Der WDR zieht nach Vorwürfen der umstrittenen Journalistin Nemi El-Hassan die Reißleine.
Der WDR zieht nach Vorwürfen der umstrittenen Journalistin Nemi El-Hassan die Reißleine.Bild: dpa / Tilman Schenk

Nach öffentlicher Kritik am Sender: WDR feuert Journalistin

03.11.2021, 11:56

Aus war der Traum vom Moderatorinnen-Job beim WDR-Wissenschaftsformat "Quarks" – und das, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Die Journalistin Nemi El-Hassan hatte dem WDR in der "Berliner Zeitung" vorgeworfen, die Linie der "Bild" übernommen zu haben. Die wiederum hätte eine "gezielte Kampagne zur Demontage einer Person" gegen sie gefahren.

Daraufhin habe der WDR eine Zusammenarbeit mit El-Hassan endgültig ausgeschlossen. "Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden", heißt es in der Begründung des Senders. Die Vorwürfe der Journalistin bezeichnete der WDR als "unsinnig". Der Sender habe "sorgfältig und umfangreich beraten, weil die Verantwortlichen den beruflichen Weg der jungen Journalistin nicht leichtfertig behindern, sondern ihr eine Chance geben wollten", heißt es dazu aus Köln.

Antisemitismus-Vorwurf Grund für WDR-Entscheidung

Kurz nach der Ankündigung, El-Hassan solle künftig das Format "Quarks" moderieren, wurde ihr Antisemitismus vorgeworfen, aufgrund einer angeblichen Teilnahme an einer Al-Kuds-Demo und dem Liken von israelkritischen Posts im Netz. Darauf reagierte der WDR prompt und entzog ihr den Moderationsjob wieder.

In ihrem Gastbeitrag in der "Berliner Zeitung" beruft sich El-Hassan auf ihre "palästinensischen Wurzeln". Sie schreibt: "Die Reaktion des WDR zeigt exemplarisch, dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land". Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Beitrags zog der WDR dann offensichtlich einen Schlussstrich und wird die Journalistin wohl nicht weiter beschäftigen.

"Hat von Beginn an Vertrauensverhältnis belastet"

Ausschlaggebend für die Entscheidung des WDR sei, so der Sender, El-Hassans "Verhalten in den sozialen Netzwerken und der Umgang damit gegenüber dem WDR." Relevante Informationen, wie das Löschen von Likes, habe der Sender erst aus den Medien erfahren. Und dies, "obwohl er mit Nemi El-Hassan im intensiven Austausch war." Der Sender schrieb weiter, dass dies "von Beginn an das Vertrauensverhältnis belastet" habe.

(lc)

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