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Der 21-jährigen Leo alias Leolixl folgen bei Tiktok über 588.000 Fans. Bild: Martin Wolf

Tiktokerin Leolixl erklärt Plattform-Hype: "Jede Randgruppe ist vertreten und hat die Chance, gesehen zu werden"

Als Teenagerin bekommt Leo, die in einem hessischen Dorf aufgewachsen ist, von ihrer Oma eine Ukulele zu Weihnachten geschenkt. Mit Youtube-Videos bringt sie sich selbst das Spielen bei. 2016 startet sie unter ihrem Spitznamen Leolixl auf Social Media durch. Auf Tiktok (früher Musical.ly) lädt sie kurze Cover-Videos von sich hoch. Mit Erfolg: Mittlerweile folgen ihrem Channel über 588.000 Fans.

Aus Cover-Songs werden eigene Stücke, am 4. September erschien ihre neue Single "Vielleicht verliebt". Mit watson sprach die 21-Jährige über das Phänomen Tiktok, Chancen und Gefahren der Plattform und wie sie reagierte, als sie die E-Mail von zwei Erfolgsproduzenten erreichte, die auch schon mit Helene Fischer zusammenarbeiteten.

watson: Leolixl, du hast vor vier Jahren deinen ersten Clip auf Musical.ly, heute Tiktok, hochgeladen. Wie bist du damals zur Plattform gekommen?

Leolixl: Ich habe zufällig Musical.ly-Videos bei Instagram gesehen – in meinem Bekanntenkreis gab es kaum jemanden, der die Plattform kannte. Und ich dachte sofort: Ich muss das ausprobieren! Also habe ich mir direkt die App heruntergeladen und erst einmal für mich die ersten Videos hochgeladen, um das Ganze auszuprobieren. Meine Schulfreunde waren allerdings nicht so davon begeistert, die fanden das albern. Mir war das aber egal! Ich hatte so viel Spaß und Freude an den Videos und wollte unbedingt dabei bleiben – egal, was andere sagen.

In vielen deiner Clips spielst du Ukulele. Nicht das verbreitetste aller Instrumente…

Ich bin ein großer Fan von Tiffany Alvord, die sich in vielen ihrer Youtube-Videos zu Coversongs selbst auf der Ukulele begleitet. Das hat mich fasziniert und ich habe dieses Instrument ganz neu für mich entdeckt. Also habe ich mir eine von meiner Großmutter gewünscht und die hat mich dann tatsächlich auch mit einer überrascht!

Wann hast du gemerkt, dass deine Videos richtig durchschlagen?

Ich habe mit der Zeit zwar viele Follower bekommen und meine Videos wurden immer mehr kommentiert – so richtig habe ich das Ausmaß aber erst realisiert, als ich auf der Straße erkannt und angesprochen wurde. Ich muss aber sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt schon eine sehr hohe Followerzahl hatte.

Wie hat sich das angefühlt?

Als ich das erste Mal von einem Fan nach einem Livestream erkannt wurde, war das komisch. Ich hatte fast ein bisschen Panik, habe mich gefragt, was da gerade eigentlich passiert (lacht). Aber dann haben wir uns sehr nett unterhalten und alles war okay!

"Ich habe meinen Eltern von Anfang an gezeigt, was ich auf der Plattform mache und welche Videos ich hochlade."

Als du mit den Clips angefangen hast, warst du noch Teenager. Wie haben deine Eltern deinen zunehmenden Erfolg aufgenommen?

Ja, ich war 17 Jahre alt. Ich habe meinen Eltern von Anfang an gezeigt, was ich auf der Plattform mache und welche Videos ich hochlade. Und sie haben mich immer unterstützt und mir gesagt, dass sie stolz auf mich sind und es toll finden, dass ich mir so viel Mühe gebe. Ich glaube, als ich ihnen das erste Mal beim Abendessen die Musical.ly-Videos gezeigt habe, konnten sie gar nicht so viel damit anfangen. Aber sie meinten direkt, das sieht doch cool aus, mach das weiter.

Wenig später fing dann deine Musikkarriere mit einer E-Mail des Produzenten-Duos Achtabahn an...

Zu dem Zeitpunkt hatte ich um die 300.000 Abonnenten, sie hatten meine Videos auf der Plattform entdeckt – und scheinbar fanden sie sie gut. Als ich die E-Mail gelesen habe, habe ich sie für einen Scherz gehalten! Ich dachte, so etwas gibt es im echten Leben nicht, so etwas passiert doch nur im Film. Aber es war real und dann haben sie mich später tatsächlich produziert.

Achtabahn haben auch schon für Helene Fischer gearbeitet. Wusstest du zu dem Zeitpunkt, für welche Top-Acts die Jungs produzieren?

