korrespondentin
Gabriele Krone-Schmalz war von 1987 bis 1991 Moskau-Korrespondentin der ARD.Bild: screenshot ZDF
TV

Ex-Korrespondentin provoziert bei "Markus Lanz" – Moderator findet klare Worte

23.02.2022, 06:20

Der Westen sieht den Beginn einer russischen Invasion in die Ukraine. Wie wird der Konflikt nun weiter verlaufen und lässt sich überhaupt noch eine Lösung finden? Die ehemalige ARD-Moskaukorrespondentin Gabriele Krone-Schmalz eckt mit ihren Thesen bei den anderen Gästen der Runde an und am Ende macht Journalist Robin Alexander der SPD LobbyismusVorwürfe, die Generalsekretär Kevin Kühnert nicht auf sich sitzen lässt.

Mit diesen Gästen hat Markus Lanz am Dienstagabend gesprochen:

  • Kevin Kühnert (SPD), Generalsekretär
  • Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur "Die Welt"
  • Gabriele Krone-Schmalz, frühere ARD-Moskaukorrespondentin
  • Gwendolyn Sasse, Politologin und Leitung des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin

Nach der Gesprächsrunde von Markus Lanz zur Ukraine-Krise blieb vor allem Folgendes hängen: Alle Gäste sind erschüttert von Wladimir Putins Ansprache am Montag, in der er der Ukraine die Staatlichkeit absprach und krude Propaganda-Desinformation zu einem Blitzkrieg und einem Genozid im Donbass sowie die Behauptung, die Ukraine strebe nach Atomwaffen, verbreitete. Doch Gabriele Krone-Schmalz, frühere "ARD"-Moskaukorrespondentin, sieht das nicht ganz so glasklar wie die drei anderen Gäste sowie Lanz offenbar selbst.

Moskau-Korrespondentin eckt bei Journalist an

Noch in der vergangenen Woche habe Putin gesagt, dass Militärmanöver beendet wurden – nun marschieren seine Truppen in die Ostukraine ein. "Eine Lüge", resümiert Lanz. Krone-Schmalz meint, Situationen könnten sich auch einfach geändert haben. Ukrainer und Russen hätten zudem ein ganz spezielles Verhältnis. "Ich habe das nicht so verstanden, dass er in der Rede das Existenzrecht der Ukraine bestreitet", stellt sie dann in den Raum. "Wie bitte?", wirft Journalist Robin Alexander empört ein. Stattdessen würde sich in der Ukraine ein Gegenblock aufbauen, der Russland in seinem Sicherheitsinteresse bedrohe.

"Wenn Putins Anspruch ist, 1917 zu verändern, was sollen denn unsere Politiker da noch machen? Was soll der Westen dazu sagen?"
Journalist Robin Alexander

Die Politologin Gwendolyn Sasse übernimmt und pflichtet dem stellvertretenden Chefredakteur der "Welt" bei, dass die Absprache der ukrainischen Existenzrechte der Kern seiner Rede gewesen sei, der sich wie ein roter Faden hindurch zieht. Ihm gehe es vor allem um seine eigenen Befindlichkeiten und sein historisches Erbe. Putin habe in seiner Rede klargemacht, dass keine Grenzen mehr gelten würden, ergänzt Alexander.

beide frauen
Die frühere Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und Politologin Gwendolyn Sasse widersprachen sich häufiger.Bild: screenshot ZDF

Rückblick auf das EU-Assoziierungsabkommen

Russland sei die Ukraine erst angegangen, als diese sich nur noch dem Westen zugewandt habe, sucht Krone-Schmalz nach Ursachen aus der jüngeren Vergangenheit. Dann impliziert sie, dass man vor dem EU-Assoziierungsabkommen Moskau hätte mit einbeziehen und die Ukraine nicht vor die Entscheidung Osten gegen Westen stellen sollen. "Einer von uns dreien muss jetzt widersprechen, finde ich", wirft Alexander sein.

Sasse übernimmt und erklärt, dass es nicht so war, dass die Ukraine in eine Richtung gezwungen wurde. Der damalige ukrainische Präsident Janukowytsch war jedoch einerseits devot gegenüber Putin, auf der anderen Seite der EU zugewandt – am Ende kappte er nach Druck aus Moskau das Abkommen. Merkel und Steinmeier waren fassungslos, erinnert sich Alexander.

alexander
Journalist Robin Alexander geriet im Laufe der Sendung in Diskussionen mit Krone-Schmalz und SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert.Bild: screenshot ZDF

70 Prozent der Ukrainer will EU-Orientierung

"Die Dinge sind kompliziert", unterbricht Krone-Schmalz. Dass Janukowytsch ausgestiegen sei, hätte den simplen Grund gehabt, dass Russland mehr Geld geboten habe als die EU bereit war, in die Ukraine zu pumpen. "Das ist der Grund und kein anderer", beharrt Krone-Schmalz. Alexander scheint wenig überzeugt und schüttelt nur den Kopf.

Lanz will die Diskussion aufmischen und holt auch SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert ins Gespräch. Der spricht erstmal den Betroffenen in der Ukraine sein Mitgefühl aus. 70 Prozent der Ukrainer würden sich jedoch derzeit zu engeren Beziehungen mit der EU hingezogen fühlen, betont er.

