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Autorin Elke Heidenreich ist mit ihrer Meinung ziemlich geradeheraus. bild: screenshot ard

Elke Heidenreich bei "Maischberger": "Lauterbach geht mir so auf die Nerven"

Dirk krampitz

Die bereits im November beschlossene Frauenquote in Dax-Vorständen, natürlich Corona, der AfD-Parteitag und Elke Heidenreich – Sandra Maischberger hat in ihrem Rückblick auf die Themen der Woche einen seltsamen Mix zusammengestellt. Mit ihr diskutieren im Studio:

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Sandra Maischberger (re.) mit ihren Kommentatoren (v. li.): Jan Fleischhauer, Maren Kroymann und Oliver Köhr. bild: screenshot ard

Bei den Kolumnisten geht es zuerst um die Frauenquote in Dax-Vorständen. Focus-Autor Jan Fleischhauer glaubt, dass "300 Millionärinnen in den Vorständen" auch nichts an den Lebensumständen an der Supermarktkasse ändern würden. ARD-Hauptstadtkorrespondent Oliver Köhr hingegen findet: "Das Thema ist da", man solle es probieren. Kabarettistin Maren Kroymann ist uneingeschränkt begeistert: "Es ist ein Signal. Dass es sichtbar wird, es ist möglich als Frau."

Dann geht es noch um die Corona-Lockerungen zu Weihnachten, die Fleischhauer genauso unnötig findet wie Weihnachts-Gegnerin Kroymann ("Man frisst sich hirnlos die Wampe voll, kauft hirnlos Geschenke!"). Auch die Diskussion über die innerparteilichen AfD-Probleme bringt keine neuen Erkenntnisse.

Maischberger hält Karl Lauterbach Aussage von Wolfgang Kubicki in watson-Interview vor

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Karl Lauterbach (SPD, li.) und Wolfgang Kubicki (re.) geben sich versöhnlich im Studio bei Maischberger. bild: screenshot ard

"Corona ist das Thema des Jahres und wenn es das Gesicht dazu gibt, sitzt es hier im Studio", kündigt Sandra Maischberger ihren Gast Karl Lauterbach an. Als Gegenspieler hat sie FDP-Politiker Wolfgang Kubicki geladen. Um die konfrontative Richtung vorzugeben, bringt Maischberger gleich zwei Zitate in Erinnerung: Im Mai hatte Kubicki in einem watson-Interview, das Maischberger zitiert, gesagt: "Ich halte von Karl Lauterbachs Erklärungen nicht viel. Abgesehen davon ändert er seine Meinung alle zwei Tage." Lauterbach hatte jüngst retourniert: "Der Vorteil bei Kubicki ist, er stellt sich nicht unwissend. Er ist unwissend."

Doch dann leitet Kubicki schon zu Beginn die große Versöhnung ein: "Ich glaube, dass wir mehr Gemeinsamkeiten haben, als wohl viele glauben – er versteht ein bisschen mehr von Viren, ich ein bisschen mehr von Recht", sagt Kubicki. Doch Maischberger gibt noch nicht auf und fragt Kubicki, der auch Lauterbachs Alarmismus beklagt hatte, was er denn genau meinte. Zum Beispiel Lauterbachs Prognose, dass es anderthalb Jahre keine normale Schule geben würde, antwortet Kubicki. Lauterbach nimmt's locker.

"Abstände, Fenster auf bei der Kälte, Masken, das ist doch keine normale, reguläre Schule. Da habe ich Recht gehabt. Und wenn ich Unrecht gehabt hätte, hätte sich niemand mehr gefreut als ich selbst."

Karl Lauterbach

"Wir haben ja, Gott sei Dank, sehr viel mehr gemacht als die FDP vorgeschlagen hat"

Und das nicht nur, weil seine eigene Tochter betroffen von den Schulmaßnahmen ist. "Wir haben ja, Gott sei Dank, sehr viel mehr gemacht als die FDP vorgeschlagen hat", sagt Lauterbach in Richtung Kubicki. Und er fordert mal wieder: "Wir müssen die Risikogruppen besser schützen" und "viel mehr testen". "Warum tun wir es nicht? Wir reden seit April darüber", fragt Maischberger. Leider bekommt sie darauf keine wirkliche Antwort.

