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Comeback mit Fanfaren: Oliver Welke kehrte mit der "Heute-Show" furios aus der Sommerpause zurück. Bild: screenshot zdf

"Die Kanzlerin war's": Oliver Welke deckt Nawalny-Fall auf

Jürgen Winzer, teleschau

"Elende Nato-Matratze, die ich bin!" Oliver Welke sprühte bei der Rückkehr der "Heute-Show" aus der Sommerpause vor Energie, boshaftem Witz und Selbstironie. Beim furiosen Comeback blieb das Lachen manches Mal im Hals stecken.

"Kack 2020!", waren Oliver Welkes erste Worte nach der Sommerpause, und das publikumsfreie Studio der Satire-Show blieb der einzige Pandemiebezug in der "ersten komplett coronafreien Sendung seit Februar", so Welke. Der "Heute-Show"-Moderator und sein Team hatten trotzdem während der Ferien reichlich Themen gefunden, an denen sie sich satirisch abarbeiten konnten.

Die bissigen Gags kamen trommelfeuergleich und streiften Angela Merkels Besuch in Bayern ("Markus Söder empfing seine Vormieterin im Kanzleramt in Bayern"), die Lobby-Affäre um Philipp Amthor ("Tierischer Ärger für einen CDU-Schülerpraktikanten wegen eines Ferienjobs") und den Tönnies-Skandal ("Mein Heimatkreis Gütersloh hat's erstmals in die Weltpresse geschafft!").

Lösung des Nawalny-Rätsels: Die Kanzlerin hat ihn mit Spaghetti Bolognese vergiftet!

Für die Prüfung des Falls Nawalny wurden personell schwerste Geschütze aufgefahren. "Sherlock Olli" ("Das System Putin ist menschenverachtend") brütete über dem Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen und kombinierte dank der "Beweise" des russischen Staatsfernsehens messerscharf, wie es zur Vergiftung kam: "Bei Cluedo würde es heißen: Die Kanzlerin war's, im Kanzleramt, mit Spaghetti Bolognese!" Denn das ist die Lieblingsspeise von Angela Merkel.

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Wahrlich vergiftete Atmosphäre: Hat am Ende nicht Putin, sondern Kanzlerin Merkel den russischen Oppositionellen Nawalny vergiftet? Naa? Bild: screenshot zdf

Auch Mandy Hausten (Martina Hill) kam als Nachrichtensprecherin in einer zündenden Persiflage auf die DDR-Sendung "Aktuelle Kamera" zu dem Schluss, dass Putin nichts mit der Vergiftung Nawalnys zu tun haben könne. Die Indizien zeigten vielmehr klar: Die USA wollten Alexej Nawalny mithilfe des BND umbringen! Putin sei schuldlos und sowieso total lieb. Der unterstütze mit seinen Geldern "in Not geratene deutsche Senioren wie diesen völlig verwahrlosten Rentner aus Hannover", berichtete Mandy zum Bild von Gerhard Schröder!

"In Deutschland nicht kriminell zu sein, ist schlicht blöd"

Verwahrlost könnte auch der Zustand der Kontrollmechanismen im Wirecrad-Skandal sein. Denn: "Alle Instanzen haben versagt!" Welke warf der Kanzlerin vor, dass sie sich von ihrem Freund Karl-Theodor zu Guttenberg ("Der macht's mit allen, Freunde nennen ihn schon Karl-Theodor zu Nuttenberg!") in die Wirecard-Misere habe "reinlabern" lassen. Wirtschaftsprüfer hätten ebenso versagt wie der Aufsichtsrat: "Da sitzen abgehalfterte Ex-Manager und Ex-Politiker und irgendeine Alibi-Gewerkschaftstussi und essen Kekse und kriegen dafür sehr, sehr viel Geld."

Für die Reaktionen der Aufsichtsbehörde Bafin (laut "Heute-Show" die "Bundesanstalt für irgendwie nichts") gab es mehr Verständnis. Es kam raus, dass Bafin-Mitarbeiter mit keiner Aktie so häufig handelten wie mit der Wirecard-Aktie. Und wer wolle schon sein eigenes Depot ruinieren? Kurz, so Welke: "Mannesmann, Deutsche Bank, Siemens, VW, Wirecard – Ist Deutschland ein Paradies für kriminelle Firmen?"

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Im Wirecard-Skandal haben alle versagt. Auch, so Oliver Welke, die Bafin, bei der heute-show übersetzt mit "Bundesanstalt für irgendwie nichts". Bild: screenshot zdf

Korrespondent Ulrich von Heesen (Dietrich Hollinderbäumer) ging noch einen Schritt weiter: "In diesem Land nicht kriminell zu sein, ist schlicht blöd." Er will es selbst probieren, gründet eine Porno-Seite und will, dass die Kanzlerin diese protegiert. Warum sollte die, so Welke, von Dr. Angela Merkel unterstützt werden? "Pff, hat sie bei Wirecard doch auch gemacht."

"Das große Schwein ist und bleibt der Mensch!"

Auch die Natur kam zu ihrem Recht. Zunächst der Hype um das "Gold der Zukunft", den immer knapper werdenden Rohstoff Wasser. Denn jetzt, wo es sogar heißt, dass man vielleicht bald keine Swimmingpools mehr füllen, keine Golfrasen und Gärten bewässern und Autos waschen könne – jetzt würde es wirklich schlimm.

Angesichts der Tatsache, dass der offizielle Dürremonitor die Gegenden Deutschlands als besonders ausgetrocknet ausweise, in denen es bei den letzten Europawahlen die meisten AfD-Wähler gab, stellte Welke die These auf:

"Herrscht da, wo Dürre ist, auch geistige Dürre? Und: Will Gott uns damit etwas sagen?"

Show eins nach der Sommerpause endete schließlich mit einer fast märchenhaften Erzählung. Dietmar Wischmeyer präsentierte "Julia Klöckners Tierleben" und erzählte daraus vom Wirken der Bundesministerin. Die wolle zwar das Kükenschreddern abschaffen, sorge aber per Gesetz dafür, dass das tierquälerische Halten von Schweinen in Kastenständen noch weitere acht Jahre andauern soll. Wischmeyer hatte Mitleid: "Und das, wo doch Schweine intelligent sind und so aussehen wie die meisten von uns: also rosa, übergewichtig und kleiner Ringelschwanz."

Sein Fazit und durchaus kein unwahres Schlusswort einer rasanten Comeback-"Heute-Show":

"Das größte Schwein ist und bleibt der Mensch!"

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