Unterhaltung
Carlo Cokxxx Nutten 4 Bushido macht immer noch auf Gangster
Bekommt er weiterhin Polizeischutz?

Bushido kann machen, was er will. Seine Fans verzeihen ihm einfach alles. Bild: picture alliance/Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Bushido und "CCN4": Warum dem Rapper selbst seine Skandale nichts anhaben

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag erscheint Bushidos neues Album "CCN4". Seit dem Vorgänger "CCN3" von 2015 hat sich das Image des Rappers in fast jeder Hinsicht geändert. Schaden wird ihm das dennoch nicht.

Kleine Zeitreise ins Jahr 2015. Bushido ist nach wie vor der König des Gangsta-Raps. Mit Shindy hat er einen der erfolgreichsten Rapper auf seinem Label unter Vertrag. Mit seinem Geschäftspartner und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker ist offenbar noch alles in Ordnung.

Nach einigen Spekulationen über mögliche Partner hat Bushido sich entschieden, "CCN3" als Soloalbum zu veröffentlichen. Es ist das erste Mal, das ein Album aus der Reihe ohne Zweitbesetzung entsteht. "CCN" steht für "Carlo Cokxxx Nutten", der erste Teil erschien schon 2002, zusammen mit seinem damaligen Freund Fler. Der zweite Teil erscheint kurioserweise zweimal: zuerst mit dem Bremer Rapper Baba Saad, dann noch einmal mit Fler.

Bushido ist die Sonne, um die alles kreist

Nun also alleine. Was als Zeichen von Einsamkeit gedeutet werden könnte, ist in Wahrheit nur eins: Souveränität. Bushido braucht 2015 keine Partner. Er braucht überhaupt niemanden. So jedenfalls das Bild nach außen. Er braucht vermeintlich auch keine Bestätigung der bürgerlichen Mitte mehr. Nach ein paar Flirts mit dem Mainstream inklusive der Verleihung eines Bambis (für Integration, seltsam genug bei einem gebürtigen Deutschen) ist er seit 2014 mit dem Album "Sonny Black" wieder ganz der Gangsta Rapper, der den deutschen Rap Anfang der Nuller Jahre hart und gefährlich gemacht hat.

Kurzum, Bushido ist 2015, beim Release von "CCN3", die Sonne in seinem eigenen Gangsta-Rap-Universum. Alles scheint um ihn zu kreisen, niemand kommt an ihm vorbei.

Alles auf Null

Wie anders das Bild in 2019. Vier Jahre später ist Bushido ziemlich alleine. Die alte Souveränität, der Nimbus des Nie-Gedisstwerdens, an dem seine gefährlichen Freunde großen Anteil hatten, ist dahin. Die Trennung von seinem Ex-Geschäftspartner Abou-Chaker, das Gezerre um seine Künstler Shindy, Capital Bra und Samra, die ihn mittlerweile alle verlassen haben, die öffentlich kursierenden Gerüchte um seinen Polizeischutz – fast nichts ist mehr wie noch vor vier Jahren.

Für "CCN4" hat Bushido wieder einen Partner. Es ist ausgerechnet der Heidelberger Animus, den Bushido noch vor einigen Jahren öffentlich heftig beleidigt hatte – und das wohl nur, weil dieser bei seinem ehemaligen Partner und jetzigen Erzfeind Fler unter Vertrag war. Ein paar Schachzüge später wurden aus den ehemaligen Kontrahenten nun also Mitspieler. Und der beinahe letzte ihm verbliebene Getreue ist ein ehemaliger Feind, den er früher gar nicht ernst genommen hatte.

Schon bei seinem letztjährigen Album "Mythos" war Bushidos Image angekratzt. Mit einem Schachzug, der typisch für den strategisch klugen Berliner ist, konnte er jedoch noch einmal alles vermeintlich zu seinen Gunsten wenden. Er nahm im Juli 2018 den derzeit erfolgreichsten Rapper Deutschlands, Capital Bra, unter Vertrag. Als der ihn dann aber im Januar 2019 wieder verließ, war dieser Joker wertlos. Zumal Capi angab, er ist wegen Bushidos angeblicher Zusammenarbeit mit der Polizei gegangen.

