Heidi Klum führte als alleinige Moderatorin durch das "GNTM"-Finale.
Heidi Klum führte als alleinige Moderatorin durch das "GNTM"-Finale.
Bild: ProSieben / willi weber
Analyse

Heidi Klum erfüllte eigenen "GNTM"-Diversitätsanspruch – Ex-Kandidatin und Transgender-Model Lucy sieht positive Entwicklung bei Show und Sender

31.05.2021, 17:1631.05.2021, 17:15

Mit der Auswahl der diesjährigen "Germany's next Topmodel"-Finalistinnen und schließlich auch der Siegerin, dem Transgender-Model Alex Mariah Peter, hat Heidi Klum weitgehend erfüllt, was sie ganz zu Beginn der 16. Staffel ihrer Castingshow versprochen hatte: mehr Diversität bei der Modelsuche einfließen zu lassen und Kandidatinnen abseits der gängigen Modelvorstellungen und -maßen eine Chance zu geben.

Und das schienen Heidi am Anfang nicht alle wirklich zuzutrauen. Denn nicht zum ersten Mal in der "GNTM"-Geschichte war die vierfache Mutter bemüht, vielfältige Kandidatinnen zu finden. In der Vergangenheit nahmen bereits Transgender-Models teil und auch kurvigere Frauen trauten sich und kamen in die engere Auswahl.

Heidi Klum kürte Alex zur Siegerin.
Heidi Klum kürte Alex zur Siegerin.
Bild: dpa / Willi Weber

Doch so ernst wie 2021 hat es Heidi mit der viel gepredigten Diversität noch nie genommen. Im Finale standen neben Siegerin Alex mit Dascha ein Curvy-Model, mit Romina ein Petite-Model und mit Soulin eine Kandidatin, die einst mit ihren Eltern aus Syrien geflüchtet ist und in Deutschland mit dem Abitur in der Tasche eine wahre Erfolgsgeschichte schreibt. Am Ende sollte es aber Alex werden, die gleich mehrere Diversitätsfaktoren erfüllt. Denn nicht nur ist sie Transgender, ihre Eltern stammen aus Südkorea und Südafrika.

Wie wichtig es ist, dass diese Form von Diversität bei "GNTM" stattgefunden hat, dazu äußerte sich Lucy Hellenbrecht. Sie ist ebenfalls Transgender-Model ist und nahm im vergangenen Jahr an der Castingshow teil. Olivia Jones brach während der Staffel ebenfalls eine Lanze für Heidi, der der Diversitätsgedanke wirklich am Herzen liegen soll. Und schließlich machte die Jurorin selbst klar, dass diese "GNTM"-Ausgabe erst der Anfang gewesen sein könnte.

Heidi Klum ist noch immer nicht mit Kandidatinnen-Diversität zufrieden

Als die ersten Fotos des diesjährigen Model-Casts veröffentlicht wurden, bekamen Heidi und die Show noch viel Gegenwind von der Social-Media-Community. Die Kandidatinnen, die zu sechst auf Plakaten in einheitlich weißen Outfits posierten, zeigten wenig Vielfalt. Dascha wurde als Curvy-Model nach hinten gestellt, und auch Rominas besondere Körpergröße stach durch die Bildperspektive nicht sonderlich stark heraus.

"Ich hatte, so wie wahrscheinlich jeder, am Anfang Bedenken, als ich hörte, die Staffel soll so divers werden und am Ende doch nur die 'Standard-Models' übrigbleiben", befürchtete auch Ex-Kandidatin Lucy gegenüber watson.

In einer dazugehörigen Pressekonferenz zum Showstart rechtfertigte sich Heidi nicht – zum damaligen Zeitpunkt war die Staffel aber schon zum Großteil abgedreht, die Finalistinnen standen so gut wie fest. Stattdessen stellte sie heraus, dass sie noch nicht genügend diverse Kandidatinnen gefunden habe:

"Ich hätte gerne noch mehr Diversity! Ich würde gerne ältere Frauen einladen, absolut, die müssen nur kommen. Aber vielleicht trauen sie sich ja nächstes Jahr."

Weiterhin ergänzte sie vielversprechend: "Für mich war 'Germany's next Topmodel' nie ein blondes Mädchen mit blauen Augen. Ich wollte schon immer sehen, was Deutschland zu bieten hat." Der ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann pflichtete bei, "GNTM" habe eine große Reichweite, die müsse man für Themen wie Diversity einfach nutzen, um irgendwann auch Veränderungen in der Modebranche zu erzielen: "Weil sich Kunden dann erst trauen, ein nicht-standardisiertes Modelbild zu haben."

Diverse "GNTM"-Models hatten bei Werbekunden Erfolg

Verblüffender Weise sollten die beiden damit recht behalten. Denn im Verlauf der Show wurde immer wieder klar, dass Heidis vielfältige "Mädchen" einen Model-Job nach dem anderen bekamen, teilweise wurde Dascha als Curvy-Model gebucht, obwohl der Kunde ursprünglich gar kein kurviges Model gesucht hatte. So geschehen bei Fashion-Designer Kilian Kerner. Für ihn lief Dascha auf der Berlin Fashion Week.

So schien "GNTM" nicht etwa Vorgaben aus der aktuellen Modewelt bedienen zu wollen, sondern eben gerade diverse Frauen ins Spiel bringen. Mit medialer Tragweite: Jeden Donnerstag, und das über drei Monate, standen so ganz unterschiedliche Models im Fokus, die erfolgreich wichtige Kunden von sich überzeugten. Erstmals konnten sich bis zum Schluss ganz unterschiedliche Frauen zu Hause an den Fernsehschirmen sich mit den Models identifizieren.

