Thomas Gottschalk, Chantal Janzen, Lukas Podolski und Michael Michalsky saßen dieses Mal in der "Supertalent"-Jury.
Thomas Gottschalk, Chantal Janzen, Lukas Podolski und Michael Michalsky saßen dieses Mal in der "Supertalent"-Jury. Bild: RTL / Stefan Gregorowius

"Machst du das wirklich gerne?" Thomas Gottschalk zweifelt an Kinder-Act bei "Das Supertalent"

07.12.2021, 17:30
Andrea Zschocher
Andrea Zschocher
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Mir ging es bei dieser Folge "Das Supertalent" wie Thomas Gottschalk, der kurz vor Beginn der Sendung sagte: "Ich weiß von nichts, aber freu mich auf alles." Bis zu diesem Zeitpunkt war ich aber auch davon ausgegangen, dass Menschen, die in einer Show mit Namen "Supertalent" auftreten, auch irgendwas besonders super können. Diese Erwartung wurde am Samstag wirklich nur in kleinem Maße erfüllt.

Gut, wir befinden uns ja erst im Halbfinale, nächste Woche fürs Finale besteht durchaus noch ein kleiner Hoffnungsfunke auf einen Quantensprung in der Performance der Acts.

Thomas Gottschalk beim "Supertalent"

Thomas Gottschalk ist als Gastjuror für die Ehrlich Brothers eingesprungen. Die hatten wohl Terminschwierigkeiten, statt im Studio in Köln standen sie in Dortmund in der Westfalenhalle auf der Bühne.

Wie es zu diesen "spontanen" Terminüberschneidungen kommen konnte, blieb vollkommen unklar, aber zum Glück war Tommy ("Ich bin sogar 3G – getestet, geimpft und geschminkt") ja da. Samt "Föhnfrisur und ausgefallener Klamotten", wie Chris Tall anmerkte. Irgendwie scheinen die Witze über Gottschalks Kleidung auch nie alt zu werden.

Als er sich über den Anzug eines Kandidaten mit den Worten "du trägst einen der wenigen Anzüge, die nicht mal ich angezogen hätte" lustig machte, war auch klar: Dieses jahrelange Arbeiten im Showbusiness ist vielleicht gar nicht so erstrebenswert, wenn man immer wieder über die gleichen öden Witze lachen soll.

Moderatorin Lola Weippert schien sich an all die Memes über Angelina Jolie und ihr Oscardress bzw. das abgespreizte Bein 2012 zu erinnern und schob ihr Bein den ganzen Abend über eher irritierend aus dem Kleid. Aber yeah, immerhin eine kleine Schlagzeile, Publicity ist alles. Und was für Thomas Gottschalk seit 40 Jahren funktioniert, kann ja auch für Lola Weippert eine Idee sein.

Strenge Jury mit ehrlicher Meinung

Aber genug der Oberflächlichkeiten, denn spannenderweise war die Jury durchaus bereit, mal mehr von sich zu geben als "super", "mega", "wow, wow, wow". Also natürlich kam auch das vor, aber Geschmäcker sind ja verschieden. Es kam durchaus auch echte Kritik, die prompt für schlechte Stimmung sorgte.

Während Michael Michalski von Jodlerin Uschi Bauer "begeistert, weil es so crazy ist" war, Chantal ihre "Lebensfreude auf der Bühne" feierte und Thomas Gottschalk recht charmant darauf verwies, dass die große Karriere sowohl hinter Uschi als auch ihm lag, sprach Lukas Podolski Klartext:

"Für mich war der Auftritt absolut nix."
Uschi Bauers Performance kam nicht bei allen Jury-Mitgliedern gut an.
Uschi Bauers Performance kam nicht bei allen Jury-Mitgliedern gut an.Bild: rtl / Stefan Gregorowius

"Wie, das war nix?", setzte die 71-Jährige an, die mit Kritik offensichtlich nicht besonders gut umgehen kann. Sie sei ja schon berühmt gewesen, da hätte es Poldi noch gar nicht gegeben, wetterte die Jodlerin. Podolski blieb bei seiner Meinung und klärte freundlich aber bestimmt auf, dass es sein gutes Recht sei, seine Meinung zu vertreten. Genau das fehlt ja in den meisten Castingshows, wo immer alles toll und super ist.

"Ich dachte, die verprügelt ihn gleich"

Nach der Punktevergabe, Poldi gab Uschi einen Punkt, wollte Michael Michalski die Reaktion der Teilnehmerin nachbesprechen: "Ich dachte, die verprügelt ihn gleich", setzte er an, aber das Moderationsduo unterband das augenblicklich. Schade, Liveshows leben doch immer auch davon, dass vom eigentlichen Sendeplan zugunsten von Spontanität abgewichen wird. Aber offensichtlich nicht beim "Supertalent".

Dabei ging an diesem Abend einiges in die Hose. Die Mikrofone zweier Teilnehmenden wurden erst zu spät aufgedreht, so dass Satzanfänge verschluckt wurden, bei der Inclusion Dance Show funktionierten die Effekte zunächst nicht und bei Magier Kevin Quantum ging gleich die ganze Zaubernummer in die Hose.

Magier Kevin Quantum und das unmögliche Pendel

Geplant war, dass der gelernte Physiker durch ein sogenanntes harmonisches Pendel läuft. Die meisten von uns kennen das im Miniformat als Beruhigungsspielzeug auf Schreibtischen. Quantum hatte eine XXL-Version davon gebaut. Das Ziel war: Ohne Sicht durchzulaufen, während zwölf Kilo schwere, brennende Kugeln um den Kopf des Magiers sausen. Lukas Podolski sollte bestätigen, dass Kevin Quantum unter diesem Sack nichts sehen kann und sich das Ding auf den Kopf setzen. Und wieder war es diese ehrlich-erfrischende Art, die für einen Lacher sorgte.

