Helge Schneider wirkt bei "Maischberger. Die Woche" sehr ernst.
Helge Schneider wirkt bei "Maischberger. Die Woche" sehr ernst.
bild: Screenshot ard

Bei "Maischberger": Helge Schneider distanziert sich von Querdenkern

09.09.2021, 13:44
dirk Krampitz

Zwei politische Gegner, die sich abseits der Kamera ganz gut zu verstehen scheinen, treffen bei "Maischberger. Die Woche" aufeinander. Und Helge Schneider spricht mit Sandra Maischberger über seinen Konzertabbruch. Die Gäste:

  • Markus Blume, CSU-Generalsekretär
  • Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende in Bayern von B’90/Grüne
  • Helge Schneider, Entertainer und Musiker
  • Urban Priol, Kabarettist
  • Susanne Gaschke, Journalistin bei "Die Welt"
  • Michael Stempfle, Korrespondent ARD-Hauptstadtstudio
Markus Blume (CSU) und Katharina Schulze (Grüne) siezten sich erst, dann duzte sie ihn.
Markus Blume (CSU) und Katharina Schulze (Grüne) siezten sich erst, dann duzte sie ihn.
bild: screenshot ard

Im Vorfeld der Bundestagswahl gibt es bei Sandra Maischberger im Studio Wahlduelle. Diesmal trifft CSU-Generalsekretär Markus Blume auf Katharina Schulze, Grünen-Fraktionsvorsitzende in Bayern. Und es ist eine der interessanteren Zusammenkünfte bisher. Denn hier sitzen sich zwei gegenüber, deren Verhältnis für den Zuschauer nicht ganz klar wird.

Obwohl aus sehr unterschiedlichen politischen Lagern kommend, scheinen sich die beiden grundsätzlich eher sympathisch zu sein. Es wird viel gelächelt. Trotzdem schenken sie sich in der Sache nichts. Zwischendurch wechselt Schulze immer mal vom "Sie" zum "Du" und Maischberger stellt überrascht fest: "Sie kennen sich aus Bayern..." Bei den Umweltschutzzielen gibt es ebenfalls viel Nähe: Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder will bis 2030 den Ausstieg aus der Kohle, bis 2035 den Verbrennungsmotor abschaffen. Bayern soll bis 2040 Klimaneutral sein. "Wozu brauchen wir da noch die Grünen?", fragt Maischberger provokant.

"Das ist ein typischer Markus Söder, er malt sich immer gern grün an, er ist immer groß beim Verkünden, aber wenn man dann genau hinschaut und ein bisschen an der grünen Fassade kratzt, merkt man schnell, dass nichts dahintersteckt. "
Katharina Schulze

Bayern hätte ein sehr unbestimmtes Klimaschutzgesetz und Markus Söder sei ja nun schon einige Zeit Ministerpräsident, habe aber kaum etwas für den Klimaschutz unternommen, findet Schulze.

Eine Karte für Grillsünder

Sofort wehrt sich Blume dagegen. Die Klimakrise sei "eines der zentralen Themen" und dürfe keine Frage von "parteitaktischen Überlegungen" werden. Die CSU wolle "Klimaschutz mit Vernunft machen" Außerdem sei Bayern schon das erneuerbare Energieland Nummer 1. "Man sollte die Menschen nicht verängstigen. Wir sollten den Menschen nicht Mobilität madig machen." Es könnten ja "nicht alle aufs Lastenrad" umsteigen, stichelt er gegen den Vorschlag der Grünen.

Überhaupt besteht Blumes Argumentation meist im Angriff. Das neue Steuerhinterziehungsportal, das die Grünen in Baden-Württemberg eingerichtet haben, kritisiert er polemisch. "Das spricht von einem Grundmisstrauen gegenüber dem Bürger. Da ist die Frage erlaubt: 'Was kommt als nächstes? Eine Klimasünderkartei? Der Nachbar hat zu viel gegrillt oder fährt noch den alten stinkenden Diesel?'"

Markus Blume holt das Handy heraus, um in der Pressemitteilung der Grünen zu lesen.
Markus Blume holt das Handy heraus, um in der Pressemitteilung der Grünen zu lesen.
bild: screenshot ard

Obwohl er damit einige Lacher einheimst beim Studiopublikum, täuschen seine Worte nicht darüber hinweg, dass das Neue am Steuerportal der Grünen vor allem ist, dass es digital stattfindet. Auch in seinem Bayern kann man Nachbarn beim Finanzamt denunzieren, aber nur analog, auf einem Zettel, sagt Maischberger. Blume bestreitet das und holt sein Handy hervor. Maischberger amüsiert bis fassungslos: "Googlen Sie?" Er entgegnet in Richtung Katharina Schulz: "Ich zitiere aus Ihrer Pressemitteilung...". Klarer Souveränitäts-Sieg für die Grüne.

Gehört der Islam zu Deutschland?

Am Ende startet Maischberger das Ja/Nein-Spiel und diesmal sogar mit einigen Erkenntnissen: Blume findet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, Menschen mit islamischem Glauben hingegen schon. Außerdem solle man afghanische Straftäter nach Afghanistan abschieben. Schulze wendet hingegen ein, das sei im Moment gar nicht möglich. Ob Laschet ein besserer Kanzlerkandidat sei als Markus Söder, bohrt Maischberger in der Wunde der Union. Blume gibt mehrere Antworten, als Maischberger immer wieder nachbohrt. Am Ende sagt er: "Wir wollen, dass Armin Laschet Kanzler wird." Sogar die Studiogäste lachen, weil Blume sich so bockig halbherzig für Laschet ausspricht.