Auch Kommentator Fleischhauer haut in eine ähnliche Kerbe: "Die Kanzlerin warnt seit Mai vor der zweiten Welle und zieht daraus welche Konsequenzen? Keine!" Auch er prallt ab an Lauterbach, dem Corona-Stoiker. Der degradiert seinen Gegner Kubicki zur Nebenfigur ohne nennenswerten Redeanteil und erklärt, wenn es gelänge, das Personal in den Altersheimen zweimal pro Woche zu testen, würde das die Todeszahlen "dramatisch absenken".

Die Nebensächlichkeit, mit der Lauterbach erwähnt, dass dieser tödliche Missstand vor allem an fehlenden Testungen liegt, ist dann doch sehr erschütternd. Da wäre jeder Alarm angebracht. Doch den hebt sich Lauterbach für die Zukunftsaussichten auf: Der Wellenbrecher-Shutdown wirke nur halb so gut wie erwartet:

"Wenn die Zahlen hoch bleiben, ist die Gefahr, dass wir nach den Feiertagen direkt in eine dritte Welle gehen."

Karl Lauterbach

Angesichts dessen habe er Zweifel, dass die Corona-Lockerungen wirklich über Silvester bis Neujahr gelten dürften.

Warum es denn keinen längeren Lockdown im Frühjahr gegeben habe, um die Zahlen ganz nach unten zu drücken, will Maischberger wissen. "Die Ministerpräsidenten waren gegen einen längeren Lockdown – vor allem Armin Laschet", lautet Lauterbachs Antwort. Und übrigens: In Restaurants und "überall, wo viel geatmet und gesprochen wird", sei es sehr wohl gefährlich: Die Aerosole eines infektiösen Gastes könnten auch noch drei Stunden später in der Luft schweben. Das klingt nicht nach guten Zukunft-Aussichten für Restaurants und Fitnessstudios.

Heidenreich über Merkel: "Ist das nicht brillant? Immer die gleiche Jacke mit drei Knöpfen in allen Farben"

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Autorin Elke Heidenreich bild: screenshot ard

Als letzte kommt die Autorin Elke Heidenreich und mischt die Sendung nochmal auf. 1992 hat sie Angela Merkel interviewt. Die war damals noch Frauenministerin im Kabinett Kohl. Damals habe sie natürlich nicht gedacht, dass Merkel einmal zu einer der wichtigsten Politikerinnen der Welt werden würde. "Aber schon gemerkt, dass sie was drauf hat."

Sie könne Merkel immer noch leiden. "Ich möchte diese Frau als Kanzlerin haben." Und die möglichen CDU-Kanzlerkandidaten? "Die gefallen mir alle nicht." Merkel sei nicht korrupt und nicht eitel. "Wenn man sieht, wie sie gealtert ist, sieht man, wie sie gearbeitet hat", findet Heidenreich und setzt nach, dass sie das in ihrem Alter sagen dürfe.

Weil Heidenreichs neues Buch "Männer in Kamelhaarmänteln: Kurze Geschichten über Kleider und Leute" heißt, geht es natürlich auch um Merkel Stil. "Ist das nicht brillant? Immer die gleiche Jacke mit drei Knöpfen in allen Farben", sagt Heidenreich. Merkel setze auf Bewährtes, habe einen realistischen Blick. "Sie hat nicht die Traumfigur, sie weiß das." Andere Frauen wüssten das nicht: "Wenn manche Frauen sich von hinten sähen wüssten sie, Leggins sind keine Hosen, da gehört ein Röckchen drüber."

Am Ende will Maischberger kurze Statements zu Corona-Akteuren von ihr. "Oh Gott, sie wissen doch, dass ich undiplomatisch bin.“ Maischberger: "Genau deshalb."

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