21.09.2022, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes DFB, spricht während der Podiumsrunde auf dem Sportbusiness Kongress SpoBis im CCD Congress Center. ...
Bernd Neuendorf ist seit März 2022 DFB-Präsident.Bild: dpa / Marco Steinbrenner
WM 2022

"Irritiert und verstört": DFB-Präsident kritisiert Fifa-Boss Infantino heftig

18.11.2022, 16:49

Am Sonntag beginnt die umstrittene Weltmeisterschaft in Katar. In einer Medienrunde vor Turnierbeginn bezog DFB-Präsident Bernd Neuendorf klar Stellung und kritisierte dabei besonders den Weltverband Fifa.

Zuvor hatte das DFB-Präsidium einstimmig entschieden, keinen Kandidaten für die Fifa-Präsidentschaftswahl im März zu nominieren. Ein klares Zeichen gegen den umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino. Der 52-Jährige steht in der Kritik, beispielsweise weil er sich mit der Fifa noch nicht zu einem Entschädigungsfonds für die Familien von gestorbenen Gastarbeitenden in Katar geäußert hat.

DFB-Präsident vor WM mit Kritik an Infantino

Die Entscheidung des Präsidiums, Infantino nicht zu nominieren, begründet Neuendorf im WM-Quartier in Katar: "Es war nicht einfach, aber es ist so entschieden worden, weil wir glauben, dass wir ein Zeichen setzen müssen. Alle wissen, dass Gianni Infantino schon die Zustimmung einiger Kontinentalverbänden hat und seine Wiederwahl wahrscheinlich ist. Infantinos Aussage, dass das Thema Menschenrechte hier während der WM nun keine Rolle mehr spielen soll, hat uns irritiert und verstört."

FILE - UEFA Secretary General Gianni Infantino speaks during a news conference at the end of the 39th Ordinary UEFA Congress in Vienna, Austria, on March 24, 2015. The last 32-team World Cup will be t ...
Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte Anfang November gefordert, sich nur auf den Fußball und nicht auf die Menschenrechte in Katar zu konzentrieren.Bild: AP / Ronald Zak

Als Konsequenz habe der DFB deshalb Infantino nicht nominiert. Dazu fügt der 61-Jährige DFB-Präsident an, dass es auch weitere Vorgänge seitens der Fifa gab, die ihn irritiert haben. Beispielsweise das Verbot des Slogans "Human Rights for All" auf dem Trikot der dänischen Nationalmannschaft.

Neuendorf erklärt: "Das wurde als politische Äußerung deklariert und deshalb untersagt. Wir sprechen bei Menschenrechten aber nicht über eine politische Entscheidung. Es geht um Menschenrechte und die sind allgemeingültig und verbindlich auf der ganzen Welt."

Der DFB hingegen hat gemeinsam mit den Spielern eine Aktion beschlossen, um die Ungerechtigkeiten, die den Gastarbeitenden während des Stadionbaus widerfahren sind, zukünftig zu verhindern. Durch die Stiftung der Nationalmannschaft wird in den kommenden fünf Jahren ein SOS-Kinderdorf in Nepal eine Million Euro erhalten.

"Wir wollen dort unterstützen, wo die Menschen herkommen, um Migrationsdruck zu verkleinern."
DFB-Präsident Bernd Neuendorf über die Aktion der Stiftung der Nationalmannschaft

DFB-Präsident Neuendorf erklärt das Engagement: "Die Aktion ist gerichtet an die Arbeitsmigranten. Wir wollen dort unterstützen, wo die Menschen herkommen, um Migrationsdruck zu verkleinern. Wir glauben, dass es ein richtiges Zeichen ist und wollen dadurch eine Dauerschleife unterbinden, sodass die nächste Generation hoffentlich nicht wieder als Wanderarbeiter arbeiten muss."

Finanziert wird die Stiftung der Nationalmannschaft durch die Spieler selbst, die im DFB-Team spielen. Gleichzeitig kündigte Neuendorf an, dass es auch in Katar zu Protestaktionen der Spieler kommen könnte: "Ich möchte nicht ausschließen, dass es im Turnierverlauf auch die ein oder andere Aktion gibt. Das wird in der Mannschaft in Abstimmung mit uns besprochen."

WM 2022: Niclas Füllkrug – Fans wundern sich über Details auf Wikipedia

Nach viel Kritik und schlechten Prognosen für die deutsche Nationalmannschaft konnte das DFB-Team am Sonntagabend gegen Spanien doch noch ein Unentschieden erspielen (1:1) – zeigte eine gute Leistung. Niclas Füllkrug, der das erste Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei sein darf, erzielte nach seiner Einwechslung den erhofften Ausgleichstreffer.

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