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Harvey Weinstein kommt am New Yorker Supreme Court an. Bild: dpa/Tayfun Coskun

Weinstein-Prozess: 80 Frauen werfen ihm Missbrauch vor – nur zwei Fälle kommen zur Anklage

Mehr als zwei Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Harvey Weinstein startet am Montag der Prozess gegen den früheren Hollywood-Mogul am Obersten Gericht des Bundesstaates New York. Doch der Mammut-Prozess hat seine Tücken: So muss Richter James Burke zunächst eine Jury auswählen, was bei so einem schlagzeilenträchtigen Prozess mehrere Tage dauern kann – einige Beobachter gehen sogar von bis zu zwei Wochen aus.

Mehr als 80 Frauen, darunter Hollywood-Stars wie Angelina Jolie, Ashley Judd, Uma Thurman oder Salma Hayek, haben Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Viele von ihnen werden als Zuschauer im Gericht erwartet. Der Prozess, der mehrere Wochen dauern könnte, dreht sich aber nur um die Vorwürfe von zwei Frauen.

Warum wird Weinstein nur in zwei Fällen angeklagt?

Der Anklage zufolge soll Weinstein Mimi Haleyi, eine damalige Angestellte seiner Produktionsfirma, 2006 in seiner New Yorker Wohnung zum Oralverkehr gezwungen haben. Eine zweite, nicht identifizierte Frau, mit der er eine längere Beziehung unterhalten habe, habe er 2013 in einem Hotelzimmer in Manhattan vergewaltigt.

Weinstein wurde allerdings von Dutzenden Frauen des Missbrauchs beschuldigt. 2006 wurden Verjährungsfristen für Vergewaltigung und andere Sexualdelikte im US-Bundesstaat New York zwar aufgehoben, allerdings nur für Taten, die sich nach dem Jahr 2001 ereigneten. Viele andere Übergriffe sind daher mittlerweile verjährt.

Wie geht die Staatsanwaltschaft in der Beweisaufnahme vor?

Die Staatsanwälte müssen juristisch beweisen, dass Weinstein sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht habe. Der 67-Jährige hat immer wieder betont, jegliche Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

Warum ist Weinsteins Anwältin so umstritten?

 NEW YORK, NY - July 11: Donna Rotunno, part of the new legal team for Harvey Weinstein, holds press conference at Supreme Court in New York City on July 11, 2019. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xRWx

Bild: imago images

Weinsteins Prozess steht stellvertretend für die gesamte "MeToo"-Debatte – vor Gericht wird er ausgerechnet von einer Frau vertreten: Donna Rotunno ist Expertin in Sexualdelikten, vertrat rund 40 Männer, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden und gilt im Saal als "Bulldogge".

Zynisch: Im Interview mit dem "Wall Street Journal" stellte sie die These auf, Frauen seien für die Entscheidungen, die sie treffen, "selbst verantwortlich" – ein indirekter Schlag ins Gesicht für Weinsteins mutmaßliche Opfer. Zu den beiden Frauen, deren Fälle im New Yorker Gericht zur Verhandlung stehen, sagte sie im CBS-Interview, dass sie stark daran glaube, "Beweise zu haben, die ihn [Weinstein] entlasten werden".

Wer könnte Harvey Weinstein schwer belasten?

Als Zeugin der Anklage ist unter anderem auch "Sopranos"-Schauspielerin Annabella Sciorra geladen, die Weinstein beschuldigt, sie 1994 vergewaltigt zu haben. Diese Vorwürfe sind verjährt, könnten aber helfen, ein Verhaltensmuster nachzuweisen.

NEW YORK, NY - DECEMBER 09: People carry signs addressing the issue of sexual harassment at a #MeToo rally outside of Trump International Hotel on December 9, 2017 in New York City. (Photo by Stephanie Keith/Getty Images)

"MeToo"-Protestler demonstrieren Ende 2017 in New York. Bild: Getty Images North America

Die Anschuldigungen gegen Weinstein, im Herbst 2017 von der "New York Times" und dem Magazin "New Yorker" veröffentlicht und später mit dem Pulitzer-Preis gekrönt, traten die "MeToo"-Bewegung los. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort "Metoo" zu sammeln. Das Spektrum reichte von blöden Sprüchen, unflätigem Verhalten über Machtmissbrauch bis hin zu jahrelanger Gewalt.

"MeToo"-Bewegung und Missbrauch: Wer wurde bis dato verurteilt?

Aus dem Internet erwuchs daraus zusammen mit der Kampagne "TimesUp" eine mächtige Bewegung gegen Machtmissbrauch, gegen Gewalt gegen Frauen und für Gleichberechtigung. Ihre Ausläufer erreichten die letzten Winkel vieler Branchen und Gesellschaften, zahlreiche auch berühmte Menschen verloren ihre Jobs – wie etwa der Comedian Louis C.K. oder der Schauspieler Kevin Spacey.

Als einziger Verurteilter der "MeToo"-Ära gilt bisher Entertainer Bill Cosby, der seit 2018 wegen sexueller Nötigung im Gefängnis sitzt. Die öffentlichen Vorwürfe gegen ihn begannen allerdings schon Jahre vor dem Skandal um Weinstein.

(dpa/ab)

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