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Amira und Oliver Pocher sprechen auf Vox über die Schattenseiten von Social Media. Bild: screenshot vox

Oliver Pocher zieht in Vox-Doku bitteres Fazit: "Die ganze Gesprächskultur ist nahezu zerstört"

Seit Beginn der Corona-Pandemie sorgt Comedian Oliver Pocher mit seinem Format der sogenannten "Bildschirmkontrolle" für Gesprächsstoff. Dort zeigt er aus seiner Sicht das Fehlverhalten von Social-Media-Stars auf. In der Show "Gefährlich ehrlich" auf RTL dreht er zusammen mit seiner Frau Amira die Geschichten weiter und macht sie dadurch noch größer. Gerda Lewis, Jörn Schlönvoigt, Dominic und Sarah Harrison, Iris Klein oder Anne Wünsche: Die Liste der Influencer ist lang, über die sich Oliver Pocher bereits gnadenlos lustig gemacht hat.

In der Vox-Doku "Die Macht von Social Media – Wie Influencer unser Leben verändern" kommen nicht nur die Netz-Stars wie Anne Wünsche zu Wort, sondern auch der Comedian, der darlegt, was das große Problem in den sozialen Netzwerken ist und aus welchem Grund sich die Stars und Sternchen mit ihren Accounts massiv angreifbar machen.

Oliver Pocher über den Markt auf Social Media

Zunächst liefert die Doku gigantische Zahlen über den tatsächlichen Einfluss der Social-Media-Stars auf ihre Abonnenten und die Firmen. Was die Influencer bewerben, würden demnach weltweit 4,2 Milliarden Follower kaufen. Allein 500 Millionen Auspack-Videos sollen täglich auf der Welt hochgeladen werden. Dazu kommen 500 Millionen Instagram-Stories. 70 Prozent aller Online-Shopper würden sich auf Social Media informieren, 51 Prozent sollen die Plattformen als Kaufentscheidung nehmen. Eine Milliarde Menschen greifen in ihren Profilen auf Beautyfilter zurück. In diesem riesigen Markt hat Oliver Pocher die perfekte Zielscheibe gefunden, um den Influencern den Spiegel vorzuhalten.

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Oliver Pocher macht seinen Standpunkt klar. Bild: screenshot vox

Der Vater von fünf Kindern sagt nun: "Wenn es nach mir geht, könnte ich auf diese Influencer-Blase komplett verzichten. Es ist ja auch ein unregulierter Markt. Die Leute können einfach hinkommen und jedes Produkt an den Mann bringen. Niemand checkt das." Demnach habe der Social-Media-Hype eher negative als positive Seiten. Der Grund:

"Es werden Schönheitsideale geschaffen, die man nicht erfüllen kann, weil keiner kann so aussehen, wie er mit den ganzen Filtern aussieht. Es werden Berufsbilder geschaffen, wo Hunderttausende daran scheitern werden. Es hat auch zur Vereinsamung geführt. Wir selber erschrecken uns auch regelmäßig über unsere Handynutzungszeiten. Die ganze Gesprächskultur ist nahezu zerstört. Es wird sich nur noch beschimpft. Wer lauter ist, wer mehr Follower oder Leute auf seiner Seite hat, der hat einfach recht. Sehr, sehr viel Negatives ist entstanden."

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In der Show "Gefährlich ehrlich" setzt er sich mit dem Verhalten der Social-Media-Stars auseinander. Bild: screenshot vox

Den Inhalt seines Programms erklärt er so: "Wir beschränken uns ja gar nicht mehr nur auf klassische Fernsehthemen, sondern wir nehmen auch immer mehr diese Influencer-Welt wahr. Es ist einfach so, es gibt ganz viele da draußen, die haben zwei oder drei Millionen Follower. Da sagt vielleicht der normale RTL-Zuschauer, habe ich noch nie gehört, aber die sind bei jüngeren Leuten absolute Megastars." Und weiter:

"Die sind bisher unkommentiert mehr oder weniger durchgekommen und jetzt ist es ganz gut, dass Leute, die eine gewisse Fallhöhe haben, sich auch mal solche Leute zur Brust nehmen."

Amira Pocher spricht über die große Gefahr im Netz

Amira sieht das Ganze so: "Ich finde, das ist genau das Problem, das nicht vielen bewusst ist. Sie haben einfach eine Vorbildfunktion und leben Sachen vor, die junge Menschen niemals einfach so erreichen können. Angefangen vom Schönheitsideal bis hin zum Lifestyle. Jeder hat ein geiles Auto, eine coole Wohnung, es gibt nie schlechte Tage, alle haben super viel Kohle, tolle Reisen, es ist alles immer perfekt. Das ist einfach gefährlich." Es gebe so wenige Leute, die sich noch abheben. "Das ist echt traurig. Deswegen trifft man damit wieder einen Nerv", fasst sie zusammen.

Eine weitere Gefahr kommt laut der 28-Jährigen durch folgenden Punkt hinzu: "Die erfolgreichsten Blogger sind eigentlich Family-Blogger. Sobald du ein Kind vor die Kamera hältst, hast du natürlich auch mehr Zuschauer, mehr Klicks. Das hat fast doppelt so viele Likes, das ist verrückt. Das sehen sie sehr wohl, damit kokettieren sie, damit arbeiten sie und das ist verantwortungslos, weil das Kind keine Entscheidung darüber hat."

