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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine Lockdown-Verschärfung für alternativlos. Bild: screenshot zdf

"Markus Lanz": Journalist fällt Lauterbach ins Wort – der kontert

Wer zu Beginn dieser "Markus Lanz"-Sendung an ein Déjà-vu glaubte, der fühlte dies nicht unbegründet. Ja, diese Runde gab es in genau dieser Konstellation schon einmal: SPD-Politiker Karl Lauterbach saß neben Medizinethikerin Prof. Alena Buyx. Daneben fanden sich Ärztin Dr. Lisa Federle und Journalist Heribert Prantl.

Und auch diesmal, nach genau einem Monat, ging es wieder hoch her bei "Markus Lanz" – ganz besonders zwischen den zwei Herren in der Runde. Nachdem Autor Heribert Prantl den Epidemiologien Karl Lauterbach erneut scharf für dessen Ansichten zur Corona-Politik kritisierte, schoss dieser diesmal mit einer provokanten Frage zurück.

Das waren die Gäste bei „Markus Lanz“ am 24. Februar 2021:

Heribert Prantl: "Das bringt die Leute zurecht auf"

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Bild: screenshot zdf

Bereits vor einem Monat machte der Jurist und Autor Heribert Prantl seine Position klar: Die Corona-Politik sei zu kompliziert und die Einschränkungen im Lockdown gingen zu weit. "Es ist kein roter Faden drin in der Geschichte und das bringt die Leute auf – und es bringt sie zurecht auf", erklärte der 67-Jährige am Mittwochabend.

Prantl gab außerdem klar zu verstehen: "Ich glaube nicht, dass die Beschlüsse, die jetzt getroffen wurden, richtig sind." Statt den Menschen Hoffnung zu geben, greife die Bundesregierung wie schon vor einem Jahr zur einzigen Maßnahme, dem Lockdown.

"Markus Lanz": Karl Lauterbach kontert Prantl

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Diese Besetzung gab es bei "Markus Lanz" vor genau einem Jahr schon einmal. Bild: screenshot zdf

Und auch Karl Lauterbach blieb seiner Position von vor einem Monat treu. Er verteidigte die Strategie der Bundesregierung als wirksam und forderte ein noch strengeres Vorgehen, um die dritte Welle in der Pandemie in den Griff zu bekommen.

Seinem Gegenspieler Prantl warf Lauterbach erneut vor: "Die Analyse ist einfach nicht komplex genug." Die Maßnahmen gegen das Virus seien keinesfalls die gleichen wie vor einem Jahr. Mit dem Corona-Virus und der Mutation hätten sich auch die Maßnahmen verändert.

Anders als noch vor einem Monat jedoch ließ der SPD-Politiker und Epidemiologe sich diesmal nicht von Heribert Prantl so einfach laut in die Schranken weisen. Als dieser versuchte, ihm ins Wort zu fallen, konterte Lauterbach:

"Ich will einfach mit ein paar Sätzen sagen, was wir gedacht haben. Danach können Sie dann erläutern, wieso alles falsch ist."

Nach seiner Erklärung über die momentane Entwicklung der Virus-Mutation und deren Gefahr nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher zu sein, fragte Lauterbach Prantl provokant: "Was wäre denn Ihr konkreter Gegenvorschlag?" Mit der Antwort, Prantl hätte "weniger generalisierend" entschieden, wollte der Epidemiologe sich nicht zufriedengeben.

Lauterbach hakte nach: "Das ist ja jetzt sehr metaphorisch. Wirklich konkret. Was wäre die Alternative zu dem Shutdown gewesen?" Diese von ihm geforderte konkrete Antwort jedoch hatte Heribert Prantl nicht parat. Dieser entgegnete: "Ich will keine bundesweiten Regelungen. Ich will lokalisierte Regelungen."

Alena Buyx äußert ethische Bedenken an den Corona-Maßnahmen

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Prof. Alena Buyx ist Medizinethikerin und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Bild: screenshot zdf

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Prof. Alena Buyx, nahm erneut eine Vermittlerrolle ein. Sie widersprach Prantl in seiner Aussage, die Politik hätte die Zustimmung für die Durchsetzung der Corona-Maßnahmen verloren.

Sie äußerte auch bedenken an der Strategie der Bundesregierung. Diese spreche den Bürgern zu wenig Eigenverantwortung zu: "Dieses Gefühl, nicht machtlos auf irgendwelche Entscheidungen zu warten, das ist aus meiner Sicht eine der großen Baustellen, die wir haben."

Auch laut Karl Lauterbach sei es richtig, die Menschen bekämen das Gefühl, sie sind selbstwirksam. Dennoch gelte: "Für mich ist es aber mindestens genauso wichtig, dass das, was ich tue, auch tatsächlich wirkt." Ein Lockdown mit Öffnungs-Versprechungen wie vor wenigen Wochen beschlossen gehöre dazu nicht.

Um die Mutation abzufangen müsse man härter eingehen. "Sonst klappt es leider nicht", befand der SPD-Politiker.

Alles beim Alten also, ließe sich diese "Markus Lanz"-Sendung kurz zusammenfassen. Moderator Markus Lanz zeigte sich begeistert von der Neuauflage dieser Streitrunde in gleicher Besetzung und kündigte gleich eine regelmäßige Wiederholung an. Der Mehrwert einer solch neuen Tradition hat sich beim Zuschauen jedoch nicht gezeigt.

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