemand aus dem Männerfußball auch in den Frauenfußball begibt und mit Leidenschaft dabei ist."

Daher sieht Engels es auch nicht als Problem, dass keine Expertin gemeinsam mit ihr vor der Kamera steht. "Am Ende geht es um Leistung und dass das bestmögliche Team vor der Kamera steht, und ich bin mir sicher, dass die Zusammenstellung geschlechterunabhängig war und Maik Franz einen tollen Job machen wird."

Was die Leistung auf dem Platz betrifft, gibt es in der Frauen-Bundesliga jedoch noch immer ein großes Gefälle. Die finanziellen Unterschiede zwischen den Klubs sind einfach zu groß. Die vergangenen elf Meisterschaften machten jeweils der FC Bayern und der VfL Wolfsburg unter sich aus. Darauf wird es laut Engels in der kommenden Saison wieder hinauslaufen. Am anderen Ende der Tabelle würden hingegen sechs, sieben Teams um den Klassenerhalt kämpfen.

"Das wird sich langfristig ändern. Da gerade Vereine mit starken Männerabteilungen wie Hertha, Union Berlin, Dortmund, oder auch die Aufsteiger Nürnberg und Leipzig die nötige Struktur haben, um für eine ausgeglichenere Liga zu sorgen", erklärt Engels.

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