Magier Kevin Quantum hatte Probleme bei seinem Trick.
Magier Kevin Quantum hatte Probleme bei seinem Trick.Bild: RTL

Nicht nur, dass Poldi angab, "doch, ein bisschen was schon" noch sehen zu können, er probierte auch, ob die Kugeln im Pendel überhaupt echt waren. Als er eine von ihnen auf eine Melone werfen sollte, um zu demonstrieren, wie gefährlich der Trick sei, bot Poldi an, die zermatschten Melonenstücke auch noch im Publikum zu verteilen. Leider klappte der Trick nicht, Kevin Quantum wurde sogar von den Kugeln am Kopf getroffen. Chris Tall, bisher nicht durch Feinfühligkeit aufgefallen, wurde seinem Ruf auch an diesem Abend wieder gerecht, als er einwarf: "Wir hoffen, dass es Kevin wirklich gut geht".

Brauchen wir eine andere Fehlerkultur?

Einen Arzt mal draufschauen zu lassen, wäre natürlich auch eine Idee gewesen. Aber nun gut. Ähnlich feinfühlig reagierte Michael Michalski auf die verpatzte Nummer: "Ich finde es traurig, dass es nicht geklappt hat", aber "damit kam man nicht ins Finale kommen."

Kam Quantum auch nicht, aber wer sagt eigentlich, dass man da nur landen darf, wenn alles 100-prozentig klappt? Wäre es nicht auch mal spannend, an unser aller Fehlerkultur zu arbeiten und wie Thomas Gottschalk darauf hinzuweisen, wie toll es ist, dass jemand nicht mit 100-fach gesehenen Zaubertricks agiert (looking at you, Ehrlich Brothers), sondern "Naturgesetze für Leute sichtbar machen" will.

Die sichere Bank ist das, was Drew Colby, einer der Finalisten, darbot. Zweifelsfrei verlangt sein Schattentheater viel Übung und Hingabe, aber es ist halt auch ein wenig langweilig. Das Juryurteil war trotzdem eindeutig, Lukas Podolski fand, es sei eine "tolle Idee, tolle Show, bis jetzt der beste Auftritt von heute".

Ähnliche Lobhudeleien gab es für die beiden weiteren Finalisten Inclusion Dance Show, die Tanzcrew, in der Menschen mit und ohne Behinderung vor und mit aufwändigen Visuals Effects gemeinsam tanzten und Karabo Morake, ebenfalls ein Tänzer mit opulentem Outfit, der sehr sympathisch über sein Leben zwischen kreativem Tanz und biederem Jurist-Sein erzählte.

Viele Auftritte waren nicht gut

"Ich bin zufrieden, es ist kein Klamauk", urteilte Thomas Gottschalk zur Halbzeit und ließ dabei unter den Tisch fallen, dass einige Auftritte aber auch nicht besonders gut waren. Die achtjährige Liliya Turkeieva, die im Casting noch alle begeisterte, weil sie allein sehr eindrucksvoll turnte, überließ im Halbfinale weitestgehend ihren Eltern das Feld.

Die waren aber überhaupt nicht in die Sendung gewählt worden, stahlen ihrer Tochter eher das Rampenlicht und veranlassten Thomas Gottschalk zu einem eher irritierenden Interview mit der Achtjährigen. Er wollte nicht recht glauben, dass sie diesen Sport gern und freiwillig ausführen würde: "Machst du das wirklich gerne?", fragte er. Was ist das eigentlich für ein Menschenbild, dass Kindern abspricht, Spaß am Training und Erfolg zu haben?

Liliya Turkeieva mit ihren Eltern Dima und Julia bei "Das Supertalent".
Liliya Turkeieva mit ihren Eltern Dima und Julia bei "Das Supertalent".Bild: RTL / Stefan Gregorowius

Echomann Afonso Rodrigues hat zwar eine besondere Begabung, er kann mit seiner Stimme künstliche Echogeräusche erzeugen, aber das ist auch super anstrengend beim Zuhören. "Ob man das den ganzen Abend aushält?", fragte sich Thomas Gottschalk und gab zu:

"Ich weiß echt nicht, was ich sagen soll, das passiert mir nie."

Mittelmäßige Sendung

Dass viele der eingeladenen Talente gar nicht aus Deutschland kommen, sondern weltweit gecastet werden, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. In diesem Halbfinale traten Menschen aus Deutschland, Polen, Portugal, Italien und Großbritannien an, um ihre Talente unter Beweis zu stellen. Leider waren nur die wenigsten von ihnen finalwürdig, der eine sang schräg, die nächste schief, und so ein Pain Act wie Muy Moi, bei dem viele Zuschauende gar nicht sehen wollen, was genau sein Talent ist, das macht aus dem "Supertalent" irgendwie keinen Titel, den man unbedingt gewinnen möchte.

Afonso Rodrigues bei "Das Supertalent".
Afonso Rodrigues bei "Das Supertalent".Bild: rtl / Stefan Gregorowius

Und auch wenn Thomas Gottschalk noch versuchte, das Moderationsduo für ihre Performance zu loben: Deren Arbeit passte zwar zur mittelmäßigen Sendung, war aber weit entfernt von super.

Kleiner Lichtblick: Die Erinnerung von Chris Tall an den gerade verstorbenen Mirco Nontschew. Eigentlich alles, was dieser geschaffen hat, strotzte nur so vor Talent. Drei Stunden Aufzeichnungen von seinem Tun wären wirklich supertalent-würdig gewesen. Auch von RTL.

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