Probleme? Keine

Man könnte erwarten, dass dies alles Bushido sehr schaden würde. Dass sein Image unreparierbar beschädigt sei. Dass die Fans einem Gangsta-Rapper, der angeblich mit der Polizei zusammenarbeitet, in Scharen den Rücken zuwenden.

Doch nichts von alledem. Von einem plötzlichen Einbruch des Interesses kann keine Rede sein. Das erste Video aus "CCN4" hat 11,5 Millionen Aufrufe auf Youtube. Auch das Bewertungsverhältnis lässt nicht gerade auf eine Krise schließen: 50.000 Dislikes stehen 320.000 Likes entgegen.

Ein Blick in die Kommentare darunter lässt ebenfalls nicht darauf schließen, dass die Fans gehen. "17 Jahre Bushido Fan und das wird auch so bleiben", heißt es da. "Das stärkste Comeback in der Geschichte des Deutschraps", meint ein anderer, und: "Egal, was Bushido gemacht hat, seine Stimme bleibt Legende".

Auch unter "Lichter der Stadt", der zweiten Videoauskopplung, ist Aufschlussreiches zu finden:

Bushidos Fans sind treu – und nicht unbedingt jung

Daraus lässt sich ableiten, dass Bushido-Fans offenbar vor allem zwei Eigenschaften auszeichnen: Sie sind nicht die Allerjüngsten. Und sie sind extrem treu, woran die aktuelle Nachrichtenlage beziehungsweise Gerüchteküche wenig bis nichts ändert.

Deshalb ist es auch keineswegs vermessen, zu prognostizieren: Bushidos neustes Album "CCN4" wird wieder ein voller Erfolg. Wie die letzten sieben Alben wird es die Pole Position in den Charts erklimmen, in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das liegt auch daran, dass Bushido ihnen musikalisch genau das gibt, was sie sich wünschen. Während die neue Generation von Rappern gerne ihre Stimme mit dem berüchtigten Autotune-Effekt verfremdet, über Luxus-Modemarken rappt und musikalische Einflüsse von Afro-Beat bis Dancehall einfließen lässt, bleibt der Berliner bodenständig.

Es wird sich nichts ändern

Er setzt bei den Songs "Ronin" oder "Lichter der Stadt" auf eine etwas modifizierte Version der Beats, die ihn schon auf seinem Debüt "Vom Bordstein bis zur Skyline" (2003) begleitet hatten: harte Drums, verziert mit sparsamen düsteren Streicher- und Klavier-Samples. Diesen Stil, den er sich damals hauptsächlich von französischen Rappern wie Booba abgeschaut hatte, hat er bis heute beibehalten – und perfektioniert.

Auch textlich gibt es keinen Stilbruch. Die bisher veröffentlichten Videos wie etwa "Renegade" zeigen, dass wieder die üblichen Verdächtigen (Fler, Rap-Journalisten, Mütter) beleidigt und die üblichen eigenen Stärken (Awards, Gold, Platin) lobend erwähnt werden. Beides in der simplen, direkten und eingängigen Art, und mit dieser Stimme, die jeder Raphörer sofort wiedererkennt.

Wiedererkennungswert ist überhaupt sein größtes Kapital. Es interessiert Bushidos Fans einfach nicht, was ihr Idol abseits der Musik so tut. Der strenge Authentizitätsanspruch, den Rap immer erhoben hat, ist ihnen egal. Street Credibility? Ach, hör mir auf. Bushido mag vielleicht nicht der Schwerkriminelle sein, den er gerne verkörpert hat. Zweifel daran hatte es ohnehin schon immer gegeben, und das nicht nur bei seiner Person. Aber er ist für viele eine Legende, ein Idol, ein Held ihrer Kindheit und Jugend. Die Musik hat sich – im Gegensatz zu den Geschichten, die sich um ihn ranken – nicht verändert. Sein Erfolg auch nicht.

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