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Benjamin von Stuckrad-Barre geht offen mit seiner Alkohol- und Drogenvergangenheit um. bild: screenshot zdf

"Markus Lanz"-Auftritt: Zuschauer machen sich Sorgen über Stuckrad-Barre

Dirk Krampitz

Einen ehemaligen Spitzenpolitiker, zwei Star-Schriftsteller und eine Pflegeheimleiterin hat Markus Lanz zu Gast in seiner vorletzten Sendung in diesem Jahr. Und am Ende machen sich die Zuschauer Sorgen um einen von ihnen.

Seit dem Beginn der Corona-Krise sitzt Theo Waigel viel am Computer oder ist mit seinem E-Bike ("fabelhaft für ältere Herren") unterwegs. Er genießt sein Leben und gestaltet auch noch ein bisschen in der Politik im Hintergrund mit. Mitleid hat der ehemalige CSU-Finanzminister mit seinem Nachfolger Olaf Scholz (SPD) jedoch nicht.

"Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen, 1990 waren die bei der der Wiedervereinigung nicht kleiner."

Theo Waigel

Damals habe man pro Jahr 4 bis 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, also rund 100 bis 150 Milliarden DM pro Jahr, in die Wiedervereinigung investiert. "Und die Wiedervereinigung dauerte 20 bis 30 Jahre."

Der ehemalige CSU-Spitzenpolitiker zeigt da einen sehr nüchternen Blick auf die Zahlen. Mittlerweile gelingt ihm das Weglassen der Emotionen auch bei seinem jüngeren Parteikollegen Markus Söder. Die beiden waren sich nicht immer grün. Heute findet er: "Er macht das gut." Die beiden stehen in SMS-Kontakt. Ob Söder als Kanzler eine Chance habe, will Lanz wissen. "Können tut er‘s, ob man es ihm raten soll, ist eine andere Geschichte." Es sei ein strukturelles Problem als CSUler.

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CSU-Politiker Theo Waigel. bild: zdf

Dann geht es um ein dunkles Kapitel in seinem Leben: die Bedrohung seines Lebens durch Terroristen. "Ich war die Nummer eins im Fadenkreuz der RAF", sagt Waigel. Klaus Kinkel, damals Präsident des Bundesnachrichtendienstes und späterer Außenminister, habe ihn gewarnt: "Lieber Waigel, bei ihnen kracht‘s demnächst." Mit seiner Befürchtung hatte Kinkel den richtigen Riecher: In einem Kassiber haben RAF-Terroristen notiert: "Weil wir an Waigel nicht rangekommen sind, muss der Rohwedder dran glauben." Und so kam es.

Der Tod des Treuhand-Chefs Detlef Karsten Rohwedder im Jahr 1991 beschäftigt Waigel seither stark. "Er hat sein Leben gegeben für ein großes Projekt: die Wirtschaft der DDR in eine soziale Marktwirtschaft zu transformieren", sagt Waigel, Rohwedder sei "ein Märtyrer der Einheit". Als er das sagt, bekommt der ehemalige Finanzminister ganz rote und wässrige Augen. Er kämpft mit den Tränen. Rohwedders Tod geht ihm auch nach Jahrzehnten offenbar sehr nahe. Verständlich, wenn man weiß, dass Rohwedder den Job hinwerfen wollte, Waigel ihn aber zum Bleiben überzeugt hat.

Altenheimleiterin: "Das Problem sind die personellen Ressourcen"

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Bernhild Braun versucht den Spagat zwischen Schutz und der Sehnsucht nach Nähe. bild: screenshot zdf

Eine Schwäche von Markus Lanz‘ Talkshow ist, dass sie manchmal zu unterschiedliche Themen und Menschen mischt. Nach dem Polit-Promi Waigel ist die Altenheimleiterin Bernhild Braun an der Reihe. Und das Gespräch mit ihr wirkt ein bisschen wie das schnell abgespulte Corona-Pflichtprogramm in dieser Sendung. In ihrem Seniorenzentrum in Mainz gab es dieses Jahr mehrere Covid-19-Fälle. Es sei ein schwieriger Spagat zwischen dem Schutz der Patienten und deren Sehnsucht, Besucher zu empfangen. Ohne Besuch "sterben sie sonst an gebrochenem Herzen", sagt Braun. Aber es sei auch klar:

"Wenn ein Virus in einer Einrichtung auftritt, ist es nicht mehr aufzuhalten."

