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Oliver Welke witzelte in der "heute-show" über Trump, Merkel, Scheuer – und ein bisschen über den Wendler. bild: screenshot zdf

Einen Witz über den Wendler kann sich Welke dann doch nicht verkneifen

Jürgen Winzer

Bei Satire darf einem gerne mal das Lachen im Halse stecken bleiben: Wenn's danach geht, leistete die "heute-show" (ZDF) am Freitagabend ganze Arbeit. Ein Vergleich von Donald Trump mit Schlagerstar Rex Gildo sowie Kreuzfahrtwerbung mit alter Nazi-Organisation – man durfte sich zumindest kräftig räuspern. Und ein kleiner Wendler-Spruch musste schließlich doch sein... Aber von vorne.

Ja, Donald Trump, der - so Moderator Oliver Welke – "das Corona-Virus nach eigener Meinung beziehungsweise Wahnvorstellung bezwungen" hat, tut alles, um Angriffsfläche für Ironie, Satire, Zynismus oder hilflosen Galgenhumor zu bieten. Aber zu behaupten, "Sie schminken ihn schon wie Rex Gildo im Endstadium"? Das hat der 1999 tragisch verstorbene Ludwig Franz Hirtreiter ("Hossa!") echt nicht verdient.

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Musste das sein? Eine Pointe in der "heute-show" (ZDF) zu Donald Trumps kosmetikgegerbtes Gesicht entstand auf Kosten des tragisch verstorbenen Schlagerstars Rex Gildo. bild: screenshot zdf

Auch der Nachsatz "Ist Orangefacing eigentlich noch erlaubt" sollte wegen des vermeintlichen Hangs beider Personen zu Sonnenbank und beschönigendem Make-up witzig sein, ist angesichts der globalen Diskussion um die rassistische Basis des "Blackfacings" allerdings eher geschmacklos. Aber gut, das ist Donald Trump ja auch…

Stößt sauer auf: Witz um Nazi-Organisation "Kraft durch Freude"

Auch die Werbung für Kreuzfahrtbuchungen ("Kreuzfahrten - Urlaub aus der Hölle") bei "Sonnenklaro TV" war starker Tobak. Da schilderte Tina Hausten (Martina Hill) das Schippern übers Meer in den schönsten Farben ("Warum denn andere Kulturen kennenlernen, wenn man auch mit 5.000 anderen Deutschen Schneisen ins Buffet fressen kann?"). An Bord werde Freude bereitet - und "Freude, das ist doch etwas Schönes.

'Kraft durch Freude' war schon das Motto der deutschen Kreuzfahrten in den 30-ern." Eine Anspielung auf die 1933 gegründete gleichnamige Freizeitorganisation der Nationalsozialisten, die neben Nähkursen, Gymnastik und "bunten Abenden" tatsächlich auch die Kreuzfahrtschiffe "Wilhelm Gustloff", "Der Deutsche", "Dresden" und "Robert Ley" im Angebot hatte.

Ausgangspunkt zum Blick auf die Kreuzfahrtbranche war die Tatsache, dass die staatliche deutsche KfW-Bank auch ausländischen Reedereien Kredite in Höhe von 25 Milliarden Euro gewährt habe, damit die bei deutschen Werften neue Schiffe bestellten – Schiffe, die die schon vor der Coronakrise darbende Branche nicht brauche (Welke: "Klassischer Fall von Blase").

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Tina Hausten (Martina Hill) warb für Kreuzfahrten auch in Corona-Zeiten. Da werde Freude generiert. Und schließlich: "'Kraft durch Freude' war schon das Motto der Kreuzfahrten der Deutschen in den 30er-Jahren." bild: screenshot zdf

Welkes Fazit: "Wir müssen jetzt alle trotz Corona Kreuzfahrten buchen!" Nur so könne das leicht abgewandelte legendäre Bonmot von Kanzlerin Merkel noch wahr werden: "Wir schiffen das!"

"Covid hat die letzten Reste von Empathie aus Trumps Hirn gespült"

"Geschifft" hat es, um im Tenor zu bleiben, bereits Donald Trump. Dem "Corona-Bezwinger geht's Bombe" (Welke). Gelernt - zum Beispiel Demut - habe er aus seiner Erkrankung nichts.

"Wie kann man den Amerikanern zurufen 'Keine Angst vor Corona!', wenn über 210.000 von ihnen schon gestorben sind"? Welkes Fazit: "Covid hat offensichtlich die letzten kümmerlichen Reste von Empathie aus seiner Rübe rausgespült."

