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Louis Hofmann als junger Jonas Kahnwald im Netflix-Hit "Dark". Bild: netflix

Interview

"Damit wir eine Zukunft haben": Netflix' "Dark"-Star nimmt Politiker in die Pflicht

"Das Ende ist der Anfang und der Anfang ist das Ende" – so heißt es immer wieder in der deutschen Netflix-Serie "Dark". Nun geht sie jedoch wirklich zu Ende: Am 27. Juni erscheint die dritte und letzte Staffel einer der erfolgreichsten und von Kritikern und Fans gleichermaßen geliebten Serie des Streaming-Dienstes.

Louis Hofmann spielt seit Beginn die Hauptrolle des Jonas Kahnwald, der durch die Zeit reist, um den Weltuntergang zu verhindern – und damit gleichzeitig seine eigenen Sünden wiedergutzumachen.

Watson sprach mit dem 23-Jährigen über das Ende von "Dark", aber auch darüber, was man gegen die Katastrophen in unserer Welt tun kann.

watson: Louis, wie hast du die letzten Monate verbracht?

Louis Hofmann:
Ich bin natürlich zu Hause geblieben und bin auch wirklich nur zum Einkaufen vor die Tür gegangen. Am Anfang fühlte ich mich eigentlich fast wie beflügelt. Es war wie eine Befreiung für mich, da ich plötzlich die Zeit hatte, mich um Dinge zu kümmern, zu denen ich sonst nicht gekommen bin. Fenster putzen oder die Steuer machen zum Beispiel. Es hatte auch etwas Aufregendes, in einer Situation zu sein, die man zuvor noch nicht erlebt hat. Dann wurde es aber irgendwann öde.

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Warum das?

Ein geplanter Filmdreh wurde immer weiter verschoben und findet nun erst nächstes Jahr statt. Letztlich konnte ich mich aber auf die Situation einlassen und meine Hobbys neu entdecken: Ich spiele wieder viel Tischtennis und gehe skaten. Ich beschäftige mich, damit ich mir nicht komplett unnütz vorkomme (lacht). Aber eigentlich komme ich mit der Zeit erstaunlich gut klar.

Apropos: In "Dark" geht es um den drohenden Weltuntergang. Siehst du Parallelen zur "echten" Welt, Stichwort Klimawandel und Corona-Pandemie?

Definitiv. Leider ist die Prognose, die in "Dark" ausgesprochen wird, gar nicht so unmöglich. Das ist es auch, was mir persönlich Angst macht. Wenn ich mich mit dem Klimawandel beschäftige, fällt es mir schwer, mich danach nicht machtlos und geknickt zu fühlen.

"Noch haben wir den Klimawandel in der Hand. Wir sind nicht machtlos."

Und wie schaffst du das?

Das Positive ist eben: Wir haben es noch in der Hand. Wir sind nicht machtlos. Als Einzelperson hat man zuweilen das Gefühl, man hätte keinen großen Einfluss. Deshalb ist es umso wichtiger, sich dafür einzusetzen, dass in der Politik mehr gemacht wird. Dass die Politik endlich von ihren eigenen Interessen abweicht und stattdessen die Interessen der zukünftigen Generationen dieser Welt vertritt. Jetzt komme ich schon wieder in so eine Rage!

Wieso?

Ich finde es einfach schlimm, dass die Klimakatastrophe nicht als solche angesehen wird. Während der Corona-Pandemie wurden auch Gelder freigesetzt. Und es ist auch gut und richtig, dass sie nun während Corona verwendet wurden. Ich frage mich nur, warum dies nicht bei der Klimakatastrophe geht.

"Es ist an der Zeit, dass die Politiker [...] sich jetzt für uns einsetzen, damit wir eine Zukunft haben."

Was ist dein Gedanke dahinter?

Es wird immer gesagt, dass wir zu viel Geld verlieren, wenn wir zum Beispiel Kohlekraftwerke vom Netz nehmen würden. Doch wenn man mehr in erneuerbare Energien investieren würde, würden auch mehr neue Arbeitsplätze geschaffen. Jetzt während der Corona-Pandemie haben sich die jungen Menschen für die älteren eingesetzt: Sie sind zu Hause geblieben, damit die Älteren nicht infiziert werden. Wir haben sie geschützt und deshalb ist es an der Zeit, dass die Politiker, die jetzt in einer Machtposition sind, sich jetzt für uns einsetzen, damit wir eine Zukunft haben.

Wo siehst du denn die Lösung der Probleme, die du angesprochen hast? Beim Einzelnen, bei Unternehmen oder der Politik?

Natürlich ist es wichtig, dass jeder Einzelne auf seinen ökologischen Fußabdruck achtet und man selbst überlegt, was man tun kann. Aber beim Klimawandel sehe ich die Hauptverantwortung bei den Politikern. Ihre Unterstützung wird vor allem gebraucht. Etwas anders, finde ich, verhält es sich bei der "Black Lives Matter"-Bewegung: Da haben wir ein Problem, das genau uns betrifft. Es ist etwas, das wir als Weiße ändern können und müssen.

Rassistische Gedankenmuster haben wir vielleicht so erlernt, aber es ist unsere Aufgabe, diese Gedanken zu ändern, indem wir uns über das Thema informieren. Außerdem müssen wir uns diese Probleme eingestehen und uns selbst auch bei unseren früheren rassistischen Denkmustern ertappen dürfen, um diese zu ändern.

Um noch einmal zu "Dark" zurückzukehren: Die Serie wird vor allem auch im Ausland gefeiert. Welche Gründe siehst du dafür?

Ich glaube, die Serie ist so erfolgreich, da sie so einzigartig ist und das Thema Zeitreisen auf eine Art behandelt, wie man dies zuvor noch nicht gesehen hat. Auch das Serienformat trägt zur Besonderheit bei. "Dark" ist außerdem extrem involvierend und klug. Es schafft die Gratwanderung zwischen verkopfter Konstruktion und Geschehnissen epischen Ausmaßes.

Siehst du die Rolle als Sprungbrett für den internationalen Erfolg?

Es ist schon toll, in solch einer hochwertigen Serie mitzuspielen, die auf der ganzen Welt geschaut wird. Aus diesem Grund werden auch Caster und Produzenten auf einen aufmerksam. Und das finde ich schön!

Wie glücklich – oder unglücklich – bist du mit der Entwicklung deiner Figur Jonas in der finalen Staffel?

Jonas steht wieder vor sehr vielen neuen Fragen, denn das, was er bisher gelernt hat, wird komplett auf den Kopf gestellt. Plötzlich findet er sich in einer neuen Dimension, der Parallelwelt wieder. Er lernt, dass nicht nur Adam aus eigenen Interessen handelt, sondern auch andere Figuren. Dann finde ich sehr schön, wie er im Laufe der Staffel immer mehr lernt und ein größeres Verständnis bekommt.

Ich bin wirklich zufrieden mit dem Ende, da es meiner Meinung würdig für die Figur und auch für die Serie ist.

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