Jan Josef Liefers und Axel Prahl waren am Sonntag im "Tatort" zu sehen.
Jan Josef Liefers und Axel Prahl waren am Sonntag im "Tatort" zu sehen.
Bild: imago images / Revierfoto

ARD schneidet Szenen mit Jan Josef Liefers aus "Tatort" – nun reagiert der WDR

06.05.2021, 12:32

Am Sonntag zeigte die ARD eine neue "Tatort"-Episode aus Münster. Wie immer mit von der Partie war auch Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Prof. Boerne. Dass die ARD so kurz nach dem Eklat um die Aktion #allesdichtmachen, an der auch Jan Josef Liefers beteiligt war, ausgerechnet einen "Tatort" mit ihm zeigt, war vielleicht nicht die cleverste Idee. Auf Twitter häuften sich zumindest die Kommentare derer, die Filme mit Liefers nicht weiter unterstützen wollen.

Die ARD ließ sich davon aber nicht beirren. Nur eine Sache verwunderte dann doch: Gleich zwei Szenen mit Liefers wurden vor der Ausstrahlung aus der Sendung entfernt. Darauf machte der Schauspieler selbst auf Instagram aufmerksam.

Grund für die Zensur dürfte aber nicht Jan Josef Liefers' Engagement bei #Allesdichtmachen gewesen sein, sondern eher die brisanten Inhalte der Filmszenen.

Jan Josef Liefers zeigt Szene, die es nicht in den "Tatort" schaffte

Bereits einen Tag vor der Ausstrahlung postete Liefers ein kurzes Video aus dem "Tatort" mit dem Titel "Rhythm and Love". In der Episode wandelten die beiden TV-Ermittler Boerne und Thiel auf den Spuren der Hippies und nahmen an verschiedenen Gruppenseminaren mit klangvollen Titeln wie "Sexualität und Tantra" oder "Trommeln und Ekstase" teil. In dem kleinen Video, das es nicht ins TV geschafft hat, tanzt Boerne ekstatisch, nachdem er von einer Gruppenleiterin aufgefordert wurde: "Lass mal das Handy und schüttel dein Hirn aus!"

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Eine Erklärung, warum die Szene wohl nicht im Fernsehen zu sehen war, lieferte Liefers direkt dazu:

"Sie wurde herausgeschnitten, wahrscheinlich wegen der expliziten dance moves."

WDR hält an Liefers fest

Es war allerdings nicht die einzige Szene, die den Zuschauern verwehrt blieb. Am Sonntag postete der Schauspieler noch ein weiteres Video und erklärte dazu: "Weil die Rotwein-Szene beim Drehen leicht ausuferte, musste sie um diesen Teil gekürzt werden. Achtung: Alkohol ist keine Lösung! Fiel Fergnügen nachher..."

Der WDR stellte auf Nachfrage von watson dazu fest, dass "Deleted Scenes im Filmgeschäft Alltag seien, "da stets mehr gedreht wird als dann im fertigen Film vorkommt. Diese Szene ist aus dramaturgischen Gründen nicht in der Fernsehfassung zu sehen".

Trotz der umstrittenen #allesdichtmachen-Kampagne hält der WDR, der für die "Tatort"-Produktion aus Münster verantwortlich ist, an den Stars Prahl und Liefers fest. Es sind sogar sechs weitere Folgen mit den Schauspielern geplant.

Aufregung um weitere gestrichene Szene

Übrigens waren diese zwei Szenen nicht die einzigen, die es am Sonntag nicht in den "Tatort" geschafft haben. Auch der Rechtsmediziner Prof. Michael Tsokos hätte einen Gastauftritt in der Episode gehabt. Doch dieser fiel deutlich kürzer aus als geplant, wie Tsokos recht aufgebracht auf Instagram verkündete.

Tsokos schrieb zu einem Foto vom Set: "Ich spielte den Rechtsmediziner Professor Michael Thomsen, das große Vorbild von Professor Karl-Friedrich Boerne. Ok, es war keine hohe Schauspielkunst und nicht vergleichbar mit den Hauptdarstellern des Münsteraner 'Tatorts', aber das ist nicht der Grund." Der tatsächliche Grund für die radikale Kürzung der Szene sei tatsächlich sein Engagement beim RTL-Streaming-Portal TVNow gewesen.

Dort startet im Mai eine neue Folge der True-Crime-Serie "Obduktion – Echte Fälle mit Tsokos und Liefers", in der er an der Seite von "Tatort"-Star Liefers zu sehen ist. Bereits im Janaur strahlte TVNow die ersten Episoden der Serie aus. Durch eben diese Sendung würde Tsokos "nicht fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen" taugen, erläuterte er die Entscheidung. "Im Ernst, das ist die Begründung! Die mir aber natürlich nicht ins Gesicht gesagt wurde, sondern (feige?) hinten rum kommuniziert wurde", so Tsokos weiter.

Der WDR reagierte bereits auf Tsokos Post und kommentierte seine Behauptungen mit den Worten: "Da wir keine Werbung für TVNow machen wollen und dürfen, haben wir die Szene entsprechend gekürzt."

Tsokos teilte die Reaktion des WDR auf seinem Kanal sogar, rechnete es den Verantwortlichen hoch an, dass sie zu einer offenen Stellungnahme bereit waren.

Warum der Sender der Meinung war, ein Gastauftritt Tsokos im "Tatort" wäre sofort Werbung für den Privatsender RTL und dessen Streaming-Angebot, erklärte eine WDR-Sprecherin gegenüber watson folgendermaßen:

"Lange nach dem Ende der Dreharbeiten für den Münsteraner Tatort 'Rhythm and Love' haben wir erst durch Zufall erfahren, dass Jan Josef Liefers und Michael Tsokos für den RTL-Streamingdienst TVNow in einer gemeinsamen Serie auftreten, bei der die beiden gemeinsam obduzieren und die somit optisch fast das gleiche Umfeld der Rechtsmedizin zeigt wie der Münsteraner 'Tatort'. Dazu wird der von Tsokos gespielte Rechtsmediziner im 'Tatort' permanent 'Koryphäe' genannt, was einen werblichen Effekt zusätzlich unterstützt hätte. Hätten wir im Vorfeld von dieser Überschneidung gewusst, hätten wir die Rolle von Beginn an mit jemand anderem besetzt. Da wir keine Werbung machen wollen und dürfen, haben wir die Szene entsprechend gekürzt."

(jei)

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