Unterhaltung
ARCHIV - 01.08.2015, Nordrhein-Westfalen, H

Das Dschungelcamp soll in anderer Form auch 2021 stattfinden. Bild: dpa / Marius Becker

Analyse

Warum RTL unbedingt am Dschungelcamp festhält

Es war eine Nachricht, die Trash-TV-Fans an den Rand der Verzweiflung gebracht hat: Das Dschungelcamp 2021 soll nicht stattfinden – weder in Australien, noch auf einer Burg in Wales. Das vermeldete die "Bild" am Donnerstag. Doch RTL wollte davon nichts wissen. Eine komplette Absage stünde nicht zur Debatte, teilte der Sender mit. Man habe sich aufgrund der steigenden Infektionszahlen zwar gegen eine Produktion in Wales entschieden. Es gebe allerdings alternative Ideen. So plane man "eine neue, spannende IBES-Show mit Sonja und Daniel In Deutschland. Die Zuschauer können sich auf ein großes Spektakel im Januar freuen", wie RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner mitteilte.

Dass RTL krampfhaft an dem Format festhält, hat Gründe: Bei einer kompletten Absage gingen dem Sender Millionen durch die Lappen.

Denn die jedes Jahr aufs Neue hohen Quoten der Sendung sorgen für massive Werbeeinnahmen. So kostete ein 30-Sekunden-Werbespot während der Staffel vom Januar 2020 mindestens 47.250 Euro, wie RTL damals gegenüber watson mitteilte. Die Preise variierten allerdings stark. So konnten laut Sender auch mal bis zu 102.480 Euro fällig werden. Laut "Statista" bewegten sich die Preise für 30-sekündige Spots sogar in diesem Jahr zwischen 78.300 und 126.600 Euro!

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Die Preise für einen 30-sekündigen Werbespot währen des Dschungelcamps. Bild: Statista

Sonderwerbeformate lassen die Kassen klingeln

Hinzukommen die Sonderwerbeformate wie Splitscreens oder mittlerweile erlaubte Produktplatzierungen innerhalb der Sendung, die dem Sender ebenfalls ordentliche Summen einbringen dürften. Über exakte Zahlen wird dabei nicht informiert, die seien "individuell verhandelt", wie RTL watson anlässlich des Dschungelcamps 2020 mitteilte.

Auch Zusatz-Shows wie der Talk "Die Stunde danach" würden durch die Absage von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" wegfallen – und damit ebenfalls kostbare Werbeplätze.

Außerdem erzielt der Sender nicht nur Einnahmen durch Werbung während der TV-Ausstrahlung. Auch Lizenzgebühren spielen eine Rolle. So sicherte sich die Molkerei Müller 2016 beispielsweise das Recht darauf, das Sendungslogo sowie den Claim "Hol mich hier raus" auf seinen Joghurtbechern abzudrucken. Das ließ bei RTL die Kassen klingeln und sorgte gleichzeitig auch für Werbung für das Format.

Online-Werbeeinnahmen nach Expertenschätzungen in Millionenhöhe

Generell spielt crossmediale Vermarktung mittlerweile eine große Rolle. Opel präsentierte beispielsweise mit "Dschungel To Go" in den sozialen Netzwerken die Zusammenfassung der Show. Auch das spült Geld in die Kassen des Senders.

Ein weiterer Faktor: Online-Werbung. Denn mittlerweile schauen immer mehr Fans die Sendung über TVNow, wo ebenfalls Werbung geschaltet wird. Hinzukommen die Berichte und Videos auf rtl.de und in den sozialen Netzwerken. Dabei handelt es sich ebenfalls um Werbeeinnahmen, die sich laut Expertenschätzungen im Millionenbereich bewegen.

Dann darf man auch das tägliche Telefonvoting während der Show nicht vergessen. 50 Cent kostet ein Anruf aus dem Festnetz. Experten schätzen, dass RTL davon 40 Cent pro Anruf bleiben. Ein Geheimnis macht RTL allerdings daraus, wie viele Zuschauer täglich zum Telefonhörer greifen.

"IBES"-Alternative aus Deutschland

Klar ist: Bei dem zweiwöchigen Format kommt man so sehr schnell in die Millionen. Natürlich entstehen dem Sender auch Kosten durch Gagen für die Kandidaten, das Preisgeld, Hotelaufenthalte, Anreise sowie das Produktionsteam. Allerdings teilte man sich die immensen Kosten für das Setting vor Ort bislang mit der britischen "IBES"-Version "I'm A Celebrity… Get Me Out Of Here!". Normalerweise drehen die Briten die Show im November in Australien, im Januar ziehen dann die deutschen Z-Promis ein. Dieses Mal wollte man auf der Burg in Wales ähnlich vorgehen, um diesen Kostenpunkt aufzuteilen.

Doch daraus wird nun nichts. Sicher ist: Eine alternative in Deutschland – womöglich in einem Studio – dürfte die Kosten deutlich senken, aber dennoch für Werbezeit sorgen. Und dass ein Alternativprogramm in Deutschland nicht immer schlecht sein muss, sieht man aktuell ja auch am "Sommerhaus der Stars".

Wie hoch die Ausgaben des Senders auch ausfallen – das Prestige der Sendung, die mediale Aufmerksamkeit und natürlich die Einnahmen dürften diesen Punkt in Vergessenheit geraten lassen.

(jei)

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