Unterhaltung
27.10.2020, Nordrhein-Westfalen, K

Das Skelett in "The Masked Singer": Gute Stimme... und sonst? Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

Analyse

"The Masked Singer": Das Skelett offenbart das große Problem der Show

Dienstagabend war es schon wieder so weit: Das große Finale von "The Masked Singer" ging über die Bühne. Schon früh hatte sich das Skelett als Favorit herauskristallisiert. Die Kandidatin, die sich schließlich als Sarah Lombardi entpuppte, gewann jedes Duell, musste nie ums Weiterkommen zittern. Ebenso begeistert zeigte sich die Jury rund um Sonja Zietlow und Bülent Ceylan. Rein stimmlich war diese Maske in der dritten Staffel nicht zu toppen und der Sieg insoweit keine große Überraschung.

Durch das Skelett wurde aber auch ein großer Schwachpunkt des Formats sichtbar: Gute oder gar professionelle Sänger sind für "The Masked Singer" zwar wichtig, zu oft verlassen sich diese Teilnehmer jedoch allein auf ihre Stimme. Dabei geht es in der Sendung, die sich explizit NICHT als Gesangsshow bezeichnet, eigentlich um mehr.

Das "Masked Singer"-Skelett: Makellose Langeweile

Da die Stars gut verpackt in einem Kostüm stecken, ist "The Masked Singer" eine ideale Gelegenheit für sie, den Zuschauern ungeahnte Seiten von sich zu zeigen. Dazu gehört natürlich etwas Mut, den wiederum nicht jeder mitbringt. Ein wichtiges Indiz ist insoweit die Songauswahl.

Das Skelett auf der

Das Skelett auf der "Masked Singer-"Bühne. Bild: ProSieben/Willi Weber

Das Skelett hat sich stark auf Rocksongs und Rockballaden fixiert, darüber hinaus passierte nicht viel. So blieb es stets in seiner Komfortzone und hält das Risiko minimal. Da die einstige "DSDS"-Kandidatin Sarah Lombardi einiges an Gesangserfahrung mitbringt, hatte sie es in der Show ohnehin schon leichter als die Konkurrenz aus anderen Branchen. Worin genau besteht also die Leistung, die ihren Sieg rechtfertigt?

Mit anderen Worten: Die richtig guten Sänger in "The Masked Singer" sollten sich schon auch ins Zeug legen und etwas versuchen, das sie vorher noch nicht unbedingt in der Form probiert haben. Sonst ist es für sie bloß ein Schaulaufen ohne Herausforderungen und da könnten Fans genauso eine x-beliebige Castingshow anschauen.

Jeder Auftritt des Skeletts war ein Malen nach Zahlen, selbst die Arm- und Handbewegungen waren komplett berechenbar. Das kann es doch nicht sein. Auch die Chance, sich zur Halloween-Show gruselig-markant in Szene zu setzen, wurde verpasst.

Nicht alle Kandidaten verstehen "The Masked Singer"

Der Fairness halber muss allerdings gesagt werden: Das Skelett ist nur ein weiterer Vertreter eines bereits bekannten "Masked Singer"-Phänomens. Auch Max Mutzke (Astronaut) Gregor Meyle (Drache) oder Mike Singer (Wuschel) sind erfahrene Musiker, von denen in Sachen Bühnen-Performance kaum etwas kam. Für das Finale reichte es jeweils dennoch.

10.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Figur «Der Wuschel» steht in der Prosieben-Show «The Masked Singer» neben Moderator Matthias Opdenhövel auf der Bühne. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der "Masked Singer"-Wuschel: Gähn! Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

An der Stelle lohnt sich ein Blick zu den gesanglichen "Quereinsteigern". Zumeist sind ausgerechnet sie es, die bei "The Masked Singer" für das gewisse Etwas sorgen – vermutlich deshalb, weil sie zur Kreativität gezwungen sind. Sonja Zietlow beispielsweise sagte nach ihrer Hasen-Enthüllung:

"Ich wollte natürlich schön singen, aber habe dann gemerkt, dass sich das nicht immer schön anhört."

Ihr naheliegender Lösungsansatz für das Problem: einfach ein bisschen Show machen. Und das funktionierte. Rea Garveys Kritik an ihrem Gesang griff sie direkt während ihrer nächsten Darbietung auf und schoss mit einem frechen Gemälde zurück. Momente wie diese wünscht man sich grundsätzlich häufiger in der Show, denn Perfektion ist oft langweilig.

Noch besser in Staffel zwei machte es Tom Beck als Faultier. Er überzeugte nicht nur gesanglich, sondern überraschte von Sendung zu Sendung durch neue Facetten. Die Jury trieb er mit seinem Repertoire von Elvis-Imitation bis hin zu Rap-Parts stellenweise sogar regelrecht zur Verzweiflung. Und es klang immer fantastisch.

"The Masked Singer": Wer den Sieg eher verdient hätte

Ein solcher Typ, der einfach alles kann und furchtlos über die Bühne wetzt, fehlte in der jüngst abgeschlossenen Staffel spürbar. Dadurch fiel "The Masked Singer" automatisch auf jene Art von Kandidat zurück, die das ganze Konzept anscheinend falsch verstanden hat und lediglich ein bewährtes Programm abspult.

27.10.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Figur

Das knuffige "Masked Singer"-Alien: Besser als das Skelett. Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

Das Alien, der Anubis oder das Nilpferd haben im Vergleich zum Skelett schon weitaus besser unterhalten – sei es durch ein knuffiges Narrativ oder eine abwechslungsreiche Auswahl der dargebotenen Lieder. Den Stars dahinter ist es gelungen, ihrer Maske auf verschiedene Weise einen Charakter zu geben. Und genau das zeichnet "The Masked Singer" im Idealfall wirklich aus.

Analyse

Nach Wendler-Entfernung bei "DSDS": Die Erniedrigung der Kandidaten muss aufhören

"DSDS" läuft mittlerweile in der 18. Staffel und zieht noch immer viele Menschen vor den Fernseher. Schon immer war die Casting-Show aber auch eine sehr zwiespältige Angelegenheit: Kandidaten, die nicht singen können oder sich vielleicht auch noch aus anderen Gründen während ihres Auftritts blamieren, werden von der Jury und speziell von Dieter Bohlen mit harten Kommentaren angegangen. RTL führt solche Teilnehmer und ihre Marotten darüber hinaus oft auch gezielt vor.

Vergangene Woche entschied …

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