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Karoline Preisler hat die Corona-Erkrankung überstanden. bild: screenshot ard

Corona-Patientin erzählt: "Die Atemnot raubt einem den Verstand"

dirk krampitz

An Corona kommt im Moment niemand vorbei. Weder im Leben, noch in den Talkshows. Und so geht es auch bei Maischberger um das Virus, das die Welt fest im Griff hält. Gleich am Anfang nimmt der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit allen die Hoffnung, dass sich schnell etwas an dieser Situation ändern könne:

"Wir stehen sicherlich erst am Anfang der Krise."

Deutschland teste schon sehr viel und habe den Ausbruch früh bemerkt. Den jetzt immer öfter gehörten Vorschlag, einfach die Risikogruppen zu isolieren und alle anderen auf Corona zu testen, verwirft er. "Eine rein theoretische Überlegung, die sich nie umsetzten lassen wird". Das funktioniere "vielleicht auf einer Insel – aber nicht mal da".

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Jonas Schmidt-Chanasit sieht noch kein Ende der Corona-Krise. bild: screenshot ard

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Gabriel Felbermeyer, Präsident des Weltwirtschaftsinstituts, macht sich Sorgen um Wirtschaft. bild: screenshot ard

Gabriel Felbermeyer, Präsident des Weltwirtschaftsinstituts, bereitet Deutschland im Stillstand große Sorgen. Er macht eine Rechnung auf: Wenn man die Wirtschaftsleistung um 50 Prozent runterfahre, koste das pro Woche rund 35 Milliarden Euro. "Das macht uns allen Ärger, da helfen auch alle staatlichen Hilfen nichts."

Vorschlag für die Wirtschaft

Jede Woche Wirtschaftsstopp würde für jeden Bundesbürger 400 Euro weniger Einkommen bedeutet. "Was fehlt: ein Plan für den Ausstieg", mahnt er. Noch hofft er darauf, dass die Wirtschaft nach Ostern wieder Schwung aufnehmen darf. Sein Alternativ-Vorschlag: Die Wirtschaft in ein "künstliches Koma" versetzen und das Finanzamt überweist für jeden Monat Stillstand ein Zwölftel des letzten Jahresumsatzes zurück. Abrechnen könne man ja dann mit der Steuererklärung.

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Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht in Corona eine "Menschheitsherausforderung". bild: screenshot ard

Davon will Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) allerdings nichts hören – genauso wie von einem Datum für den Neustart der Wirtschaft. "Leib und Leben von Menschen" sei um einiges wichtiger. Hubertus Heil wertet Corona nicht "als nationale Katastrophe, sondern als Menschheitsherausforderung". Man müsse sich auf die Sofortmaßnahmen konzentrieren und abwarten. Einen Start für nach Ostern "jetzt ankündigen und nicht einhalten", findet er "fahrlässig".

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Journalist Georg Mascolo sieht Fehler bei der Vorbereitung auf eine Pandemie. bild: screenshot ARD

Da gibt ihm der Journalist Georg Mascolo recht: Er sieht "sehr viele drängende Fragen, aber keine Antworten" und darum noch kein Datum. "In diesem Stadium kann niemand sagen, ob die Maßnahme, die getroffen worden sind, überzogen oder unzureichend sind." Geduld sei nun gefragt: "Wir werden lernen müssen, mit unseren Ängsten umzugehen." Er findet zwar: "Dieses Land schlägt sich alles in allem ganz gut", allerdings seien "im Bereich der Schutzausrüstungen nicht genug Vorbereitung getroffen worden". So wie man Öl und Trockenerbsen für den Notfall in Speichern horte, so hätte es eben auch ein "zentrales Lager für Schutzausrüstung" geben sollen.

"Da sind Fehler gemacht worden. Man kauft dem Feuerwehrmann ja auch nicht erst den Schlauch, wenn es brennt."

Georg Mascolo

Und das überrascht wirklich sehr. Vor allem, wenn man die Drucksache 17/12051 kennt. Bereits 2012 hatte das Robert-Koch-Institut im Auftrag der Bundesregierung ein weltweites Pandemie-Szenario durchgeplant, dass der heutigen Corona-Krise auf erschreckende Weise gleicht. Aber Arbeitsminister Hubertus Heil wiegelt ab. "Aus solchen Planspielen ergibt sich keine Blaupause."

Als Moderatorin Maischberger nicht locker lässt sagt er: "Das muss man dann aufklären, aber jetzt hat etwas anderes Priorität" und Deutschland sei im Vergleich mit anderen Staaten gut aufgestellt. Diese Situation sei "ein Charaktertest für uns alle".

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Karoline Preisler hat Corona überstanden. bild: screenshot ard

Geradezu einen stählernen Charakter hat die FDP-Politikerin Karoline Preisler bewiesen. Sie ist von zu Hause zugeschaltet. Die Corona-Patientin ist geheilt, am Tag der Sendung wurde sie negativ getestet. Davor war sie fünf Tage im Krankenhaus mit Sauerstoff am Bett. Ihre ersten Symptome: "Halsschmerzen über Nacht, Kopfschmerzen, bisschen Schnupfen, es steigerte sich schnell bis zu einem starken Schmerz in der Lunge", die sich dann "steinern" anfühlte.

"Man atmet ein und die Luft kommt nicht in der Lunge an. Wie, wenn man unter Wasser versucht Luft zu holen. Die Atemnot raubt einem den Verstand."

Karoline Preisler

Sie kam ins Krankenhaus. Ihr ebenfalls positiv getesteter Mann blieb bei den nicht erkrankten Kindern zu Hause. Die Wohnung wurde dafür in zwei Zonen aufgeteilt. Die Kinder sorgten quasi ferngesteuert über Bildtelefonie für sich selbst. Nun sei sie immun. "Für ungefähr ein Jahr kann ich mich nicht anstecken", sagte ihr die Ärztin. Preisler will diese Eigenschaft bald im Umgang mit Kranken nutzen. Denn sie selbst habe in ihrer kleinen Stadt gemerkt, wie schnell man als Kranker stigmatisiert wird.

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Theologin Margot Käßmann spricht lieber von "körperlicher" Distanzierung. bild: screenshot ard

Margot Käßmann kennt den Mechanismus des Ausgrenzens. "Sündenböcke wurden schon immer gesucht", resümiert sie, macht aber deutlich: "Kranke brauchen Ermutigung und keine Schuldzuweisung." Und so hat sie abschließend noch einige gute Ratschläge: Man solle doch lieber von "körperlicher" als "sozialer" Distanzierung in diesen Zeiten sprechen. Sie hofft, dass die Menschen den "seelischen Ausnahmezustand einer ganzen Nation" (Maischberger) "zum Durchatmen" nutzen. "Die Gesellschaft kann daran wachsen und nachher gibt es mehr Wertschätzung für das, was wir haben", hofft die Theologin.

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