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Im Derby gibt es nur wenige Zärtlichkeiten: Wissen auch Kevin Kuranyi (l.) und Marc-André Kruska. bild: Imago sportfoto

Interview

Ex-BVB-Profi Kruska: "Es gibt nix Geileres, als dem Rivalen die Meisterschaft zu versauen"

Glück und Schmerz liegen oft sehr nah beinander. Der 12. Mai 2007 war so ein Tag. Dortmund und Schalke treffen im Revierderby aufeinander, es wird eines der brisantesten Derbys aller Zeiten: Der FC Schalke um Manuel Neuer und Mesut Özil kommt am 33. Spieltag als Tabellenführer nach Dortmund und kann ausgerechnet im Westfalenstadion die erste Meisterschaft seit fast 50 Jahren feiern – sofern sie gewinnen und der VfB Stuttgart im Parallelspiel verliert. Der BVB steht auf Platz neun und spielt bis dahin eine mäßige Saison. Der Rest ist Geschichte: Alex Frei und Ebi Smolarek treffen und der BVB versaut dem ungeliebten Nachbarn die langersehnte Meisterfeier.

Nun, fast zwölf Jahre danach, kann sich der FC Schalke wenigstens ein bisschen rächen. Die Vorzeichen sind ähnlich: Der BVB kämpft noch um die Meisterschaft, der FC Schalke spielt eine katastrophale Saison und kann diese mit nur einem Derbysieg vor den eigenen Fans in ein besseres Licht rücken. Wie sich das anfühlt, weiß Marc-André Kruska. Der ehemalige BVB-Profi stand 2007 über 90 Minuten auf dem Platz und ist einer der wenigen Spieler der damaligen 22, der noch immer Profi ist.

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Ernst, Pander und beide Altintops fürchten sich im Derby 2007 vor der rechten Klebe von Kruska. bild: imago sportfoto

Der mittlerweile 31-Jährige aus der Dortmunder Jugendschmiede spielt seit Sommer für Luxemburgs Serienmeister F91 Düdelingen. Dort spielte er Europa League, erkämpfte mit dem kleinen Club sogar ein Unentschieden gegen Betis Sevilla. Jetzt winkt das Double: Sie führen die BGL Ligue mit vier Punkten an, am Mittwoch zogen sie ins luxemburgische Pokalfinale ein.

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Anführer Kruska im Trikot von Düdelingen gibt Anweisungen beim Spiel gegen die AC Milan in der Europa League. Bild: imago sportfotodienst

Das Derby ist auch für Kruska noch immer ein besonderes Spiel: "Wir haben Samstag Training, aber spätestens um 15.30 Uhr sitze ich vor dem Fernseher und fiebere mit", sagt er im Gespräch mit watson. Obwohl Kruska seit 2009 nicht mehr bei der Borussia spielt, ist er eines geblieben: BVB-Fan. "Die zehn Jahre im Club vergisst man nicht." watson hat er verraten, welchen psychologischen Vorteil Schalke hat – und warum sie diesen trotzdem nicht nutzen können.

watson: Erinnerst du dich noch an den Tag, als ihr mit dem Derbysieg die erste Schalker Meisterschaft seit 1958 verhindert habt?
Marc-André Kruska: Natürlich, so einen Tag vergisst man nicht. Dieser Tag bleibt bei allen Borussen im Kopf. Ich habe sofort das Bild im Kopf, wie Ebi Smolarek auf dem Zaun vor der Südtribüne steht und feiert.

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Ebi Smolarek feiert den "Meisterschaftsklau" mit 25.000 Fans auf der Südtribüne – und Marc-André Kruska an der Werbebande. bild: imago

Kannst du dich an die Ansprache vor dem Spiel von eurem damaligen Coach Thomas Doll erinnern?
Ich kann mich nicht genau an die Worte erinnern, aber an dem Tag wurden wir natürlich ständig daran erinnert, wie besonders das Spiel ist. Ich kann mich aber noch an die Atmosphäre erinnern: Ich habe den ganzen Tag schon gespürt, dass es anders ist als sonst. Schon beim Aufwärmen haben wir Spieler die Atmosphäre gefühlt. Du spürst sofort, dass es für die Fans um so viel geht. Das nimmst du als Spieler auf. Aber an dem Tag war das Derby ja so extrem wie nie.

Wie meinst du das?
Die hätten ja wirklich an dem Tag bei uns im Stadion Meister werden können. Sowas willst du nicht. Da ging es echt um alles. Das ist ein viel heftigeres Gefühl als bei einem normalen Derby. Und am Samstag werden die Schalker das genau so wollen, wie wir es damals wollten. Es gibt nichts Geileres, als dem Lokalrivalen die Meisterschaft zu versauen. Aber ich glaube nicht daran.

Warum?
Ich glaube den Schalkern fehlen die Charaktere, die da bedingungslos hinter stehen. Mir fällt in dem Team keiner ein, der die Schalker Identität in sich hat, der für den Club steht. Kutucu kommt aus der eigenen Jugend, aber der ist ja auch noch jung. Das Spiel ist einfach kein normales Spiel und du brauchst diese Spieler, die wissen, um was es da geht für die Fans und den Verein.

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Kruska im Jahr 2007 gegen Lincoln (l.) und Kevin Kuranyi. bild: imago sportfoto

Aber die Vorzeichen sind ähnlich wie damals, als man euch auch nicht den Sieg zugetraut hat...
Schalke steht brutal unter Druck und hat eine schlechte Saison gespielt – das war bei uns damals ähnlich. Mit einem Spiel konnten wir die ganze Saison retten, wie Schalke das jetzt auch kann. Du weißt im Derby als Profi: Heute kann ich für die Fans spielen und die ganze Saison wieder gut machen. Das ist gefährlich. Das wissen die Schalker ebenso, die Ultras haben auch einen Brief geschrieben und untermauert, wie wichtig das Spiel ist. Naja, ich hoffe einfach, dass sie das nicht gewinnen. (lacht)

Was tippst du?
Dortmund kann mit einem Sieg die Chance auf die Meisterschaft wahren. Die Spieler wissen, dass die Bayern dieses Jahr nicht so konstant sind und vielleicht noch Punkte liegen lassen. Von der Qualität her müsste der BVB gewinnen, wenn alles normal läuft. Aber es ist eben ein Derby, da läuft nichts normal ab.

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