Unterhaltung
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: ARD

"Von den 'Spahn-Stellen' merken wir nichts": Das sagt eine Pflegerin zu Spahns Plänen

Schlechte Arbeitsbedingungen, miese Bezahlung, Personalmangel: Der Refrain über den Pflegenotstand in Deutschland erklingt wieder einmal besonders laut, diesmal in Frank Plasbergs Polit-Talkshow "Hart aber fair".

Das altbewährte Thema, für das es scheinbar so gar keine geeignete Lösung gibt, wurde in der letzten Folge am Montagabend von einer besonders denkwürdigen Runde besprochen: Gleich drei Minister – Franziska Giffey, Hubertus Heil und Jens Spahn – stellten sich den Fragen Betroffener.

Pflegenotstand in Deutschland

Laut einer Studie der Evangelischen Bank verfügen 60 Prozent der Pflegeheime über offene Stellen für Fachkräfte. Jüngste Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen, dass aktuell nahezu 40.000 Pflegekräfte fehlen. Um diesem Notstand entgegenzuwirken, haben sich Giffey, Heil und Spahn für die "Konzentrierte Aktion Pflege" zusammengeschlossen, die unter anderem bessere Ausbildungsbedingungen und flächendeckende Tarifverträge zu schaffen sowie Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben.

Giffey, Heil und Spahn bemühen sich – reicht das?

Giffey, Heil und Spahn mühten sich sichtlich ab, nicht nur als "Marketing"-Offensive anzutreten, wie Gast und Journalist Gottlob Schober ihnen unterstellte, und konstruktive Lösungen zur Pflege zur präsentieren. Dazu zählt zum Beispiel, dass bei der Ausbildung zum Pfleger ab dem 1.1.2020 kein Schulgeld mehr gezahlt wird.

Weitere Lösungen, wie zum Beispiel hoch qualifizierte Kräfte aus dem Ausland möglichst einfach den Weg in die deutsche Pflegebranche finden könnten, seien laut Spahn noch zu klären.

Die Lösungsvorschläge scheinen einem geladenen Gast nicht zu genügen: Silke Behrendt-Stannies. Seit über 25 Jahren arbeitet sie nun als Pflegerin in der Branche und gibt offen zu: Unter diesen Bedingungen will sie ihren Job möglicherweise nicht weiter ausführen – Pflege-Aktion hin oder her, es fehle nach wie vor an Personal, wie Behrendt-Sennies beklagt.

"Also merken tu' ich erst mal nix."

Zwar werden einige Überstunden in ihrem Pflegeheim nun ausbezahlt – mehr Kollegen, die einem Arbeit abnehmen und so mehr gemeinsame Zeit mit den Patienten verschaffen können, gab es bisher allerdings noch nicht.

Die Pflegerin zeigt sich frustriert

Die Pflegerin ist sichtlich frustriert und zeigt keine Scheu, dem Gesundheitsminister ihren Unmut deutlich entgegenzubringen – schließlich sei von den "Spahn-Stellen", wie sie die neu zu schaffenden Pflegestellen leicht ironisch nennt, nichts zu merken.

Spahn wirkt gekränkt. Nun tut er doch und macht, sitzt mit Kollegen aus der eigenen sowie Koalitionspartei an einem runden Tisch, um das deutsche Pflegesystem zu retten, versucht Lösungen für bessere Bezahlung, mehr Stellen, besseres Ansehen des Berufs zu finden – und bei Betroffenen wie Behrendt-Stannies kommt einfach nichts an.

Schließlich fragt Spahn, leicht schmollend:

"Wenn Sie Gesundheitsministerin wären, wo würden Sie ansetzen?"

Darauf antwortet die Pflegerin: bei der Selbstverwaltung. Denn würden die Pflegeberufe in Kammern organisiert werden, wie Spahn es vorschlägt und wie es zum Beispiel schon bei Ärzten ist, könnten sie gemeinsam mehr erreichen.

Die Altenpflege als Verliererin der Politik

Für Behrendt-Stannies jedoch würde das eher eine Aufgabe ihrer beruflichen Autonomie bedeuten, wie sie durchklingen lässt.

