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Wolfgang Schäuble ist seit 2017 Präsident des Deutschen Bundestages. Bild: screenshot zdf

"Jetzt übertreiben Sie es, Herr Lanz": Wolfgang Schäuble weist Moderator in seine Schranken

Chaos bei den Corona-Maßnahmen, der sogenannte Maskenskandal und nun auch noch eine Kanzlerin, die ihren Partei-Chef öffentlich demontiert – keine Frage, die CDU steckt in einer Krise. Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident und früherer CDU-Finanzminister, wollte davon am Mittwochabend bei "Markus Lanz" nichts wissen.

Rhetorisch gekonnt wich er den Fragen von Moderator Markus Lanz immer wieder aus – doch der ließ nicht locker.

Und auch die zweite Politikerin in der Runde, Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow, wurde von dem Moderator der Talksendung ordentlich in die Mangel genommen. Über ihren Plan, den Kapitalismus abzuschaffen, konnte dieser nur staunen.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz":

"Markus Lanz": Wolfgang Schäuble windet sich heraus

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Wolfgang Schäuble spielte die Krise in seiner Partei herunter. Bild: screenshot zdf

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte sich für diesen Abend bei "Markus Lanz" offenbar eine Vernebelungstaktik bereitgelegt: Stets so gelassen wie möglich auf die Fragen des Moderators reagieren, in den Antworten möglichst weit ausholen und so die Krise der eigenen Partei in den Nebelschwaden seiner Worte verschwinden lassen.

Angesprochen auf die Ausfälle und Vorfälle in der CDU, die Vertrauen in die Partei und Wählergunst haben sinken lassen, reagierte Schäuble pragmatisch und ausweichend. Die eigentliche Krise betreffe das gesamte Land, denn die Corona-Pandemie sei die Herausforderung, um die es derzeit gehe.

Doch Moderator Markus Lanz wollte die Spannungen und den Disput in der CDU keinesfalls aus den Augen verlieren. Schäuble habe sich rhetorisch gekonnt "fast schon an der Grenze zur Langeweile" gegeben, monierte der 52-Jährige.

Ironisch fasste Lanz zusammen: "So wie ich Sie gerade erlebe, würde ich sagen, die Lage ist ernst."

Markus Lanz bohrt immer weiter nach – ohne Erfolg

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"SZ"-Journalistin Cerstin Gammelin nahm die Situation der CDU durchaus ernst. Bild: screenshot zdf

Denn, so erklärte Lanz, Merkel habe am vergangenen Sonntag bei "Anne Will" CDU-Parteichef Armin Laschet regelrecht abgekanzelt. "Mit allem Respekt", entgegnete Schäuble, "jetzt übertreiben Sie’s doch ziemlich, Herr Lanz." So tragisch wie Markus Lanz die Dinge schildere seien sie dann auch wieder nicht.

In der Tat, so gab Schäuble dann doch noch zu, müssten Angela Merkel und Armin Laschet jedoch derzeit "die Balance halten". Merkel müsse bis zu ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin weiterhin eine gute Figur machen. Laschet müsse dagegen zeigen, dass er die Union in eine gute Zukunft führen könne.

Journalistin und Polit-Expertin Cerstin Gammelin konnte während all dem nur unruhig auf dem Stuhl herumrutschen, zu Wort jedoch kam Sie kaum.

Wolfgang Schäubles Taktik ging auf: Mit endlosen Reden in ruhigem Ton bleibt von seinem Auftritt bei "Markus Lanz" statt dem Eindruck von Krise in der CDU nur der schläfrige Eindruck einer ausweichenden Polit-Rede ohne viel Inhalt.

Susanne Hennig-Welsow für eine radikal soziale Politik

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Gemeinsam mit Janine Wissler führt Hennig-Wellsow, hier im Bild, die Partei Die Linke als Doppel-Spitze an. Bild: screenshot zdf

Mit Susanne Hennig-Wellsow wollte Markus Lanz später in der Sendung einen Blick in die Zukunft wagen. Auch in diesem Gespräch kristallisierte sich wieder eine Taktik heraus, die diesmal eher einem Katz-und-Maus-Spiel ähnelte.

Markus Lanz feuerte seine Fragen ab und bekam entsprechend auch schnelle Antworten. Was würde Susanne Hennig-Wellsow tun, wenn die Linke an der Regierung und sie selbst Bundeskanzlerin wäre? "Die Vermögenssteuer würde ich gerne verhandeln. Ich möchte, dass der Spitzensteuersatz steigt und ich möchte auch, dass es eine einmalige Vermögensabgabe gibt", erklärte die 43-Jährige ohne Umschweife.

Über die Erklärungen zu den Antworten der Politikerin zeigte sich der Moderator teilweise geschockt. Bezüglich der Vermögensabgabe fragte er ungläubig: "Das heißt, jemand, der zehn Millionen Euro besitzt, drückt einmalig drei Millionen Euro ab, zusätzlich zu den Steuern, die er eh schon zahlt?" "Ich finde das angemessen", gab Hennig-Wellsow zu. Lanz bezeichnete eine solche Abgabe jedoch als "happig".

Markus Lanz: "Sie wollen den Kapitalismus abschaffen?"

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Moderator Markus Lanz zeigte sich erstaunt über die Vorschläge von Linken-Chefin Hennig-Wellsow. Bild: screenshot zdf

Auf die Unterschiede in den politischen Ansätzen der beiden Frauen an der Doppelspitze der Linkspartei hin gefragt, erklärte Hennig-Wellsow konkret:

"Mit mir wählen Sie die Regierungslinke und diejenige, die sieht, dass auch radikale Ansätze gesellschaftlich, praktisch umsetzbar sein müssen."

Auf die Nachfrage Lanz‘, ob dies auch beinhalte, den Kapitalismus abzuschaffen, hieß es, dieser könne nicht innerhalb der nächsten zehn oder 15 Jahre abgeschafft werden und es sei falsch, dies zu suggerieren. "Was wir aber brauchen", so Hennig-Wellsow, "ist eine solidarische Gesellschaft, die sozial agiert."

Man mag von den radikalen Zukunftsvisionen der Linken-Chefin für die Bundesrepublik halten was man will. Jedoch steht fest: In einer Talkshow wie "Markus Lanz" braucht es vor allem eins – klare Positionen, wie sie die Politikerin an diesem Mittwochabend immer wieder bezogen hat.

Virologin redet Politiker bei "Lanz" in Grund und Boden

Obwohl die Infektionszahlen in Deutschland weiter steigen, beschließen die meisten Bundesländer keine weitreichenden Corona-Maßnahmen - teilweise wird sogar geöffnet. Das kann Professorin Melanie Brinkmann absolut nicht verstehen und dreht am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" voll auf. Das Unverständnis der Virologin bekommt dabei insbesondere Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu spüren: "So Herr Kretschmer, jetzt haben wir ein Problem!"

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