Moderator Oliver Welke kritisierte die mangelnde Vorbereitung auf den Coronavirus-Ausbruch in Deutschland: Es sei peinlich, dass es an grundlegender Ausstattung fehle.
Moderator Oliver Welke kritisierte die mangelnde Vorbereitung auf den Coronavirus-Ausbruch in Deutschland: Es sei peinlich, dass es an grundlegender Ausstattung fehle.
Bild: screenshot/zdf

"Heute-Show" zur Corona-Krise: Welke knöpft sich die Bundesregierung vor

28.03.2020, 20:16

Vor leeren Rängen reißt Oliver Welke am Freitagabend im ZDF seine Corona-Witze. Der Virus-Ausbruch hat auch bei der "Heute-Show" dafür gesorgt, dass die Sendung ohne Publikum stattfindet.

Und natürlich ist Corona das große Thema der Satire-Show. Welke macht sich lustig über den dauer-präsenten Markus Söder, über Donald Trump – besonders aber knöpft er sich den Mangel an Ausstattung im deutschen Gesundheitssystem vor.

"Es mangelt an Medizin-Technik, aber vor allem an Schutzkleidung, an Atemmasken", sagt Welke. Dabei sei Gesundheitsminister Jens Spahn schon Anfang Februar von Großhändlern genau davor gewarnt worden. Anschließend zeigt die "Heute-Show" einen Bericht über den Landkreis Heinsberg. In der schwer vom Coronavirus getroffenen Region schrieb der Landrat einen Brief an die chinesische Regierung und bat um Atemschutzmasken.

"Man kann es ihnen wirklich nicht verübeln", sagt Welke. "Deutschland scheitert hier bei den Atemschutzmasken nicht an High-Tech, sondern an einem Einwegprodukt. Das ist peinlich." Jetzt noch Masken zu bekommen, sei Glückssache. Genauso dramatisch sei die Situation bei Desinfektionsmitteln.

"Auch die Tatsache, dass viele unserer Medikamente in China oder Indien produziert werden, fällt uns jetzt auf die Füße", erklärt Welke. In der Sendung ist dann die sarkastische Aussage der Pharmazeutin Ulrike Holzgrabe von der Uni Würzburg zu sehen. Sie sagt: "Die Chinesen brauchen gar keine Atombombe, sie liefern einfach keine Antibiotika. Dann erledigt sich Europa von allein."

"Leider hat sie total recht", kommentiert Welke die "Gute-Laune-Oma von der Uni Würzburg".

"Heute-Show": Das kaputt gesparte Gesundheitswesen

Besonders deutliche Kritik übt Welke dann an Einsparungen im Gesundheitssystem in der Vergangenheit: "Im Gesundheitssystem ist schon genügend Geld, es wird nur falsch ausgegeben." Er nennt mangelnde Pflegekräfte als Beispiel. Oder die Bezahlungen der Ärzte pro Fall, nach der sich Knie-Operationen mehr rechneten als andere Eingriffe.

Bild: zdf

Aber bekommen Pflegekräfte jetzt in der Krise nicht mehr Anerkennung? "Großartig, sehr gute Geste", sagt Welke über die Standing Ovations im Bundestag für die Krankenschwestern im Land in dieser Woche. Die Grünen forderten zwar mehr Geld für die Pflegekräfte. Aber, so Welke ironisch: "Klatschen ist auch gut."

Auch im Rest der Bundesrepublik wird nun auf den Balkonen für das Personal im Krankenhaus geklatscht. Dafür hat Welke nur Spott übrig: "Die meisten von uns haben sich nie dafür eingesetzt, dass Pflegeberufe bessere Arbeitsbedingungen oder mehr Geld kriegen."

Auf die Spitze treibt die "Heute-Show" diese Attacke mit einem Einspieler: "Welche Währung ist besser als Applaus?", heißt es darin. Daher spende die GroKo jetzt auch sieben Milliarden Euro für neue Balkone. "Wir retten unser Gesundheitssystem mit mehr Balkonen. Gern geschehen, Ihre Bundesregierung."

"Heute-Show": Diese Corona-Folgen werden übersehen

Welke leitet über zur neuen Rubrik: "Corona-Folgen, über die man aber auch mal reden könnte." Er spricht über Tafeln, die nun ihren Dienst einstellen müssen. Oder Lastwagenfahrer, die jetzt keine offene Raststätte mehr finden. Oder die Situation von Obdachlosen in Zeiten von Ausgangssperren.

bild: screenshot

"Die Regierung sagt, wir sollen zu Hause bleiben. Aber wir haben kein zu Hause", ist in einem Einspieler ein Wohnungsloser aus Frankreich zu sehen. "Auch mit Publikum hätte hier niemand gelacht", sagt Welke.

(ll)

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