Dass der Gesundheitsminister keine Lösung aus dem Hut zaubern kann, die das Problem über Nacht beseitigt, wird auch Behrendt-Stannies klar sein. Die Entwicklung geht ihrer Meinung nach nicht nur zu langsam vonstatten, sondern auch in die falsche Richtung.

"Sie machen zwar sehr viel, aber die Altenpflege wird weiterhin Verlierer sein in der Geschichte."

Viel Verständnis für die Frustration einer Frau, die sich aufgrund herrschender Umstände darin behindert sieht, ihren Job vollends auszuführen scheint auf Seiten der Politiker jedoch nicht zu herrschen. Was sie letztlich übrigens, trotz aller Bemühungen und konstruktiver Vorschläge wiederum als Werbefiguren erscheinen lässt.

Dennoch muss als Fazit der Sendung gesagt werden: Es tut sich etwas in der Pflege – wenn auch vielleicht in einem anderen Ausmaß und Tempo, als so manch einer es sich wünschen würde.

(ak)

Chantal hat ein Spenderherz - und unterstützt Jens Spahn

Play Icon

Mehr zum Thema Politik:

SPD-Ministerin schreibt Grußwort für Homöopathie-Kongress – und erntet Kritik

Link zum Artikel

Ray jagt Lügner im Internet – und warnt vor der WhatsApp-Gefahr bei EU-Wahlen

Link zum Artikel

Alle gleich? Monika von der Lippe kämpft für die Frauenquote bei Wahlen

Link zum Artikel

Aus 7 wird 1: So brach die AfD im EU-Parlament auseinander

Link zum Artikel

Neonazis verbreiten auf Twitter Abschiebe-Zettel – wir haben sie entschlüsselt 😂

Link zum Artikel

SPD sinkt auf 15 Prozent – Kühnert glaubt trotzdem nicht, dass er der Partei geschadet hat

Link zum Artikel

Es gibt 3 Fälle, in denen Spahn Selbstbestimmung egal ist

Link zum Artikel

"Die AfD ist das Kraftzentrum der Neuen Rechten"

Link zum Artikel

#FridaysForFuture – Schüler verraten, warum sie auf die Straße gehen

Link zum Artikel

50.000 gegen Axel Voss – die Artikel 13-Demo in Berlin

Link zum Artikel

Errätst du, wo Politiker noch mehr verdienen als in Deutschland?

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

§219a ist durch. 4 Fakten zum "neuen" Werbeverbot für Abtreibungen

Link zum Artikel

"Wenn der Staat beim Sterben hilft" - Jens Spahn steht zu seinem "Nein" bei Sterbehilfe

Link zum Artikel

Ein Tag mit Boris Palmer, dem schwarzen Schaf der Grünen

Link zum Artikel

FDP-Influencer Lindner hat jetzt einen Podcast – und der könnte... gut werden

Link zum Artikel

Warum dieser Bundestagsabgeordnete aus der SPD austritt

Link zum Artikel

Rückkehr-Aktionswochen beim BAMF: Freiwillig steht drauf, Rechtsverzicht steckt drin

Link zum Artikel

Frankreich gibt Raubkunst an Afrika zurück – das schlummert in deutschen Museen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

AfD-Kreisverband hetzt gegen Joko und Klaas – und macht einen üblen Fehler 😂

Es war ein kleines Meisterstück der TV-Kunst. 15 Minuten, die für Schlagzeilen sorgten. Am Mittwochabend bekamen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf von ihrem Sender Prosieben 15 Minuten zur freien Verfügung – die beiden Comedians konnten machen, was sie wollten.

Als erstes kam Pia Klemp an die Reihe, Kapitänin des Rettungsschiffes "iuventa10", das auf dem Mittelmeer Geflüchtete rettete. Klemp erhob schwerste Vorwürfe an den "Friedensnobelpreisträger EU", der im Mittelmeer bewusst …

Artikel lesen
Link zum Artikel