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Filmemacher Aljoscha Pause (r.) und BVB-Profi Marco Reus beim Dreh von "Inside Borussia Dortmund". Bild: pausefilm

Interview

Regisseur der BVB-Doku verrät, was in der Kabine passierte und warum Reus ihn beeindruckte

Zwei Spiele, zwei Siege: Borussia Dortmund ist perfekt in die neue Bundesliga-Saison gestartet. So erfolgreich soll es bleiben. Die BVB-Profis erklärten die Meisterschaft als Saisonziel. Und auch Experten glauben an die Dortmunder. "Ich habe das Gefühl, dass das die Saison von Borussia Dortmund werden könnte", sagt auch Aljoscha Pause. Der Filmemacher kennt die Mannschaft des BVB so gut wie kaum ein anderer – denn er ging mit ihr in der BVB-Kabine ein und aus.

Pause und sein Team begleiteten den Verein für die Amazon-Doku "Inside Borussia Dortmund" ein halbes Jahr mit der Kamera und fingen die Achterbahnfahrt aus Siegen und Niederlagen der vergangenen Rückrunde ein. Abseits des Platzes verrieten die Spieler und Manager Persönliches und teilten Privates.

Der 47-Jährige versucht wie schon in seinen Filmen "Being Mario Götze", "Tom meets Zizou" und "Trainer" hinter die Kulissen der glitzernden Fußballbühne zu blicken und die Menschen zu zeigen, die viele nur als millionenschweren Athleten kennen. Für watson gewährt Pause einen Blick auf die Dreharbeiten.

Im Interview verrät er, welche Profis es ihm bei den Dreharbeiten durch ihre Offenheit einfacher machten, warum der BVB Meister wird und wer Dortmunds Kabinen-DJ ist.

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Aljoscha Pause wurde mit den Dokumentationen "Tom meets Zizou", "Trainer" und "Being Mario Götze" bekannt. Bild: Robert Schramm

Wie schwer war es anfangs für Sie an die Spieler heranzukommen, als Sie auf einmal mit einer Kamera in die heiligsten Räume getreten sind?

Aljoscha Pause: Am Anfang kamen wir mit unserer Kamera nicht überall hin. Das alles passiert ja sozusagen am "lebenden Objekt", während einer laufenden Saison, mit hohen sportlichen Zielen. Die Konzentration sollte natürlich keinesfalls gestört werden. So haben wir uns sukzessive angenähert. Mit wachsendem Vertrauen.

Bekommt der Zuschauer das auch mit?

Dieser organische Prozess ist auch für den Zuschauer auf eine schöne Weise spürbar: er rückt in der Serie von Episode zu Episode immer näher heran. Und so können wir mit einem großen Spannungsbogen über vier Folgen hinweg und auf mehreren Erzählebenen ein sehr detailreiches und intensives Portrait dieses Fußballvereins zeichnen.

Welcher BVB-Spieler hat Ihnen während der Dreharbeiten am meisten imponiert?

Ich habe erfreulicherweise viele spannende Typen auf sämtlichen Ebenen des Vereins kennengelernt. Beeindruckt hat mich aus der Mannschaft beispielsweise Marco Reus, der trotz seiner zwischenzeitlichen Verletzung und der Geburt seiner Tochter immer wieder für Gespräche und Drehs zur Verfügung gestanden und während seiner Reha spannende Einblicke gewährt hat. Er war dem Doku-Projekt gegenüber von Anfang an total aufgeschlossen. Das war wichtig. Ähnlich wie Roman Bürki, der sehr offen über die Kritik- und Diskussionskultur innerhalb der Mannschaft gesprochen hat.

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Pause (l.) traf bei den Dreharbeiten auch BVB-Rückkehrer Mats Hummels. Bild: Pausefilm

Wie wichtig ist diese Offenheit für eine Doku?

Solche authentischen Interview-Partner braucht es dringend, um mit einem hohen Maß an Echtheit aus der sonst ja maximal abgeschirmten Hochglanzwelt Fußball erzählen zu können. Imponiert hat mir auch die verantwortungsvolle Haltung von Marcel Schmelzer innerhalb der Mannschaft. Und dass er sich trotz seiner schwierigen sportlichen Situation dem Projekt zur Verfügung gestellt hat. Aber es sind eben auch die Vereinsbosse selbst, die mich überrascht haben. Sowohl Aki Watzke als auch Michael Zorc haben sich während eines Spiels mit einem Mikrofon verkabeln lassen. Das wird den Zuschauern in Episode drei und vier nochmal ganz neue Einblicke geben.

Sie durften auch in die Mannschaftskabine, wo sonst niemand hinein kommt. Welche Vorkommnisse hinter verschlossener Tür haben Sie am meisten erstaunt?

Es hat etwas gedauert bis wir uns in der Kabine freier bewegen konnten. Ist ja auch klar. Das ist der letzte natürliche Schutzraum der Spieler – mal abgesehen vom Privaten. Auch das war ein ganz natürlicher Prozess. Das Team hat irgendwann unsere Anwesenheit akzeptiert bzw. gar nicht mehr großartig wahrgenommen. So kam es zu herrlichen Situationen, mit denen ich im Vorfeld gar nicht gerechnet hatte. Wir haben dann in der Kabine tatsächlich maximale Emotionen erlebt.

Welche Spiele haben Sie da noch im Kopf?

