Unterhaltung
V.l.: Investor Nico Rosberg, Investor Nils Glagau, Investorin Dagmar Wöhr, Investor Ralf Dümmel und Moderator Amiaz Habtu

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Ralf Dümmel ist Teil der "Höhle der Löwen"-Investoren. Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Exklusiv

Ralf Dümmel stoppt während Corona-Krise die Investitionen – was das für die "Höhle der Löwen" bedeutet

Vergangenen Montag startete die neue Herbststaffel von "Die Höhle der Löwen" mit einem neuen Gesicht. Neben Nils Glagau, Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler und Ralf Dümmel war nun erstmals Ex-Formel-1-Fahrer Nico Rosberg in der Vox-Show zu sehen. Er übernahm den Posten von Frank Thelen. Es ist eine Staffel, die aber nicht nur wegen des neuen Investors spannend werden dürfte, auch die Umstände, unter denen die Folgen produziert wurden, sind anders als sonst. Aufgrund der Pandemie mussten die Dreharbeiten im Frühjahr für eine Zeit unterbrochen werden. Danach galten auch bei den Löwen strengere Hygieneregeln und Abstand wahren.

Im Gespräch mit watson sprach Investor Ralf Dümmel über die neuen Episoden, Deals, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gingen, die Corona-Krise und die Auswirkungen auf die Investitionen in der Show. Gleich zu Beginn bot er uns das Du an.

Lieber Ralf, gibt es ein Produkt, bei dem du dich noch länger im Nachhinein geärgert hast, den Zuschlag der Gründer nicht bekommen zu haben?

Ja, definitiv. Ärgern ist da noch positiv ausgedrückt. Wenn ich ein Angebot mache, dann male ich mir ja schon aus, was ich mit dem Produkt alles anstellen würde und was man noch verbessern oder verändern könnte. Wenn dann mehrere Löwen um die Gründer werben – was für mich der schlimmste Moment der Sendung ist – und dann dieser Umkehrmoment der Machtfunktion kommt, weil plötzlich die Gründer in der Position sind, sich zwischen den Löwen entscheiden zu können, dann bin ich wirklich todunglücklich, wenn ich verliere.

Bei welchem Produkt war das so?

Die Wärmflasche Troy fällt mir spontan ein. Da habe ich gegen Dagmar Wöhrl verloren. Aber eigentlich trauere ich allen Deals nach, bei denen ich ein Angebot abgegeben und nicht den Zuschlag bekommen habe.

Birte Glang präsentiert den

Dagmar Wöhrl schnappte Ralf Dümmel einen Deal vor der Nase weg. Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Gibt es einen Deal, den du im Nachhinein bereut hast?

Als Investor müsste man fast "Ja" sagen, denn es gibt natürlich Dinge, die nicht super laufen. Aber ich habe da eine andere Einstellung. Ich sage immer, wenn du Angst hast, auf Risiko zu gehen, dann wirst du auch den ein oder anderen richtig Guten nicht finden. Ich habe mir ja etwas bei der Investition gedacht und bin sehr traurig für die Gründer, denn die kämpfen genauso für ihr Produkt und leider wird es dann nicht erfolgreich. Das muss man auch fairerweise sagen: "Die Höhle der Löwen" ist für alle Gründer die Chance auf einen Sechser im Lotto. Aber es ist auch keine Garantie. Die Quote der Start-ups, die funktionieren, ist extrem hoch, aber es gehört auch zur Wahrheit dazu, dass es einige nicht schaffen.

"Man kann immer noch ein bisschen mehr tun."

Start-ups sind durch die Corona-Krise besonders bedroht, wie schätzt du das ein, tut Deutschland genug, um den Innovationsmotor am Laufen zu halten?

Deutschland tut immer mehr dafür. Genug kann man fast nie sagen, man kann immer noch ein bisschen mehr tun. Aber es ist total richtig: Die Start-up-Szene wird viel mehr unter Corona leiden als viele andere, weil die Rücklagen nicht da sind, weil die Investitionsbereitschaft auch bei vielen Investoren vorsichtiger ist. Die Start-up-Szene wird unter Corona sehr stark leiden und es wird auch viele Start-ups treffen. Leider.

Was rätst du Start-ups in der Krise bzw. Leuten mit Ideen?

In dieser Hinsicht hätten wir das Interview vor vier oder fünf Monaten führen müssen, weil ich glaube, dass der Rat nun fast zu spät wäre. Ich erzähle einfach mal als Beispiel, was wir für uns gemacht haben: Wir waren ja schon, bevor Corona nach Deutschland kam, durch unser Asiengeschäft von Corona betroffen. Wir hatten es also schon ein bisschen gespürt, aber nie damit gerechnet, dass es wirklich rüberschwappt – schon gar nicht in der Größenordnung. Als es dann rüberkam, wussten wir schon, was in Asien los war. Ich glaube, wir haben ein ganz gutes Krisenmanagement gemacht.

