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GOLD COAST, AUSTRALIA - MARCH 29: Duffy performs live on stage during the V Festival at Avica Resort on March 29, 2009 on the Gold Coast, Australia.  (Photo by Jonathan Wood/Getty Images)

Duffy: Die Sängerin spracht erst vor Kurzem über das Martyrium, das sie erleben musste.. Bild: Getty Images/ Jonathan Wood

Nach Vergewaltigung: Sängerin Duffy fordert Entfernung von Netflix-Erotik-Film "365 Days"

"365 Days" war der Überraschungs-Hit auf Netflix und wurde schnell der am meisten abgerufene Streifen auf der Streaming-Plattform in Deutschland. Wochen nach dem Release ist er immer noch in der Top Five zu finden. Auch weltweit feierte der Erotikfilm einen wahnsinnigen Erfolg.

In dem "50 Shades of Grey"-Abklatsch entführt Mafia-Boss Massismo die polnische Touristin Laura und gibt ihr 365 Tage Zeit, sich in ihn zu verlieben. Dabei geht es auch hart zur Sache, Fessel-Sex und harte Praktiken werden gezeigt. Der Film erzeugte nicht nur Begeisterung, sondern musste auch scharfe Kritik einstecken. Der Grund: Trotz der einvernehmlichen Sex-Szenen wird immer wieder die Beschönigung des sogenannten Stockholm-Syndroms thematisiert, bei dem ein Entführungsopfer positive Gefühle für seinen Peiniger entwickelt.

Ein Nutzer auf Twitter schreibt beispielsweise: "Die Sex-Szenen waren toll, aber die Story an sich romantisiert Kidnapping und eine erzwungene Beziehung. Du siehst somit einer Frau dabei zu, wie sie ein Stockholm-Syndrom entwickelt."

Im Zuge der Diskussion schaltet sich nun auch Duffy mit ein. Die Sängerin hat eine dramatische Zeit hinter sich. Mit ihrer Schicksalsgeschichte wendet sie sich jetzt in einem offenen Brief an den Netflix-CEO Reed Hastings und fordert, dass der Streaming-Gigant den Streifen aus dem Programm nehmen soll. Dabei schildert sie auch ihre wichtigen Gründe für das dringende Anliegen.

Duffy schreibt Netflix-CEO offenen Brief mit klarer Botschaft

Im Februar hatte die "Mercy"-Sängerin selbst bekannt gegeben, warum sie jahrelang aus der Öffentlichkeit verschwunden war: Sie wurde entführt und vergewaltigt. An ihrem Geburtstag sei Duffy in einem Restaurant mit Drogen betäubt und gefügig gemacht worden. Mehrere Wochen soll sie vom Täter gefangen gehalten worden sein. Er habe sie im Hotelzimmer und in ihrem eigenen Haus vergewaltigt. Er drohte ihr sogar, sie umzubringen. Mehrfach sei Duffy danach aus Angst umgezogen, von Familie und Freunden habe sie sich entfremdet.

Mit diesem Martyrium im Hintergrund, richtet sie nun ihre eindringliche Botschaft an Netflix. In einem offenen Brief, der unter anderem dem Portal "Deadline" vorliegt, schreibt sie, dass der Film "365 Days" die brutale Realität von Sexhandel, Entführung und Vergewaltigung verherrlichen würde:

"Dies sollte nicht die Vorstellung von Unterhaltung sein, noch sollte sie nicht als solche beschrieben oder auf diese Weise kommerzialisiert werden."

Die Grammy-Gewinnerin hält die Ausstrahlung des Streifens für unverantwortlich und prangert an:

"Es tut mir leid, dass Netflix eine Plattform für ein solches 'Kino' bietet, das Entführungen erotisiert und sexuelle Gewalt und Menschenhandel als 'sexy' Film verzerrt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie Netflix übersehen konnte, wie nachlässig, unsensibel und gefährlich dies ist. Es hat in letzter Zeit sogar einige junge Frauen dazu veranlasst, Michele Morrone, den Hauptdarsteller des Films, euphorisch zu bitten, sie zu entführen."

Trotz Kritik ist Fortsetzung geplant

Tragischerweise seien Opfer von Menschenhandel und Entführung unsichtbar und dennoch werde ihr Leiden in "365 Days" zu einem "erotischen Drama" von Netflix romantisiert, so die 36-Jährige. Als sie selbst vergewaltigt worden sei, habe sie das Glück gehabt, mit dem Leben davonzukommen, aber viele hätten das eben nicht. Jetzt müsse sie sich diese Tragödien, ihre Tragödie, erotisiert und verharmlost anschauen. Die Zuschauer sollten sich lieber über sexuelle Ausbeutung und Sex Trafficking (Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Anm.) schlaumachen, mahnt Duffy zum Schluss an.

Besonders bitter für die Sängerin: Gerade hat Hauptdarsteller Morrone verkündet, dass es von dem umstrittenen Film eine Fortsetzung geben soll. In einem Video, das "TMZ" vorliegt, sagte er: "Ja, wir werden den zweiten Teil drehen. Wir wissen wegen des Corona-Problems, das gerade auf der ganzen Welt herrscht, noch nicht wann. Aber wir werden ihn sicher machen." Stoff dafür gibt es genug, denn der Film basiert auf einer Roman-Trilogie.

(iger)

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