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Amira Pocher kritisiert besonders Familien-Blogger. Bild: screenshot vox

Der Comedian betont mit Blick auf sein eigenes Social-Media-Verhalten, dass ganz viele in einer gewissen Art und Weise bei diesem Spiel mitmachen wollen. "Jetzt versuchen ja auch Leute dich zu provozieren, damit du auf die reagierst. Ich kann auch nicht jeden durchbeleidigen, damit der auch ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt." Auf den Einwand, dass er durch das Influencer-Thema allerdings auch Profit aufgrund einer eigenen Fernsehshow geschlagen hat, entgegnet Pocher übrigens: "Selbstverständlich. Na gut, es ist ja mein Job." Amira meint übrigens:

"Er hat die Scheißegal-Haltung. Ich kenne niemanden, dem es so scheißegal ist, wie scheiße ihn die Leute finden."

Oliver Pocher und der Beef mit Anne Wünsche

In der Vergangenheit ist Pocher besonders mit Anne Wünsche aneinandergeraten, sodass der Fall sogar bis vors Gericht ging. In seiner Bildschirmkontrolle polterte er: "Da, wo die Scheiße am Dampfen ist, ist Anne Wünsche meistens nicht weit. Ja, Anne Wünsche, es geht um dich und danach wirst du dir wünschen, dass es dieses Video nie gegeben hätte." In ihrer Story reagierte Anne nach Pochers Kritik an ihrer Person damals folgendermaßen: "Ich muss euch sagen, dass es unheimlich wehtut. Es tut so krass weh, dass ich heulend aufstehe und heulend wieder ins Bett gehe."

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Anne Wünsche wurde für den Dreh zu Hause besucht. Bild: screenshot vox

Die 29-Jährige sagt nun: "Es ist ein nicht gut gesehener Job, aber es ist ein Job. Ein Job, der verdammt viel Spaß macht. Ich glaube, damit kommen ganz viele nicht klar." Sie hätte niemals gedacht, dass sie irgendwann damit ihr Geld verdienen könne und es zum Leben reicht. Ihre 240 Quadratmeter große Penthouse-Wohnung soll übrigens fast 4.000 Euro Miete kosten. Das monatliche Einkommen der Alleinerziehenden sei laut Experteneinschätzung im hohen fünfstelligen Bereich. Auf ihrem Instagram-Account hat sie fast 900.000 Abonnenten.

In der Doku kommt wohl auch zum Leidwesen von Pocher ihre Tochter Miley Melodie zu Wort: "Damit verdient sie auch ihr Geld. Zum Beispiel, wenn sie ein Produkt von Tee zeigt. Das ist ihr Beruf. Ich finde es ganz toll, ich will auch mal so Sachen zeigen. Ich finde das ganz toll, wenn sie Videos aufnimmt." Auf ihrem Profil hat Anne allerdings auch wenig Tabus und wenig Grenzen. Sogar einen Schwangerschaftstest vor laufenden Kameras hat sie bereits gemacht. Immer wieder wird sie angefeindet im Netz:

"Ich kann ehrlich gesagt diese ganzen Menschen nicht verstehen, die die ganze Zeit nur auf fremden Menschen rumhacken, weil sie etwas sehen, was denen nicht gefällt. Das Einfachste ist doch: Klick es weg!"

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Anne Wünsche spricht über Hate im Netz. Bild: screenshot vox

Anne Wünsche wehrt sich gegen Pocher-Vorwürfe: "Unter der Gürtellinie"

Pocher hat sich immer wieder über die Influencerin ausgelassen, anfangs ging es besonders darum, dass sie ihre Kinder vermarkten würde. Später hat er ihr vorgeworfen, dass Follower und Kommentare auf ihrem Account nicht echt seien, sondern gekauft. Bis heute sei die Frage nicht juristisch geklärt, ob er behaupten dürfte, dass sie Fake-Follower gekauft habe. Zum Schluss sagt die Influencerin dazu:

"Ich kann dazu stehen, dass man mich kritisiert und sagt, du zeigst deine Kinder im Internet, das geht nicht, das ist kacke von dir. Dann kann ich dazu stehen, weil ich das mache. Aber wenn du mit einer Lüge kommst, dann ist es eklig, also dann ist es auch unter der Gürtellinie und nicht fair und falsch."

Sie sei auf sich unfassbar stolz, weil sie alles allein erreicht habe. Die einstige Darstellerin von "Berlin – Tag und Nacht" habe von ganz tief unten angefangen. Zu dem Vorwurf der Kindervermarktung sagt sie schließlich: "Ich tue meine Kinder nicht vor die Kamera, um mehr Klicks zu bekommen. Das ist mein Alltag, das sind meine Kinder und die möchte ich auch mal zeigen können. Aber am liebsten ohne, dass man mir das vorwirft. Ich will sie auch nicht komplett raushalten müssen. Ich bin stolz auf meine Kinder, ich zeige sie gerne."

(iger)

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