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LITTLE BRITAIN USA, Matt Lucas as Vicky Pollard, Season 1, 2008. photo: Michael Tackett / HBO / Courtesy: Everett Collection HBO/Courtesy Everett Collection ACHTUNG AUFNAHMEDATUM GESCH

Matt Lucas als Vicky Pollard in der Show "Little Britain". Bild: www.imago-images.de / HBO/Courtesy Everett Collection

Aus für Shows und Serien: Wie die Rassismus-Debatte das Showbusiness verändert

Witze über Schwarze, Verharmlosung der Sklaverei, Dominanz weißer Regisseure: Die Unterhaltungsindustrie in den USA steht schon lange wegen Diskriminierung in der Kritik. Durch die Massenproteste gegen Rassismus kommt nun Bewegung in die Branche. Sender und Streamingportale stellen ihr Angebot auf den Prüfstand, Bücher zum Thema erobern die Bestsellerlisten.

Aus für Shows und Serien

Der US-Reality-Show "Cops" wurde seit Jahren vorgeworfen, Macho-Polizisten zu glorifizieren. Nun hat Paramount Network die seit 1989 laufende TV-Serie, in der die Kamera die Polizei bei Einsätzen begleitet, abgesetzt.

In Großbritannien hat die BBC die Comedy-Show "Little Britain" aus dem Programm genommen. Die Kult-Serie karikiert Briten aller Milieus. Spielten sie schwarze Frauen, malten die Schauspieler sich die Gesichter an. Dieses sogenannte Blackfacing steht heute in der Kritik. "Die Zeiten haben sich geändert", begründete ein BBC-Sprecher die Absetzung der Sendung.

Auch Netflix setzte "Little Britain" zusammen mit zwei weiteren britischen Serien ab. Die Macher von "Little Britain", David Walliams und Matt Lucas, hatten schon früher manche ihrer Witze bedauert. Der britische Komiker Leigh Francis entschuldigte sich vergangene Woche ebenfalls dafür, wie er sich über schwarze Stars lustig gemacht hat. "Ich glaube, wir lernen alle dazu", sagte er.

Filme über Rassismus im Fokus

Netflix hat in seinem US-Angebot eine eigene Rubrik "Black Lives Matter" mit Spiel- und Dokumentarfilmen eingerichtet, die rassistische Ungerechtigkeit thematisieren. "Wenn wir sagen 'Black Lives Matter', heißt das auch, dass die Geschichten Schwarzer wichtig sind", twitterte Netflix. Zu sehen sind in der Rubrik zum Beispiel das Oscar-prämierte Drama "Moonlight" oder "Dear White People", eine Serie um afroamerikanische Studenten.

Um sein Engagement für die Sache zu unterstreichen, spendeten Netflix-Chef Reed Hastings und seine Frau Patty Quillin 120 Millionen Dollar (135 Millionen Euro) an Hochschulen, die traditionell vor allem von schwarzen Studenten besucht werden, sowie an die Stipendienorganisation United Negro College Fund. Das Geld soll dazu genutzt werden, innerhalb von zehn Jahren insgesamt 200 Studenten ein komplettes Vier-Jahres-Studium zu finanzieren.

Beim Konkurrenten Amazon Prime heißt die neue Rubrik für den US-Dienst "Black History, Hardship & Hope" (Geschichte der Schwarzen, ihr Leid und ihre Hoffnung). Dort ist unter anderen der Film "Just Mercy" aus dem vergangenen Jahr zu sehen, der die wahre Geschichte eines zu Unrecht verurteilten Afroamerikaners erzählt

Der Online-Dienst Youtube hat insgesamt 275 Millionen Dollar zugesagt, um schwarze Künstler sowie kleine afroamerikanische Geschäfte und Anti-Rassismus-Projekte zu unterstützen.

Der neue Streaming-Anbieter HBO Max sorgte für Schlagzeilen, als er den Klassiker "Vom Winde verweht" - einer der Lieblingsfilme von US-Präsident Donald Trump - wegen seiner "rassistischen Darstellungen" aus dem Programm nahm. Mit kritischen Anmerkungen versehen soll das Oscar-gekrönte Drama, das 1939 Premiere hatte, in Zukunft aber wieder verfügbar sein.

Neue Bestseller

Das Interesse an Büchern schwarzer Autoren oder über Rassismus wächst. In den USA eroberte das Buch "White Fragility" die Bestsellerlisten. Die Soziologin Robin DiAngelo erklärt darin, warum Weiße mit dem Thema Rassismus nicht zurechtkommen.

In Großbritannien entwickelte sich der mit dem Booker-Preis ausgezeichnete Roman "Girl, Woman, Other" zum Verkaufshit. Die britisch-nigerianische Autorin Bernardine Evaristo erzählt darin die Geschichten schwarzer Familien in Großbritannien.

Das Buch der deutschen Journalistin Alice Hasters "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" ist derzeit das am meisten verkaufte Buch in der Sparte Politikwissenschaft bei Amazon und steht seit zwei Wochen auf der "Spiegel"-Bestsellerliste.

(lau/afp)

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