Dass er allen US-Senioren dieselbe Behandlung versprach, wie sie ihm zuteil wurde, muss zynischer gewertet werden, als es die "heute-show" je wird sein können: Alle US-Kranken per Hubschrauber ins beste Krankenhaus, wo sich mindestens fünf Ärzte rund um die Uhr um sie kümmern und mit neuesten Medikamenten versorgen - und alles umsonst? Wie soll das gehen, wenn gleichzeitig die letzten Reste von "Obama-Care" verschwinden sollen und demnächst weitere 20 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung dastehen?

Mitschuld am Leid der Amerikaner sei ihr Wahlsystem, dass es möglich machte, dass Trump 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, obwohl er 3 Millionen Stimmen weniger als Clinton hatte. Das Wahlsystem müsse geändert werden, empfahlen Welke und Christian Ehring dringend. "Was ihr da macht, das ist, als wenn in Deutschland der Vorsitzende einer regionalen Splitterpartei am Ende Bundeskanzler wird." Und Markus Söder (CSU) rückte per Grafik ins Bild. Köstlich.

Einen Witz über den Wendler kann sich Welke dann doch nicht verkneifen

Innerdeutsch nimmt die Corona-Diskussion wieder Fahrt auf. Untrügliches Zeichen dafür, so Welke, sei, "wenn sogar besonnene Intellektuelle wie der Wendler durchdrehen."

Die "heute-show" verzichtete an diese Stelle auf eine fiese Fotomontage, auch Moderator Welke schien das Lachen an dieser Stelle im Halse stecken zu bleiben. Verständlich. Der überraschende Sinneswandel des Schlagersängers taugte zwar in den sozialen Medien schon für allerlei böse Witzchen, aber angesichts des dahintersteckenden, beunruhigenden Trends, dass immer mehr Promis gerade Verschwörungsmythen zu verfallen scheinen, kann einem das Lachen auch vergehen.

Welke beglückwünschte im Anschluss alle Festangestellten, die von der Verlängerung des Kurzarbeitergeldes profitieren, mahnte aber: "Für die 2,2 Millionen Soloselbständigen läuft's leider nicht so doll. Viele von denen rutschen in Hartz IV ab."

Die bekämen zwar warme Worte von der Kanzlerin ("Wie wichtig Sie für uns sind!"), aber keine Soforthilfe. Welke: "Warum macht man's nicht einfach wie beim Kurzarbeitergeld: Einfach 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens als staatliche Hilfe?" Stattdessen gäbe es "Kalendersprüche" von ganz oben. "Die Familien werden wieder feiern", sagte Merkel, "was für eine Freude wird das sein!"

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"Die Familien werden wieder feiern", sagte Merkel. Welke sagt: "Was für eine Freude, wenn Angela endlich wieder durch die Clubs zieht, voll zugedröhnt auf der Tanzfläche, die kleine Partymaus." bild: screenshot zdf

Welke dazu süffisant: "Was für eine Freude wird das sein, wenn die Kanzlerin endlich wieder durch die Clubs zieht, voll gedröhnt auf der Tanzfläche, die kleine Partymaus."

Die Gräben laufen nicht an der Zonengrenze, sondern zwischen Alt und Jung

Schließlich widmete sich Oliver Welke der Frage, die "mir selber schon aus sämtlichen Körperöffnungen raushängt: Warum, zum Henker, ist Andreas Scheuer immer noch im Amt?"

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Klare Frage von Oliver Welke: "Warum, zum Henker, ist Andreas Scheuer immer noch im Amt?" bild: screenshot zdf

Nach dem erneuten Trauerspiel, das der Verkehrsminister (Welke: "Ich nenne ihn nur noch liebevoll 'unser Flunkermariechen'. Er lügt nicht, er sagt nur das Gegenteil der Wahrheit.") im Showdown mit zwei Maut-Betreiber-Firmen im Untersuchungsausschuss bot, fragte sich Welke, warum die SPD da nicht mehr Druck auf den Koalitionspartner mache. Und gab seine Antwort gleich hinterher: Es heiße, es gebe einen "Nichtangriffspakt: Die Sozen halten die Füße still in Sachen Scheuer, dafür bohrt die Union nicht groß nach bei Olaf Scholz."

Welke kehrte fast appellierend an den Ausgangspunkt zurück: "Kann die Frau Merkel den Andi nicht einfach entlassen?" Aber: Angeblich suche die CSU bereits einen potenziellen Nachfolger. Erbetenes Bewerberprofil: "Du bist jung, eitel, hast Führerschein Klasse 3 und deinen Doktortitel an irgendeiner Witz-Uni gekauft? Kannst dieselben Fehler immer wieder machen, klammerst dich an dein Amt, kannst Zahlen fälschen und dir geht viel am Arsch vorbei? Dann bewirb dich!" Auf geht's, zum Ministercasting!

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