Transgender-Model Lucy konnte sich mit Alex identifizieren

Wurden Transgender-Models in der Vergangenheit recht schnell von Heidi und ihren Gastjuroren aussortiert, gibt es nun endlich eines, das es geschafft hat. Das habe auch Lucy beim Schauen der Show Mut gemacht. Zwar "hätte es jede der Finalistinnen verdient gehabt." Aber Alex sei ihr dann eben doch am liebsten gewesen. Gegenüber watson sagt sie nun:

"Sie ist meine persönliche Lieblingsgewinnerin in diesem Jahr, weil ich mich mit Alex' Geschichte am besten identifizieren kann."

Und da hat das TV-Finale auf ProSieben am vergangenen Donnerstag, das auch sehr viel Spott und Häme auf Social Media erntete, immerhin etwas bei diversen Zielgruppen erreichen können.

Lucy Hellenbrecht bei ihrer "GNTM"-Teilnahme 2020.
Lucy Hellenbrecht bei ihrer "GNTM"-Teilnahme 2020.
Bild: screenshot prosieben

So habe unter anderem Alex' Inszenierung im Fernsehen Lucy zufriedengestellt und angesprochen: "Ich war mir einfach von Anfang an der Sendung klar, ich habe das irgendwie direkt am Anfang gemerkt. Alex hat irgendwas ausgestrahlt, das gesagt hat: 'Ja, ich werde es heute.'"

Und noch etwas Positives konnte sie dem publikumslosen Finale abgewinnen, nämlich vor allem, dass es nicht unnötig in die Länge gestreckt wurde. Auch die Walks habe sie super und vor allem "super ästhetisch" gefunden.

Heidi meint Diversitätsanspruch ernst - Lucy sieht Entwicklung positiv

Letztlich ist Lucy es auch gewesen, die nach ihrer Teilnahme an dem Format feststellen durfte, dass es Heidi ernst ist mit ihrem Diversitätsanspruch. Lucy sieht eine positive Entwicklung. Dazu verriet sie watson kurz vor dem Finale:

"Sie steht voll hinter diesem Konzept – genau wie ProSieben. Die Akzeptanz am Set ist wirklich riesengroß, sie stehen alle dahinter."

Eine, die unabhängig von Lucys Angaben die gleiche Meinung hat, ist die Dragqueen Olivia Jones. Sie holte Heidi Klum 2019 als Gastjurorin ins Boot, als sie mit "Queen of Drags" die erste Castingshow für Dragqueens im deutschen Fernsehen startete.

Im Interview mit watson erklärte Olivia Ende April: "Heidi war die Erste, die wirklich so mutig war, bei 'GNTM' eine ganze Folge den Dragqueens zu widmen und auch beim großen Topmodel-Finale einen großen Teil der Show mit Dragqueens gestaltet hat. Dann erst haben die Fernsehmacher gemerkt, wie höchst unterhaltsam das ist und es der Quote nicht schadet."

Und weiter: "Das Thema Diversity ist bei ihr nicht aufgesetzt. Schon vor 'Queen of Drags' hatte sie mir erzählt, dass sie mit ihren Kindern gern zum Christopher Street Day geht, da es die Kinder tolerant mache."

Das Problem mit den Live-Acts bleibt

Das, was im Finale bei den Kandidatinnen an Diversität erfüllt wurde, ließ allerdings in Sachen Show-Acts leider ordentlich zu wünschen übrig. Denn bei all der positiven Einschätzung der Show stellten viele Zuschauer berechtigterweise fest, dass die Band Tokio Hotel, deren Gitarrist immerhin Heidis Ehemann ist, eine tragende Rolle eingenommen hat – und das ist nicht das erste Mal gewesen, dass das Model ihre Familie so stark in ihr Casting-Format einbindet.

Die PR-Expertin Janine Griffel schätzt gegenüber watson ein: "Es handelt sich schon immer um eine komplett auf Heidi Klum und ihr persönliches Umfeld zugeschnitten Unterhaltungsshow. Seal ist dort übrigens auch immer aufgetreten, als er noch der Mann an Heidi Klums Seite war, der Vater hat bis zu dieser Staffel die Gewinnerinnen vermarktet."

Tokio Hotel traten in einem überdimensionalen Rock von Heidi bei "GNTM" auf.
Tokio Hotel traten in einem überdimensionalen Rock von Heidi bei "GNTM" auf.
Bild: ProSieben

Tokio Hotel stellten zudem nicht erst in diesem Jahr den "GNTM"-Titelsong. Sänger Bill Kaulitz war außerdem bereits mehrere Male Gastjuror und half Heidi in dieser offiziellen Position beim Aussortieren der Kandidatinnen. Dennoch ist das diesjährige Finale besonders zu betrachten: Es gab zwei Tokio-Hotel-Auftritte und einen Live-Videodreh. Griffel findet deutliche Worte:

"Hat das der Sendung geschadet? Die Quoten sagen nein. Tokio Hotel sagt nein, Heidi Klum wird nein sagen. Ich sage: das Finale war unerträglich langweilig."

Vielleicht wird sich Heidi trotz des Quoten- (Mehr als 25 Prozent in der Zielgruppe) und des familiären Erfolges ja nach dem guten Diversitätsansatz bei den Kandidatinnen auch mal Gedanken zu diesem Kritikpunkt machen. Denn eine Entschuldigung dürfte Corona bei der Auswahl der Acts nicht gewesen sein, immerhin hatte sie auch internationale Personen für den Jurorenposten neben ihr zu Gast.

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