"Während wir in der Europäischen Union oftmals Probleme haben, stolz zu sein, was wir uns aufgebaut haben, gibt es andere, die sich sehr danach sehnen, Teil dessen zu sein."
SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert

Zudem würde es in keinem Land Mehrheiten für einen Krieg geben – deswegen müsse man über die politische Führung sprechen und nicht zwei Völker gegeneinanderstellen. Der Wunsch hinter Putins Machtdemonstration sei die oberste Priorität Russlands, analysiert Kühnert. Das Wohl der Ukrainer und die genaue Grenzziehung dagegen, also ein grundsätzlicher Plan, sei nachranging.

Lanz erschüttert: "Sie verteidigen hier Putin"

Die Lebensumstände in der Ostukraine wären von Kiew nie so anerkannt worden, sagt Krone-Schmalz. Im Minsker Abkommen sei ein Fahrplan festgelegt worden, der nicht umgesetzt wurde. "Der Westen hat aber nur Russland dafür sanktioniert und Kiew nicht", wirft sie dann in den Raum. Alexander schaltet sich erneut ein: Olaf Scholz hatte nach seinem Besuch in der Ukraine Putin mitgeteilt, dass diese Gesetze eingehalten werden müssen. "Er hat alles geliefert, was eine deutsche Bundesregierung kann", lobt Alexander. Putin dagegen hätte einfach gelogen, davor könne man die Augen nicht verschließen.

kühnert lanz
Moderator Markus Lanz im Gespräch mit SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert.Bild: screenshot ZDF

Im Geiste von Minsk müsse man weiterarbeiten, sagt Kühnert, das sei die Konstruktion der Ukraine, ergänzt Krone-Schmalz. Die Menschen in der Ostukraine würden weder Rente noch Krankenversicherung bekommen, seien von Banken und Netzen ausgeschlossen. "Weil Putin es so möchte", stellt Kühnert klar. Krone-Schmalz setzt auch hier an, dass man in der Geschichte zurückgehen müsste. Alexander schüttelt nur noch den Kopf – wie so oft in der Sendung: "Ich bin bestürzt. Wie können Sie das rechtfertigen?"

Das Bild von einer Spaltung der Ost- und Westukraine sei sehr stark übertrieben, widerspricht Sasse Krone-Schmalz. Lanz bringt den Georgien-Krieg ins Spiel. Das könne man nicht vergleichen, sagt Krone-Schmalz. Ein EU-Bericht habe gezeigt, dass die georgische Seite zunächst angegriffen hätte. Nach mehreren Bemerkungen kann sich auch Lanz nicht mehr halten: "Sie verteidigen hier Putin." Krone-Schmalz streitet kopfschüttelnd ab.

Schaden von Nord Stream 2

Der nächste Konfliktpunkt: "Auch wenn Sie mich schlachten", leitet Krone-Schmalz ein. Den Stopp von Nord Stream 2 halte sie nicht für richtig, schließlich schade es am ehesten der deutschen Wirtschaft und nicht Putin. Kühnert – der noch vor Wochen gesagt hatte, dass Nord Stream 2 nicht mehr ständig im politischen Kontext gesehen werden sollte – finde die Entscheidung dagegen richtig.

"Potenziell schadet es uns, aber wir dürfen jetzt auch nicht wackeln an der Stelle", sagt Kühnert. Sasse ist der Meinung, dass sowohl von SPD als auch zuvor von CDU zu lange versucht wurde, Nord Stream 2 als privatwirtschaftliches Projekt zu sehen, obwohl die geopolitischen Einflüsse enorm seien.

"Da setzt die Peinlichkeit ein, dass es so lange gedauert hat, sich von Nord Stream 2 zu distanzieren."
Politologin Gwendolyn Sasse

Der letzte Punkt auf der Agenda von Moderator Lanz: "Welche Rolle spielt eigentlich die SPD in dem Sinne, dass ein ehemaliger Kanzler der oberste russische Gas-Lobbyist ist?" Keine, antwortet Kühnert. Lanz zieht erstaunt mit Blick zu Alexander die Augenbrauen hoch. Schröder spiele derzeit keine Rolle, so Kühnert. "Für die Bundesregierung von Scholz stimmt das, für die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern nicht", wirft Alexander ein.

kühnert
SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert distanziert sich erneut von Altkanzler Gerhard Schröder.Bild: screenshot ZDF

Manuela Schwesig hat eine öffentliche "hochdubiose" Stiftung aufgebaut, unterstützt von russischem Geld – basierend auf einem Netzwerk von Schröder. Transparency Deutschland wirft der Landesregierung jetzt vor, gegen das Geldwäschegesetz zu verstoßen. "Das ist alles hochnotpeinlich für die SPD." Kühnert widerspricht deutlich: "Das ist doch nicht die SPD." Der Generalsekretär zeigt sich entsetzt, dass Alexander eine Verbindung zwischen der SPD und "dem Handeln im Kreml" implizieren würde. "Das ist eine Nummer zu hart", geht Kühnert Alexander an und die beiden liefern sich zum Abschluss ein Wortgefecht – ohne klares Ergebnis.

Themen
Boris Becker früher frei als gedacht: Termin für Abschiebung soll feststehen

Tennis-Legende Boris Becker sitzt nun seit über sieben Monaten im Gefängnis. Eigentlich wurde er zu zweieinhalb Jahren verurteilt, von denen er die Hälfte der Zeit hinter Gittern sitzen sollte. Im Huntercombe-Gefängnis in Oxfordshire feierte er erst kürzlich seinen 55. Geburtstag. Nun mehren sich die Anzeichen, dass es sein letzter Ehrentag hinter Gittern gewesen sein könnte.

Zur Story