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Bild: RTL 2 / watson Montage

Hartz-IV-Empfänger kassiert Job-Absage – mit völlig absurder Begründung

Jens, 52 Jahre alt, hat schon über 200 Bewerbungen geschrieben, seitdem er vor acht Monaten arbeitslos geworden ist. Die meisten Arbeitgeber haben sich nicht zurückgemeldet – gerade einmal eine Handvoll Absagen hat der ehemalige Lkw-Fahrer kassiert.

Eine Job-Absage hat es dann allerdings in sich: Jens kann laut des Absage-Briefs nicht eingestellt werden, weil er zu dick ist. Bitte?!

Nach 200 Bewerbungen ist der Hartz-IV-Empfänger frustriert

Jens ist Protagonist der Armutsshow "Hartz und herzlich": In der Sendung stellt RTL 2 Hartz-IV-Empfänger aus Pirmasens vor, die das Produktions-Team vier Monate lang in ihrem Alltag begleitet hat.

Zwischen all den Protagonisten, die in der Show vorgestellt werden, fällt Jens als besonders desillusioniert auf. Kein Wunder – schließlich gerät man nach über 200 verfassten Bewerbungen völlig verständlicherweise an seine Frustrationsgrenze.

Selbst als der Hartz-IV-Empfänger einen befristeten Job als Gabelstaplerfahrer findet, ereilt ihn gleich die nächste Hiobs-Botschaft: Schon nach acht Arbeitstagen trifft die Kündigung ein. Angeblich soll Jens zu langsam gearbeitet und zu wenig Erfahrung haben.

"Haben sie mal geguckt, wie alt ich bin? Haben sie mal in Erwägung gezogen, dass ich nicht mit dem Gabelstapler nicht herumfahren kann wie der Schuhmacher?"

Mit steigendem Alter sinken laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit die Chancen auf eine erneute Beschäftigung: So lag 2017 der Anteil von Menschen ab 55 Jahren, die länger als ein Jahr arbeitslos waren, bei 48 Prozent. Bei den unter 25-Jährigen sind es gerade einmal zehn Prozent. Nun, und Jens ist der ersteren Gruppe mit seinen 52 Jahren nun einmal deutlich näher – Erfolg auf dem Arbeitsmarkt ist damit nicht vorprogrammiert.

Begründung für Job-Absage: Jens ist zu dick

Dennoch versucht er es weiter und bewirbt sich erneut – bis ihn schließlich eine Job-Absage mit völlig absurder Begründung erreicht.

In einer Szene der letzten Folge "Hartz und herzlich" am Dienstagabend liest Jens den Absage-Brief vor. Darin lautet es:

"Aufgrund der Tatsache, dass der Kunde maximal Kleidergröße 3XL hat und Sie damit nicht bedienen kann, können Sie leider nicht an der Schulung teilnehmen. Die Teilnahme an der Schulung ist eine Pflichtvoraussetzung für den Arbeitsvertrag. Aus diesem Grund muss ich Ihnen mitteilen, dass der Arbeitsvertrag leider nicht zustande gekommen ist."

Jens wird also abgelehnt, weil er zu dick ist für die Stelle.

Was an dieser Stelle wie eine Farce anmutet, ist rechtlich übrigens nicht belangbar: Anscheinend gibt es kein Gesetz, dass einen Arbeitnehmer vor Diskriminierung aufgrund der Körperfülle schützt. Das Gleichstellungsgesetz greift in diesem Fall zumindest nicht.

Könnte Hartz IV der Grund für die Absage sein?

Zudem wirkt es recht fadenscheinig, wenn die Begründung des potentiellen Arbeitgebers auf zu kleine Arbeitskleidung abzielt. Zu leicht drängt sich der Verdacht auf, dass die Absage möglicherweise aus anderen Gründen erteilt wurde.

"Die Aussichten sind, naja, eher bescheiden."

Am Ende der Folge wirkt Jens eher demotiviert. Aufgeben wird er allerdings nicht: Er versucht weiterhin, eine neue Vollzeitstelle zu finden.