Eine Party nach dem Auswärtssieg in Berlin, völlige Enttäuschung nach dem 0:5 in München oder auch mal – so banal und so natürlich – eine spontane Mate-Tee-Verkostung mit Axel Witsel und Roman Bürki. Daran ist nichts gestellt und nichts geplant. Und diese Spontaneität und Echtheit wird dann eben auch spürbar. Toll, dass wir diese Momente miterleben und auch dokumentieren konnten. Davon lebt so eine Doku natürlich auch.

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Pause mit Paco Alcacer und Marco Reus in der BVB-Kabine. Bild: pausefilm

Sie haben alle Emotionen – vom puren Glück bis zum herben Frust – hautnah mit diesem Team miterlebt. Glauben Sie, dass der BVB nach der lehrreichen Erfahrung der vergangenen Saison nun Meister wird?

Ich denke, wenn man alle vier Episoden der Serie gesehen hat, wird recht gut deutlich, an welchen Punkten es für den Klub noch Optimierungsbedarf gab – um vielleicht den letzten Schritt zu einem potenziellen Meistertitel gehen zu können. Da sind die Dortmunder in dieser Saison sicher einen Schritt weiter. Mal ganz abgesehen von den Neu-Verpflichtungen, die den ohnehin starken BVB-Kader natürlich von ihrem sportlichen wie charakterlichen Profil ideal komplettieren.

Kann Ihre Doku da vielleicht auch helfen?

Ohne meinem Film da jetzt zu viel Bedeutung beimessen zu wollen, ist meine Erfahrung nach zahlreichen eigenen Doku-Projekten – und vor allem nach den vielen Langzeitbeobachtungen – ja die: So eine Betrachtung und ihr verdichtetes Ergebnis bieten für den oder die Protagonisten letztlich immer auch eine intensive Möglichkeit zur Selbst-Reflexion, -Betrachtung und –Analyse. Und in vielen Fällen haben in der Vergangenheit die Hauptdarsteller meiner Dokus in der Folge der Projekte noch größere Erfolge erzielt oder haben wesentliche, nächste Entwicklungsschritte vollzogen.

Es wird Ihrer Meinung also das Jahr der Borussia?

Gerade vor dem Hintergrund, dass jede Mannschaft ja auch immer ihre Zeit hat und gerade die Top-Akteure auch nicht ewig zu halten sind – beim BVB denke ich da nicht zuletzt an Jadon Sancho – habe ich schon das Gefühl, dass es das Jahr bzw. die Saison von Borussia Dortmund werden könnte. Auch der Trainer ist nun ganz und gar angekommen – und seine ja schon auch eher längerfristig angelegte Detailarbeit greift nun mehr und mehr. Wir wissen alle, dass die Meisterschaft in Deutschland immer auch von der Performance des FC Bayern abhängt, auch dort hat man sich ja sehr überzeugend verstärkt. Aber ganz ehrlich, ich sehe diese beiden Klubs in diesem Jahr auf Augenhöhe.

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Pause und Mario Götze (l.) im Fitnessraum während eines Interviews für die Doku. Bild: pausefilm

Jener Jadon Sancho, den Sie da ansprechen, nimmt in der Kabine als Entertainer eine wichtige Rolle ein. War er auch hinter der Kamera der größte "Klassenclown"?

Er ist jedenfalls der DJ und beschallt die Dortmunder Kabine nach erfolgreichen Spielen mit seinem persönlichen Mix aus R&B und Hip-Hop. Jadons Entertainer-Qualitäten haben wir in der vierten Episode der Doku auch in Form einer speziellen Ansprache vor dem letzten Spiel der Saison in der Mannschaftskabine dokumentiert. Aber Sancho ist natürlich nicht der einzige. Auch Marco Reus ist natürlich nicht nur Mannschaftskapitän und Führungsfigur, sondern eben nach wie vor auch für spaßige Momente zu haben.

Was ist das Wichtigste, was Sie nach den Dreharbeiten über den Verein Borussia Dortmund gelernt haben?

Ich habe mich sowohl mit der Gegenwart als auch mit der Vergangenheit des Klubs beschäftigt. Und es ist ja auch immer ein bisschen 'learning by telling'. Das hat großen Spaß gemacht. Der Verein hat wirklich eine unglaublich spannende Geschichte. Mit allen nur denkbaren Höhen und Tiefen. Über diesen geschichtlichen Zugang wird auch die DNA des Klubs spürbar. Und ich glaube, dass diese in Dortmund – trotz fortschreitender Kommerzialisierung – in hohem Maße weiterlebt. Das hat natürlich in erster Linie mit den handelnden Personen zu tun.

Wen meinen Sie?

Es hat mich beeindruckt, wie sehr sich Aki Watzke und Michael Zorc diesem Projekt geöffnet haben. So ist die Doku nicht zuletzt auch ein Film über die beiden.

Was sagt dieser über Watzke und Zorc aus?

Man bekommt das Gefühl, solange sie am Ruder bleiben, bewahrt sich der BVB diesen so elementaren Kern an Identität. Das ist ja schon eine Leistung, will man doch auf der anderen Seite maximalen sportlichen Erfolg erzielen und Borussia Dortmund als internationale Marke etablieren. Auf jeden Fall ist es eine Gratwanderung. Aber genau in dieser Mischung aus äußerst ambitionierter, internationaler Denke und Bewusstsein für ein hohes Maß an Wahrhaftigkeit lag letztlich wohl auch der Schlüssel für dieses Projekt und diese Zusammenarbeit. Während der Dreharbeiten zeigte sich dann auch, dass der BVB tatsächlich den Mut und die Überzeugung hat, dass zu einem vollständigen, authentischen Bild auch die Härten und das Scheitern gehören – und dass man das auch zeigen und zulassen muss, damit ein lebendiges Dokument entsteht.

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