Die Netflix-Serie "Inventing Anna" basiert auf der Geschichte der Trickbetrügerin Anna Sorokin aka Anna Delvey.
Die Netflix-Serie "Inventing Anna" basiert auf der Geschichte der Trickbetrügerin Anna Sorokin aka Anna Delvey.Bild: Netflix

"Inventing Anna": Sorokin-Opfer übt harte Kritik an Netflix-Serie

17.02.2022, 16:03

Die neunteilige Serie "Inventing Anna" ist seit dem 11. Februar auf Netflix verfügbar und bestätigt gewissermaßen einen aktuellen Trend: Genau wie bei "Der Tinder Schwindler" stehen hier wahre Begebenheiten im Fokus, beide Male sind die Protagonisten außerdem Betrüger. In "Inventing Anna" werden die beteiligten Figuren allerdings von Schauspielern dargestellt, während es sich beim "Tinder Schwindler" um eine echte Doku handelt.

Shonda Rhimes erzählt in der Miniserie die Geschichte der Hochstaplerin Anna Sorokin aka Anna Delvey (in der Hauptrolle: Julia Garner), die Hotels, Geschäftsleute, Banken und Bekannte über längere Zeiträume hinweg täuschte, um sich selbst finanzielle Vorteile zu verschaffen. 2019 wurde sie schließlich von einem Gericht verurteilt.

Eines ihrer Opfer war die ehemalige "Vanity Fair"-Fotoredakteurin Rachel DeLoache Williams. Sie schrieb über ihre Erfahrungen mit der Betrügerin sogar das Buch "My Friend Anna". In einem Kommentar für das US-Magazin "Time" übte sie nun scharfe Kritik an der Netflix-Produktion, die Anna Sorokin auf bedenkliche Weise eine große Bühne und damit auch Macht biete.

Netflix erntet Kritik für "Inventing Anna"

"Es wird von mehr Menschen gesehen werden als jemals Anna begegnen oder sich die Mühe machen werden, ihre wahre Natur zu verstehen oder was wirklich passiert ist. Und das ist eine gefährliche Realität", prognostiziert Williams bereits vor dem Netflix-Release – und der derzeitige Hype scheint ihr Recht zu geben, denn aktuell befindet sich "Inventing Anna" auf Platz eins der Charts des Streaming-Diensts. Die von ihr erwartete Aufmerksamkeit erhält die Serie somit definitiv.

Das große Problem, das Williams sieht: Die Taten von Anna "Delvey" Sorokin werden romantisiert bzw. können leicht als willkommener Akt gegen kapitalistische Strukturen heroisiert werden, während die Opfer in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu kurz kommen.

Die Autorin hatte Sorokin einst über Bekannte kennengelernt und, zumindest nach ihrer eigenen Wahrnehmung, eine enge Freundschaft zu der Verbrecherin aufgebaut. Daher half sie aus, als Sorokins Kreditkarte eines Tages im Marokko-Urlaub angeblich nicht mehr funktionierte. In Wahrheit hatte Sorokin gar kein Geld, Williams und ihr Arbeitgeber waren am Ende um 62.000 Dollar ärmer. Immerhin war das Opfer letztlich auch an der Festnahme beteiligt.

Jetzt befürchtet Williams, dass Millionen Menschen bei Netflix sehen werden, "wie Anna als komplexe Anti-Heldin dargestellt wird, die gegen ihre persönlichen Dämonen und eine Welt kämpft, die junge Frauen ständig unterschätzt".

Wegen "Inventing Anna": Rachel DeLoache Williams schockiert

Schon die offizielle Beschreibung der Serien-Figur Rachel machte Williams stutzig: "Während sie ihre Beziehung zu Anna am meisten bedauert, ist die Frau, die sie wegen Anna wird, vielleicht Annas größte Schöpfung", schreibt der VoD-Anbieter dazu, zum Unmut des realen Opfers. Williams' Begründung:

"Sollen wir glauben, dass die Frau, zu der ich geworden bin, nicht den Eltern zu verdanken ist, die mich großgezogen haben, der Liebe, die ich mit Familie und Freunden geteilt habe, meinen eigenen Bemühungen oder meinem persönlichen Wachstum, sondern Anna?"
Ein Fan empfiehlt bei Instagram, vor dem Streamen der Netflix-Serie das Buch "My Friend Anna" zu lesen.
Ein Fan empfiehlt bei Instagram, vor dem Streamen der Netflix-Serie das Buch "My Friend Anna" zu lesen.Bild: rdwilliams/instagram

"Diese Netflix-Beschreibung fühlte sich schockierend an", erinnert sich sie sich dementsprechend – dabei habe sie durchaus erwartet, dass die Dramatisierung der Ereignisse in der Serie teils Unwohlsein bei ihr hervorrufen würden. Die Rechte an einer Adaption ihres Buchs hatte Williams nämlich an HBO und gerade nicht Netflix verkauft, weshalb sie bei "Inventing Anna" praktisch keinen Einfluss ausüben konnte.

(ju)

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