Bernhild Braun

Die Teststrategie der Bundesregierung sei zwar "grundsätzlich erstmal eine gute und wir werden auch finanziell unterstützt“, aber sie sei nicht umsetzbar. "Das Problem sind die personellen Ressourcen". Sie habe mindestens vier Stellen zu wenig und darum schlicht nicht genug Kapazitäten, um die Tests durchzuführen. Und so springt sie selbst dafür ein. Wenn man das hört, fragt man sich nicht mehr, warum so viele Corona-Fälle in Pflegeeinrichtungen auftreten.

Gemeinsamer Auftritt von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre

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Die Schriftsteller Martin Suter (li.) und Benjamin von Stuckrad-Barre bei Lanz. Und dahinter im Strandkorb an der Ostsee. bild: screenshot zdf

Schnell springt Lanz zu den Schriftstellern Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre. Zusammen haben sie das Buch "Alle sind so ernst geworden" geschrieben. Ein Zufallsprodukt. Getroffen haben sie sich in Heiligendamm an der Ostsee. "Wir verbringen da immer mit unseren Familien den Sommer", erklärt Stuckrad-Barre. Er habe Suter bemerkt, sei aber "zu verklemmt und ein bisschen neidisch" auf ihn gewesen und habe ihn darum nicht angesprochen. Und auch Suter hatte anfangs Berührungsängste, obwohl beide Ehefrauen sie jeweils ermutigt haben.

Eines Tages kam der stilbewusste Suter, der aus Prinzip keine Jeans trägt, weil er findet, dass sich das für sein Alter nicht gehört, in einer knallorangenen Badehose "angeschwankt", erinnert sich Stuckrad-Barre. "Er war nicht mehr fahrtüchtig. Aber ich finde das ja sympathisch. Weil ich selbst nicht mehr trinken darf, bin ich froh, wenn andere das tun."

Zuschauer machen sich Sorgen über Stuckrad-Barre

Stuckrad-Barre hat eine lange Drogen- und Alkoholvergangenheit. Heute sei er trocken.

Manche Zuschauer, die mit ihm und seiner ungewöhnlich hibbeligen Art nicht vertraut sind, machen sich jedoch Sorgen. Immer wieder starrt er in die Luft, während er teils um Worte ringt. Manchmal braucht Stuckrad-Barre lange, bis er zum Punkt kommt, schweift aus. Auch seine Mimik und Gestik ist äußerst unruhig.

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Benjamin von Stuckrad-Barre bei "Markus Lanz". zdf

An den Zuschauern ging das nicht vorbei. Viele drückten auf Twitter ihre Sorgen um seinen Gesundheitszustand aus und suchten nach Erklärungen.

Suters angesäuselte Annäherung wertete Stuckrad-Barre damals jedenfalls als „niedrigschwelliges Angebot“ und nahm das Gespräch auf. Er trug übrigens eines türkise Badehose mit rosa Flamingos und Palmen. Er erinnert sich:

"Es hat angefangen wie ein One Night Stand – wir waren gleich nackt. Dann haben wir angefangen zu sprechen. Und wir hatten beide Freude daran."

Benjamin von Stuckrad-Barre

Sie haben sich dann während der Ferien immer in Suters Hotelzimmer getroffen, gesprochen und die Gespräche aufgenommen. Dabei haben sie gemerkt, dass sie viel gemeinsam haben. Zum Beispiel ihre Leidenschaft für Kleidung, aber dass sie auch einiges trennt. Zum Beispiel ernsthafte Drogenerfahrungen.

Suter hat zwar über folgenreiche LSD-Trips geschrieben, aber nie selbst welche erlebt. Bei Stuckrad-Barre war das anders. "Ich muss das alles erleben und schreib es dann auf, er denkt es sich aus. Was ist denn das für eine Arbeitseinstellung?", sagt Stuckrad-Barre gespielt empört.

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    Alle Leser-Kommentare
  • stahlbau-grauerwolf 17.12.2020 11:02
    Highlight Highlight mal was in Sachen ehm. DDR, Herr Rohwedder wollte hinschmeißen.
    ehm. DDR, ein Unrechtstaat ?
    Da kommen mir schon wieder Zweifel; jeder Staat hat seine
    Gesetze, auch wir
    ehm. DDR, man hat Wirtschaft und Bildungswesen vollends
    verkannt, auch heute noch, und es wird verdreht und/oder
    falsch berichtet.
    Eliten hat man 1989 kalt gestellt.
    Neue regenerieren sich aus dem sog. Westen ständig neu ,so bleibt der sog. Osten also weiter außen vor.
    Mit meinen 87 bin ich sowieso weg vom Fenster und das ist
    gut so; aber die da noch sind ?
    Mein Kommentar von gestern Frau Merkel hat recht wird wohl
    nicht verö

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