(ak)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Christian Frederic Ahrens 31.05.2019 10:25
    Highlight Highlight Ich kann den Arbeitgeber in gewosserweise verstehen. Es kommt stark auf den Beruf an, z.B. bei mir in der Windkraft haben wir ein Limit, die Leitern sind nur bis 150kG Pro Person zugelassen Die 150kG setzen sich Klamotten + Kletterausrüstung + Mensch zusammen, dadurch darf ein Mensch nur noch Maximal 120-130kg wiegen, diese sind schnell erreicht wenn man schon sehr groß ist.
    Außerdem ist es bei einem 2-3 Mann Team sehr schwierig eine normale Person zu Retten.
  • Wolfgang Novodny 30.05.2019 10:43
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • Alexandra Violetta 29.05.2019 15:01
    Highlight Highlight Ich wurde 2004 arbeitslos und bin es, mit 2 Jahren Unterbrechung, bis heute. Ich habe im ersten Jahr 250 Bewerbungen geschrieben, im 2. Noch 120, im 3. Nur noch die geforderten 2 jeden Monat. Mittlerweile dauerhafte Erwerbsfähigkeit, da ich diverse Phobien, Störungen, Behinderungen und Zwänge habe... Berentet werde ich nicht, obwohl das JC verpflichtet ist, mich andie Rentenkasse "abzugeben". Die wollen mich einfach behalten, um mich jedes Jahr in eine teure und unnötige Maßnahme für "Bewerbungstraining" zu stecken. Als ob ich nicht weiß, dass ich dann wieder nur basteln darf 6 Monate lang.
  • Karl Heinz Lindemann 29.05.2019 13:38
    Highlight Highlight Als Kraftfahren findet man doch Heutzutage genug Arbeit.Ich bin 65 und Rentner.Habe aber Führerschein klasse 2.Ich werden noch immer Angerufen ob ich nicht Fahren möchte.Aber aus gesunheitlichen Gründen sage ich immer nein.Ich könnte ihm 20 Stellen im Fernferkehr besorgen.Er muß sich nur Bewerben.
    • Alexandra Violetta 29.05.2019 15:02
      Highlight Highlight Vielleicht sollte Sie sich mit der Redaktion in Verbindung setzten? Eventuell können die Sie an ihn weiterleiten? Nur so eine Idee...
  • Blake34 29.05.2019 12:42
    Highlight Highlight Öhm , was erwartet er? Starkes Übergewicht ist nun mal hinderlich im Leben, vor allem im Beruf. Und wenn der Arbeitgeber das nicht will ,dann muss er das akzeptieren. Beschwert der sich auch noch das er nicht genommen wurde ,tttzz
    Ich bin tätowiert und weiß das bestimmte Berufsbereiche für mich nicht in Frage kommen. Das ist nun mal .
    • Daniel Krempfer 29.05.2019 22:04
      Highlight Highlight Sehe ich nicht so!
      Und zum Glück weichen diese alten, erzkonservativen Regeln immer weiter auf, wie unzählige Prozesse (z.B. in Bezug auf tätowierte Polizeibeamte) gezeigt haben.

      Leider ist die Privatwirtschaft jedoch - im Gegensatz zum öffentlichen Dienst - diktatorisch geführt, daher: Der Chef darf jemanden ablehnen, weil ihm seine Nase nicht passt.

      Das sollte man mMn nicht mit einem "Das ist nun mal so" akzeptieren, sondern dagegen kämpfen. Denn das, was hier praktiziert wird, sind schlicht Vorurteile und Diskriminierungen - und das sollte man eben nicht einfach akzeptieren!
    • Wolfgang Novodny 30.05.2019 10:45
      Highlight Highlight Du hast Dich für Deine Tätowierung selbst entschieden (abgesehen davon das mittlerweile kaum einer dich deswegen ablehnen wird). Die meisten Übergewichtigen aber sind nicht freiwillig Übergewichtig.
    • Blake34 31.05.2019 15:25
      Highlight Highlight Wir hatten mal im Ort einen Schulleiter , der war sehr beliebt. Er hat sein Job gut gemacht, hat sein Ding durchgezogen und hatte seine Fans. Bei einigen kam er an bei anderen nicht, weil er pinkgrüne haare, nietenarmbänder und zerrissene jeans. Er weiss dass er bei einigen aneckt und er nicht in einem Autohaus oder Bank arbeiten kann. andere frage: hast du schon mal eine stripperin gesehen die 200 Kg wiegt? Ich kann mit 168 cm und Kleidergröße 40 auch kein Laufstegmodel in Paris werden. Man muss die Vorgaben erfüllen.Das hat mit Diskriminierung nichts zu tun.

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