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"The European"-Verleger Wolfram Weimer sprach sich bei "Markus Lanz" für einen diplomatische Weg im Ukraine-Krieg aus.Bild: screenshot zdf
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Publizist bei "Markus Lanz": "Die Russen haben den Gas-Krieg eröffnet"

23.06.2022, 07:37

Seit Beginn des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine steht fest: Wir müssen schnellstmöglich unabhängig werden von russischem Gas. Dass Wladimir Putin nun seinerseits die Gaslieferungen an Deutschland um mehr als die Hälfte reduziert versetzte sowohl Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck als auch Finanzminister Christian Lindner in besondere Alarmbereitschaft.

Sind dies berechtigte Warnungen oder steckt dahinter Alarmismus? – Diese Frage beschäftigte die Talkrunde am Mittwochabend bei "Markus Lanz".

Publizist Wolfram Weimer sah im jüngsten Handeln Wladimir Putins eine neue Eskalationsstufe. Er sprach sich für den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken aus. Energieökonomin Claudia Kemfert hielt genau das für völlig falsch.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 22. Juni:

  • Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Politiker
  • Florence Gaub, Sicherheitsexpertin
  • Claudia Kemfert, Energieökonomin
  • Wolfram Weimer, Publizist

Claudia Kemfert: "Damit mussten wir rechnen"

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Claudia Kemfert ist Wirtschaftswissenschaftlerin An der Leuphana Universität Lüneburg.Bild: screenshot zdf

Markus Lanz schätzte die verschiedenen Warnungen aus der Ampelregierung der vergangenen Tage "an der Grenze zum Alarmismus" ein. Damit war der Moderator jedoch allein in seiner Runde.

FDP-Politiker und Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff sprach von einer echten "Versorgungsproblematik" und bestätigte: "Wir haben absehbar eine Knappheit."

Auch Publizist Wolfram Weimer nahm die Warnungen aus dem Finanz- und Wirtschaftsministerium diesbezüglich sehr ernst und hielt diese für berechtigt. Das Handeln Wladimir Putins habe einen "machtpolitischen, kriegerischen Hintergrund". Und Weimer wurde noch deutlicher, als er erklärte:

"Die Russen haben den Gas-Krieg eröffnet."

Weniger überrascht vom Handeln Russlands zeigte sich Energieökonomin Claudia Kemfert. Dass Russland Gas als politische Waffe nutze sei nicht neu. "Damit mussten wir doch rechnen – und zwar täglich", so Kemfert.

Atomkraft – ja oder nein?

Nach Einschätzungen von Experten und auch der Regierung könnte die baldige Gasknappheit sowohl finanziell als auch real für Ungemütlichkeit in deutschen Haushalten sorgen. Aus der FDP und Opposition kamen diesbezüglich Rufe nach einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.

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Alexander Graf Lambsdorff ist Außenpolitikexperte und FDP-Fraktionsvize.Bild: screenshot zdf

Entsprechend äußerte sich auch FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff bei "Markus Lanz". Er befand: "Ich halte es für überhaupt kein Problem, unsere sicheren Kraftwerke am Netz zu lassen."

Auch "The European"-Verleger Wolfram Weimer war von der Idee überzeugt. Dass Robert Habeck sich gegen einen Weiterbetrieb ausspreche sei eine "rein politische Entscheidung". Er wollte den Grünen zurufen: "Springt doch da mal über euren Schatten!"

Laut Energie-Expertin Claudia Kemfert seien ideologische Gründe nicht das Hauptargument gegen Atom- und für Kohlekraft. Bei einer Weiternutzung von Atomkraftwerken stünden Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis. Doch es gebe noch ein viel grundlegenderes Argument gegen die Atomkraft:

"Wir haben kein Stromproblem!"

Zur Erzeugung von Wärme für den Winter könnten nur Kohlekraftwerke helfen.

Ob nun vorrangig ideologisch getrieben oder nicht – eine politische Entscheidung wird es am Ende so oder so geben. Dass die Lage ernst ist und es dringend eine schnelle Lösung braucht, darüber waren sich bei "Markus Lanz" alle einig.

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