Sandra Maischberger (re.) mit ihren Kommentaroren
Sandra Maischberger (re.) mit ihren Kommentaroren
bild: screenshot Ard

Wenig begeistert sind von Armin Laschet und seinem jüngst vorgestellten Kompetenzteam auch Maischbergers Kommentatoren. Kabarettist Urban Prioll hängt sich vor allem an Friedrich Merz auf, "den die Älteren noch kennen werden" und den er für ewiggestrig hält. Auch ARD-Journalist Michael Stempfle meint, die Mitglieder des Kompetenzteams wirken so, "als seien sie nicht alle erste Liga". Welt-Journalistin Susanne Gaschke findet das Team gar nicht schlecht, aber "der Befreiungsschlag" komme zu spät, um vor der Wahl noch Wirkung zu entfalten.

Rauchen und Rumlaufen störten Helge Schneider

Helge Schneider erklärt seinen Konzertabbruch.
Helge Schneider erklärt seinen Konzertabbruch.
bild: Screenshot ard

Helge Schneider hatte während der Corona-Zeit drei Momente, in denen er Aufmerksamkeit erregte: Als die ersten Konzerte wieder stattfanden, zum Teil in Autokinos, sagte er, er wolle nicht vor Autos spielen. Als nächstes wies er bei den Novemberhilfen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) darauf hin, dass Freiberufler extrem schwankende Monatseinkommen haben können und riet zum Jahresmonatsschnitt als Berechnungsgrundlage. Und zuletzt fiel er auf, weil er zwar nicht vor Autos, aber vor Strandkörben spielte. Wenn auch nicht lang.

Maischberger pirscht sich langsam ans Thema heran. Helge Schneider gesteht, dass er schon vor Corona wenige Hände geschüttelt und generell vorsichtig gewesen sei. "Manchmal halte ich den Atem an in großen Menschenmengen, um mich nicht anzustecken."

Während der Pandemie hat er mit seinem Sohn Charlie (11) beim Homeschooling Mathe geübt. "Furchtbar" sei das gewesen. "Ich selbst kann noch viel weniger rechnen wie meine Kinder. Ich bin in der 9. Klasse von der Schule geflogen, weil ich Musiker werden wollte." Maischberger ergänzt: "Und weil Sie gekifft haben." "Ja das habe ich", gibt Schneider zu. Aber er habe es dann glücklicherweise schnell wieder sein lassen. "Mit Drogen ist nicht zu spaßen, auch mit Haschisch nicht." Sein Sohn spielt ab und zu Schlagzeug in Schneiders Band. "Bei Auftritten sind wir gleichwertige Bühnenkollegen, da habe ich gar nicht das Gefühl von Vater und Sohn." Charlie war auch beim Konzertabbruch in Augsburg dabei.

Schneider fühlte sich in seiner Konzentration gestört, weil Leute herumliefen und die Zuschauer zu weit weg waren. Also ging er an den Bühnenrand und sagte: "Das geht mir ziemlich auf den Sack, man kriegt keinerlei Kontakt zum Publikum. Das System ist einfach fadenscheinig und dumm." Auch im Rückblick findet er die Entscheidung richtig. Die Bühne sei mit 6 Metern zu hoch gewesen, und zwischen den Zuschauern und ihm verliefen eine Straße, eine Wiese und zwei Zäune. Zwei "Security-Typen" hätten sich die ganze Zeit unterhalten und geraucht. Und er habe ständig Menschen mit Plastiktüten herumlaufen sehen. Er hielt sie für verspätete Zuschauer. Erst im Nachhinein bekam er mit, dass es Kellner waren. Maischberger fragt ungläubig, ob nicht von den Serviertätigkeiten im Vertrag gelesen habe. "Ne, ich nicht, mein Agent vielleicht, aber ich gucke da nicht überall rein."

Beifall von Querdenkern

Gerade das Zitat vom "fadenscheinigen System" wurde von Querdenkern als Kritik an den Corona-Maßnahmen gewertet. Schneider will damit aber nur die Art der Konzertorganisation gemeint haben. Er selbst habe den Applaus aus dieser Ecke gar nicht mitbekommen. Das Internet sei "ein ziemliches Gift", darum treibe er sich dort nur wenig herum. Und wenn, dann guckt er vor allem Videos vom Jazz-Saxophonisten Charlie Parker auf Youtube. Bei Maischberger stellt er klar: "Es war nicht Protest gegen Corona-Maßnahmen. Aber egal, was du heute sagst, jeder nimmt sich was von dir." Seine Botschaft an die Querdenker: "Die brauchen sich nicht bemühen um mich." Ihm sei es bei der Entscheidung, abzubrechen, nicht um Politik, sondern nur um die Musik gegangen.

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"Lieber nicht spielen als schlecht spielen. Schlecht spielen ist nicht mein Ding. Da habe ich überhaupt keine Lust zu."
Helge Schneider

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