Daniel Hartwich und Sonja Zietlow führten 2021 durch die "Dschungelshow".
Daniel Hartwich und Sonja Zietlow führten 2021 durch die "Dschungelshow".
Bild: dpa / Henning Kaiser

Peinlich: RTL hat die "Dschungelshow" offenbar komplett aufgegeben

31.01.2021, 15:5931.01.2021, 15:58

Es sollte die Fans des Dschungelcamps trotz Pandemie entschädigen: RTL drehte das beliebte Format 2021 nicht wie üblich in Australien, sondern in TV-Studios in Hürth. Große Skandale und Konfrontationen blieben aber aus, unter anderem auch, weil die 12 Kandidaten in Dreiergruppen in ein Tiny House gesteckt wurden und dort im Grunde genommen lebten wie in einer etwas schlichteren Jugendherberge. Kein Vergleich mit dem echten Urwald Down Under.

Doch wer dachte, dass die vier Vorrunden mit den größtenteils unbekannten Kandidaten schon der Höhepunkt der Langeweile waren, der wird im ersten Halbfinale der "Dschungelshow" eines Besseren belehrt: RTL scheint nun überhaupt nicht mehr an den Dschungel-Ersatz zu glauben.

"Dschungelshow"-Halbfinale startet mit Rückblicken

Die Ausgabe fing bereits mit einer Enttäuschung für das noch immer hartnäckig treue Publikum an, denn selbst die kleineren Strapazen des Zusammenlebens im 18 Quadratmeter großen Tiny House sind im Halbfinale endgültig vorbei. In der aktuellen Ausgabe kommen Zoé Saip, Mike Heiter, Lars Tönsfeuerborn und Lydia Kelovitz lediglich mit Abstand ins TV-Studio zum Absolvieren der Dschungeltauglichkeitsprüfung und zum anschließenden Interview – dass die Halbfinalisten Abstand halten sollten, wurde schon zuvor befürchtet, immerhin befanden sie sich vorher nicht in Quarantäne.

Mittlerweile geht die Sendung auch nicht mehr knapp zwei Stunden, sondern nur noch eine und die wenige Sendezeit nutzte RTL zunächst für Rückblicke auf die vier Vorrunden. Ein Großteil der Zuschauer hatte die größtenteils ereignisarmen Tage allerdings noch gut in Erinnerung:

Noch nie war eine Dschungelprüfung so unspektakulär

Die größte Enttäuschung, die schon an eine Frechheit grenzt, dürfte allerdings die Dschungeltauglichkeitsprüfung sein: Die Kandidaten klettern dafür auf ein Gerüst, das direkt aus dem Parkour von "Ninja Warrior" ausgeliehen worden sein könnte – die Sendung wird praktischerweise im Studio nebenan aufgezeichnet.

In mittelmäßig imposanten 14 Metern Höhe angekommen, müssen Zoé, Lars, Mike und Lydia erst auf einem Stuhl Platz nehmen, der auf einer Drehscheibe steht und kurz routiert. Anschließend sollen die Halbfinalisten "in schwindelerregender Höhe über eine schmale Plexiglas-Planke laufen und unterwegs Sterne einsammeln", wie der Kölner Sender in einer Pressemitteilung vorab ankündigte.

Das Problem: Das stellt keine Herausforderung für die Promis dar. Alle trauen sich, mal eben fix über die Planke zu laufen. Dass das recht einfach werden könnte, damit rechnete wohl auch die Produktion, immerhin gewinnt nicht nur derjenige, der am meisten Sterne einsammelt, sondern auch, wer das am schnellsten schafft.

Lars Tönsfeuerborn begutachtet die Plexiglas-Planke während der Dschungeltauglichkeitsprüfung.
Lars Tönsfeuerborn begutachtet die Plexiglas-Planke während der Dschungeltauglichkeitsprüfung.
Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Selbst Mike, der von sich behauptet, an Höhenangst zu leiden, meistert die Dschungeltauglichkeitsprüfung. "Das war so hoch, da hat man sich gefühlt, wie der König von Deutschland", zieht der ehemalige Castingshow-Kandidat ein gewohnt unbescheidenes Fazit. Am Ende ist er mit 13 Sekunden der Sieger.

Der größte Witz: RTL traut sich trotz aller Kritik auch noch, im zweiten Halbfinale am Donnerstag fast dieselbe Prüfung anzubieten. Die restlichen vier Kandidaten müssen dann über ein Laufband statt über eine Planke laufen.

Im ersten Halbfinale ist schließlich mit Lucas Cordalis der Sohn des ersten Dschungelkönigs, Costa Cordalis, zu Gast und verkündet zögerlich, 2022 selbst am Dschungelcamp teilzunehmen. Ob er sich die Zusage in diesem Moment wohl noch einmal durch den Kopf gehen lassen hat?

Ein würdiger Ersatz ist die "Dschungelshow" für das echte Camp von Anfang an nicht. Aber eins steht wohl nach dem Eindruck des extrem günstig produzierten Halbfinales fest: Gerecht wird das, was RTL da zeigt, der Tradition des Fernseh-Ereignisses in keinster Weise. Und das denkt offenbar nicht nur das Publikum, sondern auch die Produktion selbst.

(cfl)

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