Ich hatte den Namen, ein-, zweimal im Netz gelesen ja. Dass sie so erfolgreich sind, war mir aber nicht bewusst. Und ich dachte nur: Das kann doch nicht sein, dass so berühmte Leute mich einladen!

Jetzt hast du deine vierte eigene Single veröffentlicht. Wie fühlt es sich das im Vergleich zu deinen Cover-Songs an?

Es ist nicht vergleichbar. Meine eigenen Songs verstehe ich natürlich zu 100 Prozent, weil sie von mir und aus mir kommen. Das ist viel emotionaler und ein ganz anderes Gefühl von Musikmachen.

"Es gibt diese perfekte Instagram-Welt nicht. Jede Randgruppe ist bei Tiktok vertreten und hat die Chance, gesehen zu werden – egal, ob du jetzt Sänger, Tänzer oder Cosplayer bist."

Welche Vorteile hat Tiktok gegenüber anderen Plattformen, was macht das Phänomen für dich aus?

An Tiktok fasziniert mich, dass es im Vergleich zu anderen Social-Media-Plattformen noch recht neu ist. Es wurde von der breiten Masse noch nicht komplett entdeckt, deswegen probieren sich jetzt sehr viele Leute darauf aus, was ich spannend finde. Mir gefällt, dass jeder dort so sein kann, wie er sein will. Es gibt diese perfekte Instagram-Welt nicht. Jede Randgruppe ist bei Tiktok vertreten und hat die Chance, gesehen zu werden – egal, ob du jetzt Sänger, Tänzer oder Cosplayer bist. Generell bekommst du die Möglichkeit, viel kreativeren Content als beispielsweise bei Facebook zu teilen. Und: Der Humor auf Tiktok ist einfach großartig. Du entdeckst so viel, worüber du lachen kannst. Ich bin selbst mindestens eine Stunde pro Tag auf Tiktok und entdecke jeden Tag so viele neue, witzige und inspirierende Sachen.

Wie schafft man es auf über eine halbe Million Follower, was ist wichtig für den Erfolg?

Ich denke, es ist wichtig, dass man sehr aktiv ist und seinen Followern viel neuen Content liefert. Ansonsten hilft es nicht nur authentisch, sondern auch humorvoll zu sein. Ich habe mich in vielen Videos schon selbst zum Affen gemacht, zum Beispiel mit einer Wendler-Parodie und nehme die Dinge nicht so ernst.

Hast du einen Tipp für Menschen, die sich jetzt auch auf Tiktok ausprobieren wollen?

Man muss sich für nichts schämen – einfach mal machen!

Du hast auf Tiktok auch viele junge Follower, die sich an dir ein Vorbild nehmen. Worauf achtest du, wenn du mit ihnen ins Gespräch kommst?

Ich würde nie ein Video posten, in dem ich Alkohol trinke oder etwas Gefährliches mache – was ich aber sowieso nicht tue. Und man muss im Hinterkopf behalten, dass die Plattform gefährlichen Content auch löscht und dir eine Warnung gibt, sobald du so einen Clip hochladen willst.

Du studierst aktuell im 3. Semester. Wie integrierst du deine Social-Media-Präsenz in den Alltag und wie bringst du Studium und Beruf zusammen?

Es gibt tatsächlich einiges bei mir zu tun! Ich muss meine Hausarbeiten für die Uni schreiben und da ich von der Musik allein leider noch nicht leben kann, habe ich mir auch noch einen Nebenjob als Kellnerin besorgt. Ich kellnere abends, gehe morgens in die Uni und mache mittags Musik.

Puh, das klingt anstrengend.

Ich habe nicht das Gefühl, dass es zu viel ist. Ich bin schnell gelangweilt und bin daher immer gerne am Machen.

Bist du jetzt da, wo du immer sein wolltest?

Als Kind war es tatsächlich mein größter Traum, einmal als Popstar im Zentrum eines Musikvideos zu stehen (lacht). Ich wollte nicht zwingend auf der Bühne oder im Tonstudio stehen, sondern in einem Musikclip mitspielen. Für mich war das das Nonplusultra, eben so, wie man sich das ideale Leben als Sängerin vorstellt. Und jetzt habe ich es geschafft – das ist schon ein bisschen surreal. Aber ich bin sehr dankbar und glücklich, dass es so weit gekommen ist.

Hast du einen Plan B?

Ob ich nun den großen Durchbruch habe oder nicht – ich werde immer Musik machen. Und die Musik würde ich auch allem vorziehen. Wenn es auf Tiktok oder mit meinen Songs nicht klappt, gebe ich eben Musikunterricht. Ich bin mir sicher: Ich komme zurecht!

(ab)

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