"Während Corona habe ich natürlich auch nicht gesagt, ich investiere nicht mehr, wenn da etwas Gutes kommt. Aber sämtliche anderen Investitionen haben wir gestoppt und auf die Kosten geguckt."

Wie sah das aus?

Wir haben bei "DS Produkte" [Dümmels Firma, Anm. d. Red.] einen Investitionsstopp ausgerufen und uns hingesetzt und sämtliche Investitionen angesehen, geschaut, wie wichtig diese sind und haben Geld nur in Neuentwicklung und Produkte, wo wir weiter investiert haben, gesteckt. Die Dreharbeiten zu "Die Höhle der Löwen" fanden vor und während Corona statt, da habe ich natürlich auch nicht gesagt, ich investiere nicht mehr, wenn da etwas Gutes kommt. Aber sämtliche anderen Investitionen haben wir gestoppt und auf die Kosten geguckt.

Birte Glang präsentiert den

Ralf Dümmel und seine "Höhle der Löwen"-Kollegen standen auch während der Corona-Krise vor der Kamera. Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Das klingt nach harten Einschnitten.

Wir wussten ja auch nicht, was passiert. Als Unternehmer bist du ja auch in der Verantwortung und schläfst die ein oder andere Nacht mal schlechter, weil du nicht weißt, wie es weitergeht und welche Auswirkungen das Ganze auf das Geschäft hat. Am wichtigsten waren für uns arbeitsplatzsichernde Maßnahmen und das bedeutet nun mal, dass man extrem auf die Kosten gucken muss.

Also die Kosten strenger im Blick haben als sonst?

Das kann ich nur allen Gründer sagen: Genau schauen, wofür man Geld ausgibt. Nicht total aufhören, denn gewisse Investitionen gehören ja auch in ein Geschäft für die Zukunft. Heißt: Eine kaputte Brandschutztür gehört ausgetauscht, neue Schreibtische müssen aber vielleicht erst einmal warten.

"Ich finde, die Politik hat etwas gemacht, aber für Start-ups hätte man schon ein bisschen mehr tun können."

Die Start-ups, in die du investiert hast, leiden die auch besonders unter der Krise?

Die haben wir natürlich besonders unterstützt, vor allem auch in der Denke bezüglich der Kosten. Aber ja, die haben auch gelitten, sind aber vielleicht weniger betroffen. So ganz ist es aber auch heute noch nicht abzusehen. Das sind teils Unternehmen, die wurden in der Frühjahresstaffel ausgestrahlt, während der Zeit des Lockdowns. Das heißt, dass tausende Filialen, in die wir normalerweise die Produkte liefern, geschlossen waren. Ja, klar haben auch diese Start-ups Auswirkungen spüren müssen.

Birte Glang präsentiert den

Viele Start-ups trifft die Corona-Krise besonders hart. Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Was hättest du von der Politik in dieser Situation erwartet gerade mit Blick auf Start-ups? Wurde da zu wenig getan?

Schwer zu sagen. Es wurden ja Milliarden zur Verfügung gestellt. Jeder hat natürlich sein eigenes Schicksal und denkt man mal an die ganzen kleinen Geschäfte, die schließen mussten, wo die Soforthilfe zwar sofort ein bisschen geholfen hat, aber nicht so groß war, dass man da hätte Monate von überleben können. Ich versuche mich da politisch auch immer etwas rauszuhalten. Ich finde, die Politik hat etwas gemacht, aber für Start-ups hätte man schon ein bisschen mehr tun können.

"Ich glaube, dass es noch Unternehmen geben wird, die das nicht überleben."

Bist du der Meinung, dass der große Knall hinsichtlich der Insolvenzen noch kommt oder wir doch etwas glimpflicher davonkommen?

Im Vergleich zu anderen Ländern kommen wir vielleicht glimpflicher davon, aber ich bin auch der Meinung, dass die Auswirkungen noch nicht überstanden sind – leider. Man sieht es ja an den Arbeitslosenzahlen, die sich zwar nicht so dramatisch entwickelt haben, aber wir hatten im Mai 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit und da ist ja die Frage, wo diese Menschen hinrücken. Rücken sie wieder in die Vollbeschäftigung oder in die Arbeitslosigkeit? Das wird ein entscheidender Punkt. Und ich glaube, dass es noch Unternehmen geben wird, die das nicht überleben.

Du sagtest, dass die "DHDL"-Aufzeichnungen auch in die Zeit von Corona fielen, hat das euch in den Investitionen zurückgehalten?

Das ist eine interessante Frage, denn genau das habe ich mich auch gefragt, als wir nach dem Lockdown und unserer kurzen Pause unter höchsten Sicherheitsbedingungen wieder angefangen haben zu drehen. Für mich wusste ich es ja, aber bei den anderen Löwen hatte ich mich auch gefragt, wie investitionsfreudig sie nun sein werden. Vorsichtig gesagt: Die Kreditkarten waren anscheinend nicht leer.

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